Grü­ne un­ter­stüt­zen Wolfs Vor­stoß zu DNA-Aus­wer­tung

Frak­ti­ons­spre­cher Sckerl nennt zwei Be­din­gun­gen – An­lass für Dis­kus­si­on ist Tod der Frei­bur­ger Stu­den­tin

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN - Von Kat­ja Korf

STUTT­GART - Der Fall der ge­tö­te­ten Frei­bur­ger Stu­den­tin hat ei­ne De­bat­te um die Fra­ge ent­facht, wel­che In­for­ma­tio­nen die Po­li­zei aus si­cher­ge­stell­ter DNA ge­win­nen darf. Die Grü­nen un­ter­stüt­zen ei­nen Vor­stoß von Jus­tiz­mi­nis­ter Gui­do Wolf (CDU) – un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen. Wolf will bis­her gel­ten­de Gren­zen für die Aus­wer­tung von Erb­gut-Spu­ren lo­ckern.

Die Frei­bur­ger Er­mitt­ler hat­ten an der Lei­che des Op­fers DNA-Spu­ren des mög­li­chen Tä­ters ge­fun­den. Das Erb­gut ent­hält ei­ne Fül­le von In­for­ma­tio­nen. Doch die Po­li­zei darf nur ei­ni­ge Merk­ma­le aus­wer­ten: Das Ge­schlecht so­wie ei­ne mög­li­che Ver­wandt­schaft, et­wa zum Op­fer. Au­ßer­dem kön­nen Fahn­der die DNA mit Da­ten­ban­ken aus dem In- und Aus­land ab­glei­chen. Dort sind aber nur Pro­fi­le ver­ur­teil­ter Straf­tä­ter dau­er­haft ge­spei­chert. Im Fall der ver­ge­wal­tig­ten und ge­tö­te­ten Stu­den­tin half all dies den Po­li­zis­ten nicht wei­ter. Sie ka­men erst durch die Aus­wer­tung wei­te­rer Hin­wei­se auf die Spur des am Wo­che­n­en­de ver­haf­te­ten Ver­däch­ti­gen.

Theo­re­tisch gibt die DNA ei­nes Men­schen Auf­schluss über sein Aus­se­hen und sei­ne Her­kunft. Doch In­for­ma­tio­nen zu Haar-, Au­gen- oder Haut­far­ben aus­zu­wer­ten, ver­bie­tet in Deutsch­land die Straf­pro­zess­ord­nung (StPO). Da­für gibt es zwei Grün­de. Zum ei­nen sol­len kei­ne In­for­ma­tio­nen zu so ge­nann­ten schutz­be­dürf­ti­gen Per­sön­lich­keits­merk­ma­len aus­ge­wer­tet wer­den. Das sind et­wa Erb­an­la­gen, Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten, Krank­hei­ten und Krank­heits­an­la­gen. Au­ßer­dem lie­fer­ten die DNA-Ana­ly­se­ver­fah­ren lan­ge kei­ne 100-pro­zen­tig ge­nau­en An­ga­ben zu äu­ße­ren Er­ken­nungs­merk­ma­len. Des­halb fürch­te­te der Ge­setz­ge­ber, ei­ne fal­sche DNA-Ana­ly­se kön­ne Po­li­zis­ten auf die fal­sche Spur füh­ren oder zur Vor­ver­ur­tei­lung be­stimm­ter Per­so­nen­grup­pen füh­ren.

Ex­per­ten hal­ten den Ein­wand für über­holt. Seit die StPO 2003 das letz­te Mal an­ge­passt wur­de, hät­ten sich die Ana­ly­se­ver­fah­ren er­heb­lich ver­bes­sert.

So sieht es auch Jus­tiz­mi­nis­ter Gui­do Wolf (CDU). Er will mit Amts­kol­le­gen der an­de­ren Bun­des­län­der im Früh­jahr ei­ne Initia­ti­ve star­ten. Das Ziel: Be­am­te sol­len künf­tig auch DNA-In­for­ma­tio­nen zu Aus­se­hen und Her­kunft ei­nes Ver­däch­ti­gen aus­wer­ten dür­fen. Ei­ni­gen sich die Mi­nis­ter, wür­den sie das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um bit­ten, die Sach­la­ge zu prü­fen und ei­nen Ge­set­zes­ent­wurf zu er­ar­bei­ten – die­sem müss­te der Bun­des­tag zu­stim­men.

Wolfs grü­ne Re­gie­rungs­part­ner hal­ten die Idee grund­sätz­lich für gut. „Wir sind da­für, dass die­se Fra­ge gründ­lich ge­prüft wird“, sag­te der in­nen­po­li­ti­sche Spre­cher der Grü­nen­Frak­ti­on, Hans-Ul­rich Sckerl am Mon­tag. Al­ler­dings hält er zwei Vor­aus­set­zun­gen für zwin­gend: Tech­nisch müs­se die ent­spre­chen­de Ana­ly­se zu 100 Pro­zent kor­rek­te Er­geb­nis­se lie­fern. Zum an­de­ren müs­se si­cher­ge­stellt wer­den, dass sen­si­ble In­for­ma­tio­nen et­wa zu Krank­hei­ten nicht er­fasst wür­den. „Wenn bei­des si­cher­ge­stellt ist, sind wir für die­ses Vor­ha­ben“.

FO­TO: DPA

Kri­mi­nal­tech­ni­sches La­bor in Stutt­gart: Wel­che In­for­ma­tio­nen aus DNA ge­won­nen wer­den dür­fen, re­gelt die Straf­pro­zess­ord­nung.

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