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Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

Mat­teo Ren­zi war ein Re­gie­rungs­chef der Rekorde. Schon sein Al­ter stell­te ei­nen Re­kord in Ita­li­en dar. Noch nie war je­mand mit 39 Jah­ren Mi­nis­ter­prä­si­dent ge­wor­den. Das war im Fe­bru­ar 2014. Vor rund 1000 Ta­gen.

Ren­zi hat­te sich viel vor­ge­nom­men. Er woll­te vor al­lem mit der al­ten Gar­de im Staat und ih­ren Pri­vi­le­gi­en auf­räu­men. Nicht nur in den Mi­nis­te­ri­en und staat­li­chen, re­gio­na­len und kom­mu­na­len Ver­wal­tun­gen, son­dern auch in sei­ner Par­tei.

Es war der Ex-Staats­prä­si­dent Gior­gio Na­po­li­ta­no, ein De­mo­krat wie Ren­zi, der dem frü­he­ren Bür­ger­meis­ter von Flo­renz zu­ge­traut hat, den po­li­tisch und wirt­schaft­lich fest­ge­fah­re­nen Kar­ren aus dem Dreck zu zie­hen. Hoff­nun­gen auf et­was Neu­es in der ita­lie­ni­schen Po­li­tik weck­te der jun­ge Mann aus der Tos­ka­na da­mals vie­le.

Kei­ne an­de­re Re­gie­rung vor Ren­zi er­ließ so vie­le Ge­set­ze. Er war ein Star, ein Ma­cher, der sich wie sein US-Vor­bild Ba­rack Oba­ma in wei­ße Hem­den klei­de­te und die Är­mel hoch­krem­pel­te, wenn es ernst wur­de.

Ren­zi lei­te­te die Ab­schaf­fung der ver­wal­tungs­tech­nisch über­flüs­sig ge­wor­de­nen und teu­ren Pro­vin­zen ein. Er schenk­te al­len Bür­gern, die we­ni­ger als 1500 Eu­ro im Mo­nat ver­die­nen, ein­ma­lig 80 Eu­ro. Er ver­kün­de­te ei­ne Ver­wal­tungs­re­form, mit dem Ziel, Ein­spa­run­gen in Mil­li­ar­den­hö­he zu er­rei­chen.

Seit 2015 gilt in Ita­li­en ein de­re­gu­lier­tes Ar­beits­markt­ge­setz. Der Kün­di­gungs­schutz wur­de ge­lo­ckert und ein neu­es Ar­beits­ver­trags­mo­dell ge­schaf­fen, das als Brü­cke für ei­ne dau­er­haf­te An­stel­lung dient. Gleich­zei­tig er­höht das Ge­setz die so­zia­le Ab­si­che­rung der Ar­beit­neh­mer­schaft. Wäh­rend die Par­tei­lin­ke der De­mo­kra­ten die­se Re­ge­lung als Ver­rat an ih­ren Idea­len be­kämpf­te, wur­de Ren­zi von der EU und Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ge­lobt.

Doch Fi­nanz­mi­nis­ter Pa­do­an ge­lang es nicht, die Staats­ver­schul­dung un­ter 135 Pro­zent des Brut­to­so­zi­al­pro­dukts zu drü­cken und die Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit von fast 30 Pro­zent zu sen­ken. Ei­ne nur lang­sam wach­sen­de Wirt­schaft mach­te Ren­zi Schwie­rig­kei­ten. Er presch­te je­doch vor. Im­mer öf­ter op­po­nier­ten Par­teiäl­te­re der De­mo­kra­ten ge­gen den, so Mas­si­mo D’Ale­ma, „Youngs­ter, der sich zu viel her­aus nimmt“. Dass Ren­zi den Aus­gang des Re­fe­ren­dums mit sei­nem po­li­ti­schen Schick­sal ver­band, so Mas­si­mo Cac­cia­ri, ei­ner der an­ge­se­hens­ten Par­tei­gran­den der De­mo­kra­ten, „zeug­te von sei­ner ge­fähr­li­chen Po­ker­spie­ler­men­ta­li­tät“.

Ob Ren­zi für ei­ne mög­li­che Re­gie­rung bis zu mög­li­chen Neu­wah­len im Früh­jahr zur Ver­fü­gung steht, ist un­ge­wiss. „Sein Ego ist durch den ne­ga­ti­ven Aus­gang zu­tiefst ver­letzt“, meint Cac­cia­ri. Tho­mas Mig­ge

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