Di­plo­ma­tie mit Vek­tor­rech­nung

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE -

In der Öf­fent­lich­keit wird dis­ku­tiert, was je­man­den zum Spit­zen­po­li­ti­ker be­fä­higt. Hieß es frü­her, er müs­se viel re­den und da­bei nichts sa­gen, lau­tet seit Do­nald Trump die Er­folgs­for­mel: kri­ti­sche Fra­gen igno­rie­ren und ei­ge­ne „Wahr­hei­ten“ver­kün­den. EU-Par­la­ments­prä­si­dent Mar­tin Schulz (SPD) bringt we­der das ei­ne noch das an­de­re mit, zu­min­dest spricht ihm ein Kol­le­ge in ei­nem bun­des­weit be­ach­te­ten Ar­ti­kel die „Be­fä­hi­gung zur Kanz­ler­schaft“ab. Schulz sei ein Mann, so der Kol­le­ge, der „die Zu­las­sung zum Abitur nicht schaff­te, we­nig spä­ter zum Trin­ker wur­de, be­vor er als gran­teln­der Ab­sti­nenz­ler für 22 Jah­re im Brüs­se­ler Eu­ro­pa­par­la­ment ver­schwand“. Fas­sen wir zu­sam­men: Schulz ist ein Ver­sa­ger. Weil er Trin­ker war. Noch schlim­mer: Die Ab­sti­nenz hat ihn zum Grant­ler ge­macht – hät­te er mal bes­ser wei­ter­ge­sof­fen. Sein größ­tes Ver­ge­hen aber: Er hat kein Abi. Und soll doch bit­te sei­nen Platz fin­den.

Da­bei hät­te sich Schulz an Vor­bil­dern ori­en­tie­ren kön­nen. Wie Pe­tra Hinz (SPD). Die hat Abi und Stu­di­um für den Le­bens­lauf frei er­fun­den. Und mit ein we­nig Krea­ti­vi­tät à la Gut­ten­berg hät­te auch ein Schulz mit sum­ma cum lau­de pro­mo­viert. Aber nein, Schulz macht oh­ne Abi Kar­rie­re und schämt sich nicht ein­mal.

Das Min­des­te wä­re nun, dass er Abis­toff nach­holt. Ein we­nig Vek­tor­rech­nung kann auf di­plo­ma­ti­schem Par­kett Wun­der wir­ken. Über­dies wird bei der Haus­halts­pla­nung et­was Bio­syn­the­se ge­wiss nicht scha­den. Und soll­te der Bun­des­kanz­ler nicht aus dem Gal­li­schen Krieg zi­tie­ren kön­nen, dem gro­ßen La­ti­num sei dank. Das ein­fa­che Volk wä­re be­glückt. (dg) un­term­strich@schwa­ebi­sche.de

FO­TO: DPA

Bun­des­prä­si­dent Gauck über­reicht Mar­tin Schulz ein Heft mit Re­chen­auf­ga­ben. Erst, wenn er sie ge­löst hat, darf er Kanz­ler wer­den.

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