Kri­ti­sche Wor­te beim CDU-The­men­abend

Land­tags­ab­ge­ord­ne­te for­dern ei­ne in­ten­si­ve­re Pro­fi­lie­rung ih­rer Par­tei

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - STETTEN/MESSKIRCH -

MESS­KIRCH (khk) - Zu ei­nem po­li­ti­schen The­men­abend hat der CDUS­tadt­ver­band am Frei­tag im Ho­tel „Ad­ler-Al­te Post“ge­la­den. Rund 20 Par­tei­mit­glie­der hör­ten da­bei Aus­füh­run­gen von Klaus Bur­ger, CDULand­tags­ab­ge­ord­ne­ter des Wahl­krei­ses Sigmaringen und Ma­nu­el Ha­gel, dem neu­en Ge­ne­ral­se­kre­tär der Lan­des-CDU und Mit­glied des Land­tags.

„Seit wir wie­der in Re­gie­rungs­ver­ant­wor­tung zu­sam­men mit den Grü­nen ste­hen, ist es was ganz an­de­res, als fünf Jah­re da­vor, als wir in der Op­po­si­ti­on wa­ren“, stell­te Bur­ger ein­gangs fest. Die CDU wür­de in vie­len Be­rei­chen wie­der die Ver­ant­wor­tung tra­gen und gu­te Ar­beit leis­ten. „Ins­ge­samt ha­ben wir gu­te Rah­men­be­din­gun­gen, na­he­zu Voll­be­schäf­ti­gung im Land­kreis, fast kei­ne Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit und der­zeit so nied­ri­ge Zin­sen, dass sie fast zum Pro­blem wer­den“, schloss Bur­ger sei­nen La­ge­be­richt.

Der 28-jäh­ri­ge Ge­ne­ral­se­kre­tär der Lan­des-CDU, Ma­nu­el Ha­gel aus Ehingen, mahn­te an­schlie­ßend, an­ge­sichts der von Kri­sen und Zu­kunfts­ängs­ten be­weg­ten Zeit, nicht die christ­lich-so­zia­le Po­li­tik aus den Au­gen zu ver­lie­ren, son­dern zu zei­gen, was Christ­de­mo­kra­ten aus­ma­che und die Par­tei für po­li­ti­sche Grund­wer­te wie Frei­heit, Gleich­heit und So­li­da­ri­tät ste­he. „Da­zu ist es not­wen­dig, dass wir uns mehr pro­fi­lie­ren, uns von an­de­ren Par­tei­en deut­lich un­ter­schei­den und of­fen sa­gen, was wir wol­len“, sag­te der Ge­ne­ral­se­kre­tär.

In sei­nen Aus­füh­run­gen kam Ha­gel auf die Bil­dungs­po­li­tik zu spre­chen und kri­ti­sier­te, dass CDU und SPD in der ver­gan­ge­nen Le­gis­la­tur­pe­ri­ode den Blick zu we­nig auf die Kin­der ge­legt hät­ten. Es kön­ne nicht sein, dass nur das Abitur und nicht auch der Mitt­le­re Rei­fe- und der Haupt­schul­ab­schluss ge­för­dert wür­den. Auch das Hand­werk brau­che ei­ne Stär­kung. Nicht je­der, der das Abitur hat, müs­se des­halb zwin­gend stu­die­ren. „Denn wir brau­chen mehr Meis­ter als Mas­ters“, sag­te Ha­gel. Auch den Schutz von Ehe und Fa­mi­lie wol­le Ha­gel wie­der mehr in den Mit­tel­punkt stel­len. Die Fa­mi­lie sei die Keim­zel­le der De­mo­kra­tie und nichts Kon­ser­va­ti­ves. „Lasst uns des­halb neue We­ge ein­schla­gen, oh­ne gleich al­les über Bord zu wer­fen“, schloss Ha­gel sei­ne Aus­füh­run­gen.

Die an­schlie­ßen­de Dis­kus­si­on zeig­te, dass die vor­han­de­nen Pro­ble­me tie­fer sit­zen. Ers­te kri­ti­sche Wor­te ka­men da­bei vom Meß­kir­cher Bür­ger­meis­ter Ar­ne Zwick. Er be­an­stan­de­te die Per­so­nal­si­tua­ti­on bei der Po­li­zei und der Ver­wal­tung. So sei­en im Zu­ge der nicht ganz glück­li­chen Po­li­zei­re­form Po­li­zei­kräf­te aus der Flä­che ab­ge­zo­gen. Auch bei den Kom­mu­nen wer­de das Per­so­nal im­mer we­ni­ger und der Ver­wal­tungs­auf­wand im­mer grö­ßer und um­fang­rei­cher.

Star­ke Kri­tik wur­de beim The­ma Flücht­lings­po­li­tik laut. Hier sei von der Gro­ßen Ko­ali­ti­on von An­fang ei­ni­ges falsch ge­macht wor­den, so­dass es trotz Flücht­lings­ge­setz zu ei­nem Kon­troll­ver­lust kam und die Si­tua­ti­on teil­wei­se es­ka­lier­te, sag­te Ha­gel. Mitt­ler­wei­le ha­be man aber die Sa­che in den Griff be­kom­men. So sei­en bei­spiels­wei­se in Ba­den-Würt­tem­berg von 38 000 Auf­nah­me­plät­zen über 30 000 wie­der leer.

„Wir müs­sen end­lich kla­re Kan­te zei­gen“, warf Vor­stands­mit­glied Karl Her­mann in die Dis­kus­si­on. „Es darf nicht wei­ter pas­sie­ren, dass wir et­was sa­gen oder gar ver­spre­chen, was wir spä­ter nicht hal­ten kön­nen“.

Die Schuld an der vor­han­de­nen Po­li­tik­ver­dros­sen­heit und Un­zu­frie­den­heit der Men­schen sah Gui­do Amann, Orts­vor­ste­her und CDUVor­sit­zen­der von Lan­gen­hart, nicht al­lein bei der Par­tei. „Auch die eu­ro­pa­wei­te Fi­nanz­kri­se und Ban­ken­ret­tung, die Angst der Be­völ­ke­rung vor der Glo­ba­li­sie­rung und Di­gi­ta­li­sie­rung so­wie das feh­len­de deut­li­che Pro­fil der Eu­ro­päi­schen Uni­on ha­ben da­zu bei­ge­tra­gen“, sag­te Amann.

Am Schluss wa­ren sich al­le ei­nig: Die Din­ge müs­sen neu an­ge­gan­gen wer­den – stets mit der Hin­ter­fra­ge im Kopf, ob die vor­han­de­ne Struk­tur noch rich­tig ist. Ei­ne Par­tei­re­form sei drin­gend er­for­der­lich.

FO­TO: KHK

Zu Gast beim The­men­abend des CDU-Stadt­ver­ban­des Meß­kirch sind (von links) Ma­nu­el Ha­gel, Chris­ta Golz und Klaus Bur­ger.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.