Un­ter­stüt­zung für Strobl

CDU-For­de­run­gen zur Flücht­lings­po­li­tik auf Par­tei­tag

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE -

ES­SEN (sal) - Der CDU-Bun­des­vor­stand stellt sich in ent­schei­den­den Pas­sa­gen hin­ter das Po­si­ti­ons­pa­pier des ba­den-würt­tem­ber­gi­schen In­nen­mi­nis­ters Tho­mas Strobl zur Ver­schär­fung der Flücht­lings­po­li­tik.

Den zen­tra­len An­lie­gen Stro­bls sei Rech­nung ge­tra­gen wor­den, so CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Pe­ter Tau­ber nach den Be­ra­tun­gen des Vor­stands. Man müs­se mit neu­er Kon­se­quenz bei Aus­rei­sen und Ab­schie­bun­gen ab­ge­lehn­ter Asyl­be­wer­ber vor­ge­hen, sag­te Strobl im In­ter­view mit der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Sei­ne For­de­rung, auch kran­ke Flücht­lin­ge ab­zu­schie­ben, falls sie schon vor­her krank wa­ren, steht nicht im An­trag.

Au­ßer­dem will die CDU Steu­er­er­hö­hun­gen grund­sätz­lich aus­schlie­ßen, „ins­be­son­de­re auch ei­ne Ver­schär­fung der Erb­schaft­steu­er und ei­ne Ein­füh­rung der Ver­mö­gen­steu­er.“Beim CDU-Par­tei­tag in Es­sen steht CDU-Che­fin An­ge­la Mer­kel zur Wie­der­wahl.

ES­SEN - Ba­den-Würt­tem­bergs CDUChef Tho­mas Strobl hat mit sei­nem Po­si­ti­ons­pa­pier für ei­ne här­te­re Aus­wei­sungs­po­li­tik Auf­se­hen er­regt. „Wir müs­sen da­für sor­gen, dass ei­ni­ge Hun­dert­tau­send Men­schen, die nach ei­nem rechts­staat­li­chen Ver­fah­ren kein Blei­be­recht ha­ben, in ih­re Hei­mat zu­rück­keh­ren. Das wer­den wir nur be­wäl­ti­gen, wenn wir dar­an mit neu­er Kon­se­quenz ar­bei­ten“, sagt Tho­mas Strobl, In­nen­mi­nis­ter von Ba­den-Würt­tem­berg. Hen­drik Groth und Sa­bi­ne Lenn­artz in­ter­view­ten ihn in Es­sen. An­ge­la Mer­kel ist seit 16 Jah­ren Par­tei­che­fin, seit elf Jah­ren Kanz­le­rin. Muss sie sich auf die­sem Par­tei­tag erst­mals auf ernst­haf­ten Ge­gen­wind ein­stel­len? An­ge­la Mer­kel ist ei­ne her­vor­ra­gen­de Par­tei­vor­sit­zen­de und Bun­des­kanz­le­rin. Sie ist in die­sen welt­weit stür­mi­schen Zei­ten sozu­sa­gen der Fels in der Bran­dung. Ich bin si­cher, dass sie auf dem Bun­des­par­tei­tag ein recht gu­tes Er­geb­nis be­kommt. In der Flücht­lings­fra­ge den­ken vie­le an­ders als Mer­kel, und Sie be­son­ders. Ist Ihr Po­si­ti­ons­pa­pier nicht ein Ab­schied von der Will­kom­mens­kul­tur der Kanz­le­rin? Mit dem Po­si­ti­ons­pa­pier un­ter­stüt­ze ich die Bun­des­kanz­le­rin! An­ge­la Mer­kel hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass wir ei­nen na­tio­na­len Kraft­akt brau­chen. Den buch­sta­bie­ren wir jetzt durch. Wir ha­ben im ver­gan­ge­nen Jahr ei­ne rie­si­ge Auf­ga­be be­wäl­tigt, in­dem wir ei­ne knap­pe Mil­li­on Men­schen in un­se­rem Land auf­ge­nom­men ha­ben. Das war ei­ne sen­sa­tio­nel­le hu­ma­ni­tä­re Leis­tung. Jetzt ste­hen wir vor der gro­ßen Auf­ga­be, ei­ni­ge Hun­dert­tau­send Men­schen zu in­te­grie­ren. Zu­dem müs­sen wir da­für sor­gen, dass ei­ni­ge Hun­dert­tau­send Men­schen, die nach ei­nem rechts­staat­li­chen Ver­fah­ren kein Blei­be­recht ha­ben, in ih­re Hei­mat zu­rück­keh­ren. Das wer­den wir nur be­wäl­ti­gen, wenn wir dar­an mit neu­er Kon­se­quenz ar­bei­ten. Sie spre­chen für das kom­men­de Jahr von ei­ner „nie ge­kann­ten Zahl an Aus­rei­se­pflich­ti­gen“. Wie vie­le sol­len es denn wer­den? Das wer­den vor­aus­sicht­lich um die 500 000 Per­so­nen sein. Ist es denn rea­lis­tisch, dass Deutsch­land 500 000 ab­schiebt, wenn man bis­lang nur ein paar Tau­send schafft? Un­ser Ziel ist, dass wir das gar nicht müs­sen! Am liebs­ten wä­re mir, wenn al­le, die ei­ne Aus­rei­se­ver­fü­gung be­kom­men, frei­wil­lig ge­hen. Aber die Ver­gan­gen­heit zeigt, dass das nicht funk­tio­niert. Des­halb müs­sen wir die Aus­rei­se­pflicht mit neu­er, gro­ßer Kon­se­quenz voll­zie­hen. Wir ha­ben in Ba­den-Würt­tem­berg die Zahl der Ab­schie­bun­gen ge­gen­über dem Vor­jahr um 65 Pro­zent ge­stei­gert: Das hat da­zu ge­führt, dass es auch deut­lich mehr frei­wil­li­ge Aus­rei­sen gibt – denn es spricht sich schnell her­um, dass die weit un­an­ge­neh­me­re Ab­schie­bung mit Wie­der­ein­rei­sestopp droht, wenn man nicht selbst aus­reist. Ein hö­he­rer Ab­schie­be­druck führt zu mehr frei­wil­li­gen Aus­rei­sen, und das ist be­ab­sich­tigt. Blei­ben Sie denn da­bei, dass auch Schwan­ge­re oder Kran­ke zu­rück­ge­führt wer­den sol­len und auch ver­mehrt Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan er­fol­gen? Ers­te­res ist nicht der zen­tra­le Punkt. Af­gha­nis­tan hat ei­ne an­de­re Qua­li­tät. Deutsch­land un­ter­stützt Af­gha­nis­tan mit Ent­wick­lungs­hil­fe und die Bun­des­wehr ist vor Ort. Au­ßer­dem hat die Eu­ro­päi­sche Uni­on ein Ab­kom­men zur Rück­füh­rung mit der af­gha­ni­schen Re­gie­rung ge­schlos­sen, das jetzt schnell um­ge­setzt wer­den muss. Soll Ihr Pa­pier, in dem das al­les an­ge­spro­chen wird, ent­täusch­te CDU-Wäh­ler da­von ab­hal­ten, AfD zu wäh­len? Wir tun, was in der Sa­che not­wen­dig ist, um die Her­aus­for­de­run­gen zu be­wäl­ti­gen. Es ist not­wen­dig, mit neu­er Kon­se­quenz an das The­ma Ab­schie­bun­gen und Rück­füh­run­gen ran­zu­ge­hen – we­gen der schie­ren Zahl de­rer, die wir in­te­grie­ren wol­len, und de­rer, die hier kein Blei­be- recht ha­ben. Wir wol­len die Blei­be­be­rech­tig­ten schnell in­te­grie­ren. Und je­ne, die nicht blei­be­be­rech­tigt sind, mit neu­er Kon­se­quenz in ih­re Hei­mat­län­der zu­rück­füh­ren. Wir brau­chen bei­des: Herz und Här­te. Jetzt ha­ben Sie aber nicht ge­sagt, ob Sie da­bei auf die AfD schie­len? Das hat sei­nen Grund, denn dar­um geht es gar nicht bei die­sen Über­le­gun­gen. Wir tun das, weil wir vor ei­ner gro­ßen Her­aus­for­de­rung ste­hen. Ist das nicht auch ei­ne gol­de­ne Brü­cke für CSU-Chef Horst See­ho­fer, der nach wie vor die Ober­gren­zen for­dert? Wir ha­ben – wie wir es in Karls­ru­he auf dem Bun­des­par­tei­tag ver­spro­chen ha­ben – den Zu­zug er­folg­reich re­du­ziert: um über 90 Pro­zent. Wir müs­sen jetzt al­les da­für tun, dass die Flücht­lings­zah­len auf dem nied­ri­gen Ni­veau blei­ben. Die Dis­kus­si­on über die­sen Be­griff hal­te ich - gera­de auch an­ge­sichts der so gro­ßen Über­ein­stim­mung mit der CSU - an­ge­sichts der Zah­len aber eher für theo­re­tisch. Und was sagt Ba­den-Würt­tem­bergs Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) zu die­sem The­ma? Wir sind uns bei vie­lem ei­nig – aber hier geht es um Bun­des­ge­setz­ge­bung und dar­um, dass die CDU Deutsch­lands kla­re Po­si­tio­nen er­ar­bei­tet. Das ist jetzt nichts, was im Mi­nis­ter­rat von Ba­den-Würt­tem­berg ent­schie­den wird, son­dern auf dem CDU-Par­tei­tag in Es­sen. Ist das Wah­l­er­geb­nis in Ös­ter­reich nicht ein Zei­chen da­für, dass man sehr en­ga­giert für ei­ne of­fe­nes Ge­sell­schaft ein­tre­ten und trotz­dem Wah­len ge­win­nen kann? Es ist er­mu­ti­gend und schön, dass sich in un­se­ren De­mo­kra­ti­en of­fen­bar doch ei­ne Kraft ge­gen Hass, Lü­ge, Wut und Na­tio­na­lis­mus ent­wi­ckeln kann. Es hat sich im Üb­ri­gen auch ge­zeigt, dass ei­ne ge­wis­se Stand­fes­tig­keit da­zu­ge­hört. Üb­ri­gens ei­ne ge­wis­se Stand­fes­tig­keit, über die auch An­ge­la Mer­kel durch­aus ver­fügt.

FO­TO: DPA

„Es ist not­wen­dig, mit neu­er Kon­se­quenz an das The­ma Ab­schie­bun­gen und Rück­füh­run­gen ran­zu­ge­hen“: Tho­mas Strobl.

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