Be­ru­hi­gen­de Wor­te in Brüs­sel

EU-Fi­nanz­mi­nis­ter se­hen in Ita­li­en kei­ne An­ti-EU-Ab­stim­mung – Sta­bi­li­tät der Eu­ro­zo­ne an­geb­lich nicht in Ge­fahr

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Da­nie­la Wein­gärt­ner und dpa

BRÜS­SEL - Die Eu­ro­grup­pe muss­te am Mon­tag in Brüs­sel oh­ne ihr ita­lie­ni­sches Mit­glied Pier Car­lo Pa­do­an aus­kom­men. Der ita­lie­ni­sche Fi­nanz­mi­nis­ter war in Rom un­ab­kömm­lich, da er mög­li­cher­wei­se die Über­gangs­re­gie­rung bis zu Neu­wah­len lei­ten soll.

Eu­ro­grup­pen­chef Je­ro­en Di­js­sel­blo­em er­klär­te, er ha­be mit Pa­do­an te­le­fo­niert. „Wir wa­ren uns ei­nig, dass es in der ak­tu­el­len La­ge für Ita­li­ens Re­gie­rung schwie­rig ist, zu­sätz­li­che Maß­nah­men für das Staats­bud­get zu be­schlie­ßen“, sag­te er. Ita­li­en ge­hört wie Bel­gi­en, Spa­ni­en oder Por­tu­gal zu den Län­dern, die die Sta­bi­li­täts­pakt­re­geln ver­let­zen und des­halb ei­nen nach­ge­bes­ser­ten Haus­halt für 2017 vor­le­gen müs­sen.

EU-Fi­nanz­kom­mis­sar Pier­re Mosco­vici ver­such­te Be­fürch­tun­gen zu dämp­fen, dass die Staats­kri­se in Ita­li­en den Eu­ro nach­hal­tig be­schä­di­gen könn­te. „Ich bin si­cher, dass Ita­li­en die Mit­tel hat, mit der Si­tua­ti­on um­zu­ge­hen“, sag­te er am Ran­de des Tref­fens der Euro­fi­nanz­mi­nis­ter. Die Ge­fahr ei­ner Eu­ro­kri­se schloss er aus. Das Re­fe­ren­dum ha­be sich um ita­lie­ni­sche Po­li­tik ge­dreht, füg­te Mosco­vici hin­zu. „Das war kei­ne An­ti-Eu­ro­pa-Ab­stim­mung, kei­ne An­tiEU-Ab­stim­mung.“Den schei­den­den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Ren­zi wür­dig­te er: Des­sen Re­gie­rung ha­be ei­ne gu­te Re­form­po­li­tik ge­macht.

Be­ru­hi­gen­de Wor­te ka­men am Mon­tag auch von Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU). „Es gibt kei­nen Grund, von ei­ner Eu­ro-Kri­se zu re­den“, sag­te er in Brüs­sel. In Rom müs­se es je­doch drin­gend ei­ne hand­lungs­fä­hi­ge Re­gie­rung ge­ben: „Ita­li­en muss wirt­schaft­lich und po­li­tisch den Weg, den Mi­nis­ter­prä­si­dent Ren­zi in den letz­ten drei Jah­ren ge­gan­gen ist, mit gro­ßer Kon­se­quenz fort­set­zen.“

Die SPD im Eu­ro­pa­par­la­ment wer­tet das Nein zur Ver­fas­sungs­re­form in Ita­li­en als „letz­ten Weck­ruf“für Eu­ro­pa, sei­ne so­zia­len Pro­ble­me zu lö­sen. „Je­der jun­ge Mensch braucht ei­ne Per­spek­ti­ve und ei­nen Ar­beits­platz“, for­der­te ihr Vor­sit­zen­der Udo Bull­mann am Mon­tag. Pha­se der Un­si­cher­heit Der Chef der kon­ser­va­ti­ven EVPFrak­ti­on im EU-Par­la­ment, Man­fred We­ber, sieht Eu­ro­pa nach dem ita­lie­ni­schen Ver­fas­sungs­re­fe­ren­dum in ei­ner Pha­se der wirt­schaft­li­chen Un­si­cher­heit. Ita­li­en sei ei­ne der gro­ßen Wirt­schafts­mäch­te in der Eu­ro-Zo­ne, ein Schwer­ge­wicht, sag­te We­ber am Mon­tag vor ei­ner CSU-Vor­stands­sit­zung in Mün­chen.

Des­halb sei nun ent­schei­dend, wie schnell das Land wie­der zu „sta­bi­len Re­gie­rungs­struk­tu­ren“zu­rück­kom­me. We­ber sag­te aber auch, die Eu­ro-Zo­ne sei heu­te stabiler un­ter­wegs als vor den letz­ten Kri­sen: „Des­we­gen er­war­te ich nicht, dass das ei­ne fun­da­men­ta­le Er­schüt­te­rung wird.“

Der CSU-Eu­ro­pa­par­la­men­ta­ri­er Mar­kus Fer­ber be­ton­te, es hand­le sich in ers­ter Li­nie um ein ita­lie­ni­sches The­ma. „Das ist die 65. Re­gie­rungs­kri­se – es wird auch noch die 66. und die 67. Re­gie­rungs­kri­se ge­ben“, sag­te er. An­ders schätzt das Lü­der Ger­ken ein, Vor­stand des Frei­bur­ger Thinktanks CEP. Aus sei­ner Sicht ist das Nein der Ita­lie­ner zu Ren­zis Re­form Aus­druck ei­ner ge­ne­rel­len Re­form­feind­lich­keit. So wer­de Ita­li­en sei­ne Schul­den von mehr als zwei Bil­lio­nen Eu­ro nicht in den Griff be­kom­men.

„Ein re­form­un­fä­hi­ges Ita­li­en droht die ge­sam­te Eu­ro­zo­ne in ei­nen Sog zu zie­hen“, warn­te Ger­ken. Wenn im Land kein Um­den­ken ein­set­ze, wer­de es mit­tel­fris­tig die Eu­ro­zo­ne ver­las­sen müs­sen.

FO­TO: DPA

Wolf­gang Schäu­b­le mahnt Re­for­men in Ita­li­en an.

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