Deut­sche Po­li­tik be­sorgt nach Ita­li­ens Nein

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel wür­digt Ren­zis Re­form­kurs

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

BER­LIN (dpa) - Das Nein der Ita­lie­ner zu den Plä­nen von Mi­nis­ter­prä­si­dent Mat­teo Ren­zi für ei­ne Ver­fas­sungs­re­form hat in der deut­schen Po­li­tik über­wie­gend be­sorg­te Re­ak­tio­nen aus­ge­löst. Da­ge­gen sind die Lin­ke und die AfD mit dem Er­geb­nis der Ab­stim­mung zu­frie­den.

Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU): „Ich bin trau­rig, dass das Re­fe­ren­dum in Ita­li­en nicht so aus­ge­gan­gen ist, wie der Mi­nis­ter­prä­si­dent sich das ge­wünscht hat. Denn ich ha­be sei­nen Re­form­kurs im­mer un­ter­stützt. Aber das ist na­tür­lich ei­ne in­ne­r­ita­lie­ni­sche Ent­schei­dung, die wir zu re­spek­tie­ren ha­ben. Aber ich ha­be im­mer sehr gut mit Mat­teo Ren­zi zu­sam­men­ge­ar­bei­tet.“

Vi­ze­kanz­ler Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) mein­te: „Das ist bit­ter für Mat­teo Ren­zi und bit­ter für Ita­li­en. Ich hof­fe, dass der ein­ge­schla­ge­ne Weg der Mo­der­ni­sie­rung fort­ge­setzt wird. Denn vom Still­stand pro­fi­tie­ren nur die Po­pu­lis­ten.“

Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Fran­kWal­ter St­ein­mei­er (SPD) sag­te: „Das ist ganz si­cher­lich kein po­si­ti­ver Bei­trag in ei­ner der schwie­rigs­ten eu­ro­päi­schen Zei­ten“. Ren­zi ha­be „das Rich­ti­ge und Not­wen­di­ge ge­tan, aber er ist da­für von den Wäh­lern nicht be­lohnt wor­den“.

Bay­erns Fi­nanz­mi­nis­ter Mar­kus Sö­der (CSU) sprach von ei­nem „De­ba­kel für Ren­zi“. Der Wahl­aus­gang in Ita­li­en zei­ge, „dass die Ita­lie­ner nicht be­son­ders re­form­wil­lig sind“.

Lin­ken-Chef Bernd Ri­ex­in­ger be­grüß­te das Schei­tern der Re­form. „Mi­nis­ter­prä­si­dent Ren­zi woll­te mit dem Re­fe­ren­dum ei­nen De­mo­kra­tie­ab­bau vor­an­trei­ben, um sein neo­li­be­ra­les Pro­gramm durch­zu­set­zen.“

Grü­nen-Che­fin Si­mo­ne Pe­ter sieht Ita­li­en vor ei­ner Spal­tung. „Die Po­pu­lis­ten ste­hen in den Start­lö­chern“, sag­te Pe­ter im Fern­seh­sen­der n-tv. Sie fürch­te, dass dies Aus­wir­kun­gen auf an­de­re Län­der ha­be. Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel rief sie zur „Ab­kehr vom strik­ten Spar­kurs“auf.

Die stell­ver­tre­ten­de AfD-Vor­sit­zen­de Bea­trix von Storch for­der­te ein Re­fe­ren­dum auch in Deutsch­land. „Gratulation an die Ita­lie­ner zu ih­rem de­mo­kra­ti­schen Vo­tum. Die Bür­ger müs­sen sou­ve­rän und de­mo­kra­tisch ent­schei­den, ob sich Deutsch­land zu­künf­tig wei­ter an der Ret­tung an­de­rer Staa­ten wie Ita­li­en be­tei­li­gen und de­ren Schul­den tra­gen soll.“

Der FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner sorgt sich um die Eu­ro­zo­ne: „Nach dem ge­schei­ter­ten Re­fe­ren­dum dro­hen dem Land spa­ni­sche Ver­hält­nis­se. Mit größ­tem Re­spekt und in al­ler Freund­schaft muss Deutsch­land un­ter­strei­chen, dass haus­ge­mach­te Wirt­schafts­kri­sen nicht mit un­se­rer Bo­ni­tät ge­löst wer­den kön­nen.“

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