Valls kün­digt Kan­di­da­tur an

54-jäh­ri­ger So­zia­list Ma­nu­el Valls steigt ins Ren­nen um den Ely­sée-Pa­last ein

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Chris­ti­ne Longin

ÉVRY (AFP) - Der fran­zö­si­sche Pre­mier­mi­nis­ter Ma­nu­el Valls will bei der Prä­si­dent­schafts­wahl im kom­men­den Früh­jahr an­tre­ten. Der 54jäh­ri­ge So­zia­list ver­kün­de­te am Mon­tag­abend in der Pa­ri­ser Vor­stadt Évry sei­ne Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tur. Staats­chef François Hol­lan­de hat­te am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag er­klärt, er wer­de bei der Prä­si­dent­schafts­wahl nicht zur Wie­der­wahl an­tre­ten. Valls er­klär­te, er wer­de am Di­ens­tag vom Amt des Pre­mier­mi­nis­ters zu­rück­tre­ten.

PA­RIS - Frank­reichs ehr­gei­zi­ger Pre­mier­mi­nis­ter Ma­nu­el Valls steigt ins Ren­nen um den Ely­sée-Pa­last ein. Zugleich kün­dig­te der 54-jäh­ri­ge So­zia­list an, heu­te sei­nen Rück­tritt als Pre­mier­mi­nis­ter ein­zu­rei­chen, um sich auf die Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tur 2017 zu kon­zen­trie­ren.

„Das Le­ben kann ge­lin­gen, oh­ne dass man Prä­si­dent wird“, hat­te François Hol­lan­de Ma­nu­el Valls bei der Ver­lei­hung des Ver­dienst­or­dens im Ok­to­ber 2014 mit auf den Weg ge­ge­ben. Der Hu­mor des Staats­chefs kam bei sei­nem Re­gie­rungs­chef nicht gut an, denn der ehr­gei­zi­ge 54-Jäh­ri­ge träum­te schon da­mals vom Ein­zug in den Ely­sée. 2011 hat­te sich Valls bei den Vor­wah­len der So­zia­lis­ten be­wor­ben und war mit ma­ge­ren sechs Pro­zent in der ers­ten Run­de aus­ge­schie­den. Fünf Jah­re spä­ter kün­dig­te der ge­bür­ti­ge Ka­ta­la­ne, der erst mit 20 die fran­zö­si­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit an­nahm, am Mon­tag­abend sei­ne Kan­di­da­tur für die Vor­wah­len an. Dies­mal un­ter güns­ti­ge­ren Vor­aus­set­zun­gen als 2011, denn laut ei­ner am Wo­che­n­en­de ver­öf­fent­lich­ten Um­fra­ge se­hen 45 Pro­zent der lin­ken Wäh­ler­schaft Valls als ge­eig­ne­ten Kan­di­da­ten – deut­lich vor Arn­aud Mon­tebourg vom lin­ken Par­tei­flü­gel mit 25 Pro­zent. In sei­ner Par­tei um­strit­ten Doch der Va­ter von vier er­wach­se­nen Kin­dern ist in sei­ner so­zia­lis­ti­schen Par­tei um­strit­ten. Und das nicht erst, seit ihm der Ma­kel an­haf­tet, François Hol­lan­de zum Ver­zicht auf ei­ne er­neu­te Kan­di­da­tur ge­drängt zu ha­ben. Vie­len So­zia­lis­ten steht der jun­gen­haf­te Po­li­ti­ker mit dem kan­ti­gen Kinn zu weit rechts. Der eins­ti­ge Bür­ger­meis­ter der Pa­ri­ser Vor­stadt Evry hat­te sich 2008 da­für aus­ge­spro­chen, das Wort „so­zia­lis­tisch“aus dem Par­tei­na­men zu strei­chen und die Par­tei zu „ent­stau­ben“. Sei­ne For­de­rung nach ei­ner Ab­schaf­fung der 35-St­un­denWo­che brach­te ihm die Dau­er­feind­schaft der Ex-Ar­beits­mi­nis­te­rin Mar­ti­ne Au­bry ein, die die Ver­kür­zung der Wo­chen­ar­beits­zeit als so­zia­lis­ti­sche Er­run­gen­schaft ein­ge­führt hat­te.

„Valls hat ei­ne Dok­trin ent­wor­fen, die ihn vom so­zia­len und kul­tu­rel­len Gra­vi­ta­ti­ons­zen­trum der Lin­ken ent­fernt. Er will ei­nen Weg wie To­ny Blair ein­schla­gen“, schrieb die Zei­tung „Li­bé­ra­ti­on“. So setz­te der Re­gie­rungs­chef die Ar­beits­rechts­re­form eben­so am Par­la­ment vor­bei durch wie die um­strit­te­nen Maß­nah­men zur An­kur­be­lung der Wirt­schaft. Auch das bei der Par­tei­lin­ken um­strit­te­ne Pro­jekt, ver­ur­teil­ten Ter­ro­ris­ten die Staats­bür­ger­schaft ab­zu­er­ken­nen, stamm­te von Valls. We­gen sei­ner har­ten Hal­tung in Si­cher­heits­fra­gen wur­de Valls, der von 2012 bis 2014 In­nen­mi­nis­ter war, auch „Sar­ko­zy der Lin­ken“ge­nannt. Dem in zwei­ter Ehe mit der Star­gei­ge­rin Anne Gra­vo­in ver­hei­ra­te­ten So­zia­lis­ten fehlt die Fä­hig­keit, die ver­schie­de­nen Strö­mun­gen zu ver­ei­nen.

FO­TO: AFP

Der „Sar­ko­zy der Lin­ken“: Ma­nu­el Valls.

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