„Der Wald ist un­se­re Spar­do­se“

Für das kom­men­de Jahr plant die Stadt Scheer Ein­nah­men von 75 000 Eu­ro aus dem Wald ein

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MENGEN/SCHEER -

SCHEER (vr) - Der Wald bringt ho­he Er­lö­se in die Stadt­kas­se von Scheer, stell­te Jörg Scham, Lei­ter des Fach­be­reichs Forst Land­rats­amt Sigmaringen, fest und sag­te: „Scha­de, dass Sie so we­nig Flä­che ha­ben.“Die Wäl­der der Stadt brin­gen ei­nen gu­ten Er­trag, weil sie auf gu­ten Bö­den ste­hen und ei­ne gu­te Al­ters­struk­tur ha­ben. In der Ge­mein­de­rats­sit­zung am Frei­tag leg­ten die Forst­leu­te den Wald­be­richt 2015 und 2016 so­wie den Plan 2017 vor, nach­dem sie mit Bür­ger­meis­ter Lothar Fi­scher und den Stadt­rä­ten ei­ne Wald­be­ge­hung ge­macht hat­ten.

Der kom­mu­na­le Wald hat ei­ne Flä­che von 313,9 Hekt­ar. Ein jähr­li­cher Hieb­satz von 3290 Fest­me­ter ist für zehn Jah­ren fest­ge­schrie­ben. For­st­re­vier­lei­ter Lo­renz Maich­le blick­te auf das Wirt­schafts­jahr 2015 und 2016 zu­rück und er­läu­ter­te den Plan 2017. Im Jahr 2015 hat der Wald 104 470 Eu­ro ein­ge­bracht. Es wur­den 2811 Fest­me­ter Na­del­holz und 416 Fest­me­ter Laub­holz ge­schla­gen, die zu­fäl­li­ge Nut­zung, da­mit ist das Sturm- und Kä­fer­holz ge­meint, lag bei 22 Pro­zent.

Für das Jahr 2016 zeich­nen sich Er­lö­se von rund 81 600 Eu­ro ab. Es wur­den 2540 Fest­me­ter Na­del­holz und 660 Fest­me­ter Laub­holz ge­schla­gen. Maich­le be­rich­te­te, dass im Früh­jahr ganz we­nig Kä­fer­be­fall zu se­hen war, die nas­se kal­te Wit­te­rung war für den Wald ide­al. Doch am En­de des tro­cke­nen Som­mers sei­en vie­le Bäu­me schlag­ar­tig vom Kä­fer be­fal­len ge­we­sen. Da sei­en sehr gro­ße Men­gen Holz an­ge­fal­len.

Ein neu­es Phä­no­men sei in die­sem Jahr auf­ge­fal­len: Schon im Au­gust ha­ben die ers­ten Bu­chen brau­ne Blät­ter ge­habt. Dies wer­de mit der sehr tro­cke­nen Wit­te­rung er­klärt, sag­te Maich­le. Scham sag­te: „Wir wa­ren al­le sehr über­rascht. Die Bu­che schützt sich vor der Tro­cken­heit durch das Abst­er­ben der Blät­ter, da­mit der Stamm nicht zu viel Was­ser ab­ge­ben muss.“Er stell­te das Phä­no­men in Be­zug zum Kli­ma­wan­del: „Die Bu­che ist ei­ne hei­mi­sche Holz­art. Da se­hen wir, was wir den Bäu­men zu­mu­ten.“

Rat Ewald Braig frag­te nach, was das Mul­chen der Rand­strei­fen der Wald­we­ge auf sich ha­be, die Not­wen­dig­keit wer­de im Ge­mein­de­rat im­mer wie­der hin­ter­fragt. Maich­le er­klär­te, dass Wald­we­ge ei­ne dich­te Ober­flä­che ha­ben und das Re­gen­was­ser ab­lei­ten müs­sen. Der Rand­be­reich müs­se frei­ge­schnit­ten sein, da­mit die gro­ßen Last­zü­ge fah­ren kön­nen. Wenn man lan­ge nicht frei­schnei­det, wach­sen He­cken und Bäu­me in die We­ge her­ein. Das Mul­chen ver­hin­de­re dies und sei ei­ne schnel­le Pfle­ge, die nicht teu­er sei. Für 900 Eu­ro im Jahr kön­ne man den ge­sam­ten Wald der Stadt Scheer mul­chen, so Maich­le.

Die Nach­hal­tig­keit be­schäf­tig­te die Rä­te. Scham ver­glich die Durch­schnitts­zah­len von Ba­den-Würt­tem­berg und Scheer. Er rech­ne­te vor, dass die Wäl­der der Stadt bes­ser ab­schnei­den und zu den Spit­zen­rei­tern auch im Land­kreis ge­hö­ren. „Sie schla­gen 1,1 Ku­bik­me­ter Holz we­ni­ger als der Zu­wachs“, lob­te er und be­ton­te aber, dass die Nach­hal­tig­keit nicht nur ei­ne Sa­che der Quan­ti­tät sei, son­dern auch der Qua­li­tät: Um nach­hal­tig zu sein, müs­se der Wald auf die Ve­rän­de­run­gen der Zu­kunft vor­be­rei­tet wer­den: „Was für ei­nen Wald über­ge­ben wir der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on? Ei­nen Wald mit zehn Baum­ar­ten oder nur mit zwei, wie wir ihn über­nom­men ha­ben? Auch der Pfle­ge­zu­stand ist wich­tig, da­mit die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on auch die ho­hen Er­lö­se er­wirt­schaf­ten kann.“

Maich­le leg­te den Plan 2017 vor: 2400 Fest­me­ter Na­del­holz und 800 Laub­holz sol­len ge­schla­gen wer­den. Er pla­ne mit ei­nem Er­geb­nis von 75 000 Eu­ro für den städ­ti­schen Haus­halt, sag­te er. Es wer­de mehr Geld für die Kul­tu­ren aus­ge­ge­ben und künf­tig müs­se für die Forst­ver­wal­tungs­kos­ten Mehr­wert­steu­er be­zahlt wer­den.

Rat Braig frag­te nach dem Brenn­holz­ver­kauf an die Bür­ger. Maich­le kün­dig­te an, dass 250 Fest­me­ter Eschen­holz zu 55 Eu­ro/Fest­me­ter, 50 Fest­me­ter Bu­chen­holz zu 60 Eu­ro/ Fest­me­ter und da­zu noch Misch­höl­zer be­reit ste­hen. Es wur­de auch ver­ein­bart, dass es ne­ben den klei­ne­ren Bol­dern ei­ni­ge grö­ße­re ge­ben wer­de, da­mit Bür­ger, die grö­ße­re Men­gen Holz ma­chen, nicht meh­re­re Po­si­tio­nen er­stei­gern müs­sen.

Bür­ger­meis­ter Fi­scher lob­te die Ar­beit der Forst­leu­te und dank­te für das wirt­schaft­li­che Er­geb­nis: „Der Wald ist un­se­re Spar­do­se“, sag­te er. Es wä­re schön, in An­be­tracht der vie­len Auf­ga­ben der kom­men­den Jah­ren, die Er­lö­se über 75 000 Eu­ro kon­stant zu hal­ten. Die Rä­te be­schlos­sen ein­stim­mig den vor­ge­leg­ten Be­wirt­schaf­tungs­plan 2017.

„Die Bu­che schützt sich vor der Tro­cken­heit durch das Abst­er­ben der Blät­ter“, sagt For­st­re­vier­lei­ter Lo­renz Maich­le.

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