Ita­li­ens Re­gie­rungs­chef tritt zu­rück

Prä­si­dent Mat­ta­rel­la bit­tet Ren­zi je­doch um Auf­schub – Märk­te blei­ben ge­las­sen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Tho­mas Mig­ge und Agen­tu­ren

ROM - Nach rund 1000 Ta­gen als Re­gie­rungs­chef trat in der Nacht von Sonn­tag auf Mon­tag Mat­teo Ren­zi von sei­nem Amt zu­rück. Er hat­te den Aus­gang des mit Span­nung er­war­te­ten Ver­fas­sungs­re­fe­ren­dums an sein po­li­ti­sches Schick­sal ge­bun­den.

Am Sonn­tag hat­ten 59 Pro­zent al­ler Wäh­ler ge­gen die Re­form ge­stimmt, die vor­sah, dass ei­ne der bei­den Kam­mern des Par­la­ments ih­ren ge­setz­ge­be­ri­schen Ein­fluss ver­liert. Ren­zi woll­te da­mit das in Ita­li­en lang­wie­ri­ge Ge­setz­ge­bungs­pro­ze­de­re be­schleu­ni­gen. An­ge­sichts die­ser deut­li­chen Nie­der­la­ge woll­te Ren­zi am Mon­tag bei Staats­prä­si­dent Ser­gio Mat­ta­rel­la sei­nen Rück­tritt ein­rei­chen. Die­ser bat Ren­zi je­doch dar­um, nicht mit so­for­ti­ger Wir­kung zu­rück­zu­tre­ten, son­dern noch im Amt zu blei­ben, bis das Haus­halts­ge­setz für das kom­men­de Jahr vom Par­la­ment ver­ab­schie­det wer­de. Das teil­te der Prä­si­den­ten­pa­last in ei­ner Er­klä­rung mit.

Neu­wah­len sind erst für das En­de der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode 2018 vor­ge­se­hen. Nicht aus­ge­schlos­sen ist, dass vor­ge­zo­ge­ne Neu­wah­len im kom­men­den Früh­jahr statt­fin­den könn­ten. Da­für spre­chen sich sämt­li­che Op­po­si­ti­ons­par­tei­en aus, vor al­lem Sil­vio Ber­lus­co­nis For­za Ita­lia, die aus­län­der­feind­li­che Le­ga Nord und die 5-Ster­ne-Be­we­gung von Bep­pe Gril­lo.

Die Euro­fi­nanz­mi­nis­ter stemm­ten sich ge­gen den Ein­druck ei­nes Auf­flam­mens der Eu­ro­kri­se. Es ge­be kei­nen Grund, von ei­ner Eu­ro­kri­se zu re­den, sag­te Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) bei ei­nem Tref­fen mit sei­nen Kol­le­gen am Mon­tag in Brüs­sel. Die Re­ak­tio­nen an den Märk­ten sei­en ent­spannt. „Das ist ein de­mo­kra­ti­scher Pro­zess und än­dert we­der die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on noch die La­ge in den Ban­ken“, sag­te Eu­ro­grup­pen-Chef Je­ro­en Di­js­sel­blo­em. „Die Pro­ble­me, die wir heu­te ha­ben, sind die­sel­ben wie ges­tern, und sie müs­sen ge­löst wer­den.“

Ita­li­en ist die dritt­größ­te Volks­wirt­schaft des Eu­ro­wäh­rungs­ge­biets. Das Land weist nach Grie­chen­land die höchs­te Schul­den­quo­te – al­so das Ver­hält­nis der Staats­ver­schul­dung zur Wirt­schafts­leis­tung – im Eu­ro­raum auf. Das Wirt­schafts­wachs­tum schwä­chelt seit Jah­ren.

LEIT­AR­TI­KEL/SEI­TEN 4/8

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