Ver­eins­mit­ar­bei­ter benöti­gen Zeug­nis

Er­wei­ter­tes Füh­rungs­zeug­nis: Kreis gibt Hand­lungs­emp­feh­lung her­aus

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von An­na-Le­na Buch­mai­er

Kreis­ver­wal­tung gibt Hand­lungs­emp­feh­lung fürs Eh­ren­amt her­aus.

SIGMARINGEN - Auf­grund ei­ner Än­de­rung in der Bun­des­ge­setz­ge­bung müs­sen künf­tig auch Eh­ren­amt­li­che, die mit Kin­dern zu­sam­men­ar­bei­ten, ein er­wei­ter­tes po­li­zei­li­ches Füh­rungs­zeug­nis vor­le­gen – das be­trifft vor al­lem die Ar­beit in Ver­ei­nen (wir be­rich­te­ten). Der Land­kreis hat nun in ei­ner Ar­beits­grup­pe mit Mit­glie­dern des Kreis­ju­gend­rings so­wie Ver­tre­tern von Kom­mu­nen als Hil­fe­stel­lung ei­ne Hand­lungs­emp­feh­lung er­ar­bei­tet und möch­te Ver­ei­ne in­for­mie­ren, wie sie mit die­ser Neue­rung um­ge­hen kön­nen. Das Kon­zept ist den Kreis­rä­ten im Ju­gend­hil­fe­aus­schuss am Mon­tag vor­ge­stellt wor­den und soll bei In­fo­ver­an­stal­tun­gen für Ver­ei­ne vor­ge­stellt wer­den. Die Kreis­ver­wal­tung be­dau­ert den Mehr­auf­wand für eh­ren­amt­lich Tä­ti­ge, sieht in der Re­ge­lung aber auch ein Qua­li­täts­merk­mal für Ver­ei­ne so­wie ei­ne Prä­ven­ti­ons­maß­nah­me im Be­reich des Kin­der­schut­zes. Mit der Re­ge­lung soll ver­hin­dert wer­den, dass ein­schlä­gig vor­be­straf­te Men­schen mit Kin­dern zu­sam­men­ar­bei­ten. „Je­dem Vor­stand muss klar sein, dass er haf­tet“„Wir ha­ben uns ei­ne Hand­lungs­an­wei­sung über­legt, wie man den ge­setz­li­chen Rah­men im Kreis prag­ma­tisch um­set­zen kann“, führ­te Land­rä­tin Ste­fa­nie Bürk­le zu Be­ginn in die The­ma­tik ein. Bis­lang muss­ten nur haupt­amt­lich Tä­ti­ge ih­rem Trä­ger ein er­wei­ter­tes Füh­rungs­zeug­nis vor­le­gen. „Es ist rich­tig, dass wir die­sen Weg ge­hen“, sag­te So­zi­al­de­zer­nent Frank Ve­ser. In an­de­ren Län­dern sei dies längst üb­lich. Be­son­ders fürs Ju­gend­amt und im Eh­ren­amt be­deu­tet die Än­de­rung nun mehr Ar­beit. Künf­tig sol­len Ver­ei­ne ei­ne Lis­te mit Tä­tig­kei­ten er­stel­len, um fest­zu­stel­len, wel­che Mit­glie­der Um­gang mit Kin­dern ha­ben. Die Lis­te soll­te genau über­legt sein, denn: „Je­dem Vor­stand muss klar sein, dass er haf­tet“, so So­zi­al­de­zer­nent Frank Ve­ser. Der Ver­ein in­for­miert dann die Per­so­nen, die ein er­wei­ter­tes Füh­rungs­zeug­nis be­an­tra­gen sol­len. Nor­ma­ler­wei­se kos­tet dies 13 Eu­ro, Eh­ren­amt­li­che wer­den von den Kos­ten be­freit. Ziel sei es, auch Ver­ei­ne mit der Hand­lungs­emp­feh­lung zu er­rei­chen, die nicht von ih­ren Lan­des­ver­bän­den in­for­miert wer­den.

Der Ver­ein be­spricht mit dem Mit­glied die Vor­ge­hens­wei­se. Das Füh­rungs­zeug­nis kann ent­we­der dem Vor­stand des Ver­eins ge­zeigt oder dem Ju­gend­amt als Mitt­ler vor­ge­legt wer­den. Das Ju­gend­amt stellt dann ei­ne Un­be­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung aus, in­so­fern es kei­ne ein­schlä­gi­gen Ein­tra­gun­gen gibt. So wird ge­währ­leis­tet, dass an­de­re Ein­tra­gun­gen, bei­spiels­wei­se aus dem Stra­ßen­ver­kehrs- oder Steu­er­recht, nicht öf­fent­lich ge­macht wer­den müs­sen. Der Vor­stand do­ku­men­tiert dann das Er­geb­nis. Nach fünf Jah­ren muss das Zeug­nis er­neu­ert wer­den. Be­trof­fen sind eh­ren­amt­lich Tä­ti­ge ab 14 Jah­ren. Das Füh­rungs­zeug­nis bleibt beim An­trag­stel­ler. Aus­schuss­mit­glied und stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Kreis­ju­gend­rings Jür­gen Mai­er-Wolf, der eh­ren­amt­lich in der Deut­schen Pfad­fin­der­schaft Sankt Ge­org (DPSG) ak­tiv ist, merk­te an, dass die Un­be­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung bei den Pfad­fin­dern auch vom Dach­ver­band aus­ge­stellt wer­den kann. „Ich ste­he dem sehr skep­tisch ge­gen­über“, sag­te Kreis­rat Win­fried Köp­fer (SPD) und ver­wies auf die Pro­ble­ma­tik für Ver­ei­ne, Mit­glie­der zu ge­win­nen. „So ein Pa­pier al­lein gibt kei­ne Si­cher­heit. Es ver­un­si­chert und das Eh­ren­amt lei­det dar­un­ter“. Er wür­de sol­che Zeug­nis­se teil­wei­se gern von so man­chen El­tern ein­for­dern. Auch Kreis­rat Pe­ter Rai­ner (CDU) zeig­te sich be­sorgt, dass die An­for­de­run­gen Ju­gend­li­che ab­schre­cken wür­den, in Ver­ei­nen ak­tiv zu sein. „Ob­wohl es sich um ei­ne Krü­cke han­delt, bin ich dank­bar für die Hil­fe des Krei­ses“, so Rai­ner. Karl-Ar­thur Un­ger vom Ca­ri­tas­ver­band ver­such­te, die Be­den­ken ein Stück weit zu zer­streu­en. „Wir ha­ben mehr als 200 eh­ren­amt­lich Ak­ti­ve, die schon seit zwei Jah­ren ein sol­ches Zeug­nis vor­le­gen müs­sen.“Er ha­be fast aus­schließ­lich po­si­ti­ve Rück­mel­dung von Be­trof­fe­nen er­hal­ten. „Es geht nicht nur um Kon­trol­le, son­dern auch dar­um, auf die­ses The­ma im Ver­ein auf­merk­sam zu ma­chen und sen­si­bel da­mit um­zu­ge­hen.“Dies schaf­fe ein tol­les Kli­ma in Ein­rich­tun­gen, da es sich um Prä­ven­ti­ons­ar­beit han­de­le.

Frank Ve­ser zeich­ne­te das Füh­rungs­zeug­nis als Qua­li­täts­merk­mal für Ver­ei­ne aus, weil es El­tern be­ru­hi­gen kön­ne. Es han­de­le sich aber nicht um ei­ne ge­ne­rel­le Rechts­be­ra­tung für Ver­ei­ne, das sei nicht zu leis­ten. „Wir ge­hen nicht da­von aus, dass das Ju­gend­amt in Be­schei­ni­gun­gen er­trin­ken wird“, so Ve­ser.

FO­TO: ARCHIV

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Eh­ren­amt­li­che, die mit Kin­dern ar­bei­ten, müs­sen ein er­wei­ter­tes po­li­zei­li­ches Füh­rungs­zeug­nis vor­le­gen. Die Kreis­ver­wal­tung hat nun ei­ne Hand­lungs­emp­feh­lung für Ver­ei­ne her­aus­ge­ge­ben.

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