Stra­ßen­pla­ner feh­len

Land kann wohl nicht al­le Bun­des­gel­der ver­bau­en

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Ka­ra Ball­arin

STUTT­GART (kab) - Das Land schafft es wohl in die­sem Jahr nicht, al­le Bun­des­gel­der für den Stra­ßen­bau im Land ab­zu­ru­fen. Ei­nen ent­spre­chen­den Be­richt der „Stutt­gar­ter Nach­rich­ten“be­stä­tigt das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um und be­grün­det dies vor al­lem mit ei­nem Man­gel an Bau­in­ge­nieu­ren.

Seit Jah­ren er­höht das Land zwar die Stel­len­zahl in der Stra­ßen­bau­ver­wal­tung. Je­doch kön­nen nicht al­le Stel­len mit ge­eig­ne­tem Per­so­nal be­setzt wer­den. Das geht aus der Ant­wort des Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums auf ei­ne ent­spre­chen­de An­fra­ge des Ul­mer SPD-Ab­ge­ord­ne­ten Mar­tin Ri­voir her­vor. Seit 2011 sei­en 239 Stel­len in den Stra­ßen­bau­ver­wal­tun­gen der Re­gie­rungs­prä­si­di­en ge­schaf­fen wor­den. Doch nur 88 Pro­zent konn­ten auch be­setzt wer­den, heißt es dar­in. „Der Wett­be­werb um ge­eig­ne­tes Fach­per­so­nal ist sehr hart“, sagt da­zu ein Spre­cher des Re­gie­rungs­prä­si­di­ums Tü­bin­gen.

STUTT­GART - Das Land kann in die­sem Jahr wohl nicht al­le Bun­des­mit­tel für den Stra­ßen­bau nut­zen. Nach In­for­ma­tio­nen der „Stutt­gar­ter Nach­rich­ten“könn­ten so bis zu zehn Mil­lio­nen Eu­ro an Zu­wei­sun­gen ver­fal­len. Es wä­re das zwei­te Mal nach 2013, dass Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann (Grü­ne) Bun­des­gel­der nicht aus­schöpft. Doch nach schar­fer Kri­tik beim ers­ten Mal schlägt die CDU dies­mal lei­se­re Tö­ne an.

An­fang des Jah­res hat der Bund dem Süd­wes­ten 814 Mil­lio­nen Eu­ro für Stra­ßen­bau pro­jek­te zu­ge­wie­sen. Die­ser so­ge­nann­te Ver­fü­gungs­rah­men kann wohl nicht gänz­lich aus­ge­schöpft wer­den. Wo­bei ein Spre­cher des Ver­kehrs mi­nis­te­ri­ums in Stutt­gart be­tont :„ Das Jahr ist noch nicht rum, es wird noch bis zum Jah­res­en­de ge­ar­bei­tet.“Ob Ba­den-Würt­tem­berg Bun­des­gel­der ver­fal­len lässt, kön­ne al­so erst kom­men­des Jahr ge­sagt wer­den.

Wie die „Stutt­gar­ter Nach­rich­ten“be­rich­ten, hat vor al­lem das Re­gie­rungs­prä­si­di­um (RP) Tü­bin­gen Pro­ble­me, das zur Ver­fü­gung ste­hen­de Geld zu ver­bau­en. Ein RP-Spre­cher will dies noch nicht ab­schlie­ßend be­stä­ti­gen. „Da­für ist es ei­gent­lich noch zu früh.“Schließ­lich sei das Wetter noch so gut, dass an di­ver­sen Groß­bau­stel­len wei­ter ge­ar­bei­tet wer­den kön­ne – et­wa am Aus­bau der B 30 süd­lich von Ra­vens­burg oder am sechs­spu­ri­gen Aus­bau der A 8 zwi­schen Ulm und Ho­hen­stadt. Im Ge­gen­satz zu Sa­nie­run­gen an Stra­ßen oder Brü­cken, die zeit-, aber nicht so sehr kos­ten­in­ten­siv sind, schlägt je­der Fort­schritt an solch gro­ßen Neu­bau­pro­jek­ten or­dent­lich zu Bu­che. Eng­stel­le: Stra­ßen­bau­ver­wal­tung Ei­ne Eng­stel­le bei der Nut­zung der Gel­der sind laut Mi­nis­te­ri­ums­spre­cher die Stel­len in der Stra­ßen­bau­ver­wal­tung. Zum ei­nen sei­en Stel­len in den Jah­ren 2011 bis 2013 weg­ge­fal­len – die Be­schlüs­se da­zu rei­chen noch zu­rück in schwarz-gel­be Re­gie­rungs­zei­ten (sie­he Kas­ten).

Zum an­de­ren sei es der­zeit ge­ne­rell schwer, Bau­in­ge­nieu­re zu fin­den. „Der Wett­be­werb ist sehr hart“, sagt der Spre­cher des RP Tü­bin­gen. Mit In­ge­nieur­bü­ros kön­ne die öf­fent­li­che Ver­wal­tung noch kon­kur­rie­ren und gera­de mit wei­chen Fak­to­ren punk­ten – et­wa durch ge­re­gel­te Ar­beits­zei­ten, oder durch die Mög­lich­keit, Wo­che­n­end­ar­beit un­ter der Wo­che aus­glei­chen zu kön­nen. Bei Bau­un­ter­neh­men hin­ge­gen sei­en die Ge­häl­ter deut­lich hö­her. „Der Markt ist leer­ge­fegt“, so der RP-Spre­cher. Den­noch sei es bis­her mög­lich ge­we­sen, den über­wie­gen­den Teil der Pla­ner-Stel­len zu be­set­zen, ob­wohl das Land seit 2014 wie­der Stel­len auf­baut. Wie vie­le Stel­len va­kant sind, konn­te der RP-Spre­cher nicht sa­gen.

Als Her­mann 2013 sechs Mil­lio­nen Eu­ro an Bun­des­gel­dern nicht ver­bau­en konn­te, war die CDU-Ver­kehrs­ex­per­tin Ni­co­le Ra­za­vi ei­ne sei­ner schärfs­ten Kri­ti­ke­rin­nen. Die Op­po­si­ti­on aus CDU und FDP be­zeich­ne­te Her­mann als Ver­kehrs V er hin­de­rungs mi­nis­ter. Nun is­tRa­za­vi­al­sVi ze­che fin­der CDU-Land­tags frak­ti­on Ko­ali­ti­ons­part­ner von Hermanns Grü­nen. „Jetzt schau­en wir mal, wie es tat­säch­lich ist“, sagt Ra­za­vi, be­tont aber zugleich: „Es muss un­ser obers­tes Ziel sein, dass wir al­le Mit­tel aus Ber­lin auch ver­bau­en.“

Ra­za­vi­wirftd er grün-ro­ten Vor­gän­ger re­gie­rung vor, zu we­nig in die Stra­ßen bau­pla­nung in­ves­tiert zu ha­ben. Dass Grü­ne und SPD erst 2014 da­mit be­gon­nen hät­ten, sei zu spät – die Fol­gen zeig­ten sich jetzt. Doch sagt sie auch: „Mit den Stel­len, die auf­ge­baut wer­den, ist der rich­ti­ge Weg schon ein­ge­schla­gen.“Das sei auch in der ak­tu­el­len Dis­kus­si­on um ei­ne Bun­des­fern­stra­ßen­ge­sell­schaft wich­tig. Ei­ne sol­che Ge­sell­schaft will der Bund grün­den, um selbst Bau­pro­jek­te an Fern­stra­ßen zu pla­nen. Bis­lang zahlt der Bund, um die Pla­nun­gen und Um­set­zun­gen küm­mern sich die Län­der. „Wir wol­len die Ver­ant­wor­tung für die Pla­nung und den Bau von Bun­des­stra­ßen im Land hal­ten“, sagt Ra­za­vi und er­klärt mit Ver­weis auf die Bun­des­gel­der, die die­ses Jahr wohl nicht aus­ge­schöpft wer­den: „So wird das nicht ge­hen.“

FO­TO: DPA

As­phal­t­ar­bei­ten an ei­ner Bun­des­stra­ße: Für Stra­ßen­bau stellt der Bund dem Land Ba­den-Würt­tem­berg in die­sem Jahr 814 Mil­lio­nen Eu­ro be­reit. Ob das Geld kom­plett aus­ge­nutzt wer­den kann, ist noch of­fen.

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