Tüft­ler aus Karls­ru­he ent­wi­ckelt „Luft­ta­xi“

Pas­sa­gier-Droh­ne hat ers­ten be­mann­ten Flug hin­ter sich – Noch ha­pert es mit der Reich­wei­te

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PANORAMA - Von Ralf Krü­ger

HAN­NO­VER (dpa) - Grün­der­zeit am Him­mel: Vor ei­nem Jahr­zehnt tauch­ten ers­te Droh­nen un­term Weih­nachts­baum auf. Die un­be­mann­ten Flug­ge­rä­te er­schlos­sen neue Ge­schäfts­fel­der. Bald schon sol­len sie Pas­sa­gie­re be­för­dern kön­nen. Ein Karls­ru­her Tüft­ler hat ei­ne sol­che Droh­ne ent­wor­fen.

Alex Zo­sel hat ei­ne „Vo­lo­c­op­ter“ge­nann­te Pas­sa­gier-Droh­ne ent­wor­fen und sieht da­mit ei­ne „Re­vo­lu­ti­on in der Mo­bi­li­tät der Mensch­heit“däm­mern. „Wir ha­ben mit ei­ner vor­läu­fi­gen Ver­kehrs­zu­las­sung im März den Erst­flug durch­ge­führt und wol­len 2018 mit un­se­rem Vo­lo­c­op­ter VC200 in die Se­ri­en­fer­ti­gung ge­hen“, sagt die Spre­che­rin sei­ner Fir­ma e-Vo­lo, Kath­rin Mohr. Rund 250 000 bis 300 000 Eu­ro soll das zwei­sit­zi­ge Flug­ge­rät des Karls­ru­her Er­fin­ders mit den auf ei­nem kreis­för­mi­gen Dreh­ge­stell mon­tier­ten 18 Ro­to­ren ein­mal kos­ten.

Ein­zi­ges Pro­blem: Der Elek­tro­an­trieb des Flug­ge­räts lei­det noch un­ter dem glei­chen Pro­blem wie vie­le E-Au­tos – der man­geln­den Reich­wei­te. Bis­her kommt der „Vo­lo­c­op­ter“auf ei­ne rei­ne Flug­zeit von 25 Mi­nu­ten. Mohr: „Des­halb hal­ten wir uns auch ei­ne Hy­brid-Op­ti­on of­fen.“

Auch der eu­ro­päi­sche Flug­zeug­bau­er Air­bus denkt über sol­che Kon­zep­te nach, die in Chi­na, Is­ra­el, den USA oder Ka­na­da die Fan­ta­sie der Her­stel­ler eben­falls be­flü­geln. Bis zur Markt­rei­fe der auch als Luft­ta­xi zu nut­zen­den Ge­rä­te dürf­ten aber noch Jah­re ver­strei­chen.

„Es gibt Schät­zun­gen, wo­nach die welt­wei­te Wert­schöp­fung durch Droh­nen in den kom­men­den Jah­ren auf rund 130 Mil­li­ar­den Dol­lar stei­gen könn­te“, sagt der Ex­per­te Tho­mas Kries­mann vom Luft­fahrt­ver­si­che­rer Al­li­anz Glo­bal Cor­po­ra­te & Spe­cial­ty (AGCS). Die AGCS hat gera­de ei­ne Stu­die vor­ge­legt, die für das Jahr 2020 glo­bal rund 4,7 Mil­lio­nen der „Mul­ti­c­op­ter“vor­her­sagt. Unend­li­che Mög­lich­kei­ten Droh­nen­ge­stütz­te Ge­schäfts­lö­sun­gen sind im Kom­men – et­wa in In­fra­struk­tur, Land­wirt­schaft und Ver­kehr. In Ös­ter­reich zum Bei­spiel ver­treibt der au­to­nom ar­bei­ten­de Flug­ro­bo­ter „Win­zer­fal­ke“in den Wein­gär­ten Sta­re, um Ern­te­ein­bu­ßen zu ver­rin­gern. Ob Piz­za-Lie­fe­rung, Luft­bild­auf­nah­men, In­spek­tio­nen oder Kon­trol­le von Strän­den, Wäl­dern und Gren­zen: Die Ein­satz­mög­lich­kei­ten schei­nen un­end­lich zu sein.

Gleich­zei­tig boomt der Ver­kauf von De­tek­ti­ons­an­la­gen zur Früh­er­ken­nung der klei­nen Flug­ob­jek­te. Not macht da­bei er­fin­de­risch – und be­feu­ert da­bei ei­ne gan­ze In­dus­trie. Die Band­brei­te reicht von elek­tro­ni­schen Stör­sen­dern über re­gel­rech­te Ba­zoo­kas mit Sperr­net­zen bis hin zu ab­ge­rich­te­ten Ad­lern, die in so­zia­len Me­di­en Fan­ta­sie und De­bat­ten be­flü­geln. Denn je mehr Droh­nen im Luf­t­raum un­ter­wegs sind, des­to stär­ker stei­gen gleich­zei­tig auch die Si­cher­heits­ri­si­ken – von Kol­li­sio­nen und Ab­stür­zen bis zu Cy­ber-An­grif­fen und Ter­ro­ris­mus.

Und auch die Lis­te spek­ta­ku­lä­rer Droh­nen­ab­stür­ze wird im­mer län­ger. Mit­te No­vem­ber et­wa krach­te ei­ne Droh­ne im Münch­ner Olym­pia­park aus 180 Me­tern Hö­he nur knapp ne­ben ei­ner Fa­mi­lie mit zwei Kin­dern zu Bo­den. Im Fe­bru­ar traf ei­ne Droh­ne das Em­pi­re Sta­te Buil­ding in New York – auch hier gab es wie durch ein Wun­der kei­ne Ver­letz­ten.

Auch die Ver­si­che­run­gen ha­ben Droh­nen da­her als neu­es Ge­schäfts­feld ent­deckt. Bis­her lie­gen die Schä­den durch auf Au­to- oder Glas­dä­cher ab­ge­stürz­te Droh­nen nach Bran­chen­an­ga­ben meist im vier- bis fünf­stel­li­gen Be­reich.

An Vor­schlä­gen für ei­ne Be­gren­zung der Wild­west-Stim­mung am Him­mel man­gelt es denn auch nicht. Die Deut­sche Flug­si­che­rung (DFS) et­wa will Mo­bil­funk-Chips ob­li­ga­to­risch ma­chen, die die Po­si­ti­ons­da­ten der un­be­mann­ten klei­nen Flie­ger um­ge­hend in die Flug­si­che­rungs­sys­te­me ein­spei­sen. Sie geht al­lein in Deutsch­land von in­zwi­schen mehr als 400 000 Droh­nen aus, die meis­ten da­von in der Hand von Pri­vat­nut­zern.

FO­TO: ULI DECK

Der Er­fin­der Alex Zo­sel hat ei­ne Pas­sa­gier-Droh­ne ent­wor­fen. Das zwei­sit­zi­ge Flug­ge­rät mit den 18 Ro­to­ren soll 2018 in Se­rie ge­hen.

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