Oba­ma-Ve­to schreckt Aix­tron nicht ab

Deut­scher Ma­schi­nen­bau­er glaubt wei­ter an Über­nah­me durch chi­ne­si­sche In­ves­to­ren

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Jo­han­nes Hal­ler und Andre­as Ho­enig

WA­SHING­TON/HER­ZO­GEN­RATH (dpa) - Der Spe­zi­al­ma­schi­nen­bau­er Aix­tron will trotz ei­nes Ve­tos von US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma für die ge­plan­te Über­nah­me durch chi­ne­si­sche In­ves­to­ren kämp­fen. Oba­ma hat­te den Er­werb des US-Ge­schäfts von Aix­tron ver­sagt. Grund sei­en „Ri­si­ken für die na­tio­na­le Si­cher­heit“der USA, teil­te die US-Re­gie­rung mit.

Of­fen ist nun, wel­che Fol­gen das Ve­to Oba­mas für die Über­nah­me ins­ge­samt hat. Für das Un­ter­neh­men aus Her­zo­gen­rath (Nord­rhein-West­fa­len) ist die Re­ak­ti­on kein Grund auf­zu­ge­ben. Aix­tron gab am Wo­che­n­en­de be­kannt, die Ver­fü­gung des US-Prä­si­den­ten be­schrän­ke sich auf das US-Ge­schäft des Un­ter­neh­mens und un­ter­sa­ge nicht den Er­werb von Aix­tron-Ak­ti­en durch den chi­ne­si­schen In­ves­tor. Die Bie­te­rin und Aix­tron un­ter­such­ten der­zeit die Aus­wir­kun­gen von Oba­mas Ver­fü­gung. Si­cher­heits­be­den­ken ge­äu­ßert Der Ent­schei­dung des US-Prä­si­den­ten war ei­ne Emp­feh­lung der US-Be­hör­de für Aus­lands­in­ves­ti­tio­nen (CFIUS) vor­aus­ge­gan­gen. Hin­ter­grund für das US-Ve­to sind Be­fürch­tun­gen, dass Aix­tron-Pro­duk­te auch mi­li­tä­risch ge­nutzt wer­den könn­ten. Es ist erst das drit­te Mal seit 1990, dass ein US-Prä­si­dent ei­ne Fir­men­über­nah­me durch ei­nen aus­län­di­schen In­ves­tor we­gen Si­cher­heits­be­den­ken ver­hin­dert.

Ei­ne Spre­che­rin des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums sag­te: „Un­se­re er­geb­nis­of­fe­ne Prü­fung läuft noch.“Das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um hat­te die Ge­neh­mi­gung für den Ver­kauf von Aix­tron an den chi­ne­si­schen In­ves­tor zu­rück­ge­nom­men und ei­ne neue Über­prü­fung des Ver­kaufs ein­ge­lei­tet.

Die US-Re­gie­rung hat ein Mit­spra­che­recht, weil das Un­ter­neh­men aus Her­zo­gen­rath bei Aa­chen auch ei­ne Zweig­stel­le in Ka­li­for­ni­en mit rund 100 Mit­ar­bei­tern hat. Die Be­hör­de CFIUS hat­te sich Mit­te No­vem­ber klar ge­gen die Über­nah­me durch die Chi­ne­sen aus­ge­spro­chen, den Fall aber an das Wei­ße Haus wei­ter ver­wie­sen.

Das chi­ne­si­sche Kon­sor­ti­um Grand Chip In­vest­ment (GCI), hin­ter dem staat­lich kon­trol­lier­te Fonds ste­cken, hat­te im Mai ei­ne Über­nah­me­of­fer­te über 670 Mil­lio­nen Eu­ro vor­ge­legt. Die chi­ne­si­sche Sei­te hat­te wie­der­holt für die Über­nah­me ge­wor­ben. Die­se sei ein nor­ma­ler Zu­sam­men­schluss von Fir­men und ha­be rein wirt­schaft­li­che Mo­ti­ve, hieß es.

Aix­tron stellt mit sei­nen gut 700 Be­schäf­tig­ten Ma­schi­nen für die Chip­in­dus­trie her und steckt seit lan­gem we­gen ei­ner schwa­chen Auf­trags­la­ge in der Kri­se. Chi­ne­si­sche In­ves­to­ren grif­fen zu­letzt ver­stärkt nach deut­schen Mit­tel­ständ­lern und Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men.

An­ge­sichts ge­häuf­ter Über­nah­men deut­scher Fir­men durch chi­ne­si­sche In­ves­to­ren hat­te Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) an­ge­kün­digt, hei­mi­sche Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en bes­ser schüt­zen zu wol­len. BDI-Prä­si­dent Ul­rich Gril­lo hat­te ei­ne Ver­schär­fung des Au­ßen­wirt­schafts­ge­set­zes zum Schutz vor chi­ne­si­schen Über­nah­men ab­ge­lehnt.

Gar­relt Du­in (SPD), Wirt­schafts­mi­nis­ter von Nord­rhein-West­fa­len, hat­te sich kri­tisch zu der Blo­cka­de des Aix­tron-Ver­kaufs ge­äu­ßert. Er se­he kei­ne Si­cher­heits­ri­si­ken, hat­te Du­in der „Rhei­ni­schen Post“ge­sagt. Es sei seit lan­ger Zeit be­kannt, dass die An­la­gen von Aix­tron zur Chip­fer­ti­gung zi­vil und mi­li­tä­risch ge­nutzt wer­den könn­ten. Das Un­ter­neh­men ver­kau­fe seit Jah­ren sei­ne Ma­schi­nen so­wohl nach Chi­na als auch in die USA.

FO­TO: DPA

Der Chipan­la­gen­bau­er Aix­tron und chi­ne­si­sche In­ves­to­ren un­ter­su­chen die Aus­wir­kun­gen von Oba­mas Ver­fü­gung.

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