Di­gi­ta­le Wunsch­zet­tel hei­zen On­line­han­del an

In­ter­net­platt­for­men stei­gern ih­re Um­sät­ze, in­dem sie Kun­den im Netz Ge­schenk­lis­ten zum Ver­sen­den bie­ten

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Chris­ti­ne Schulz

MÜN­CHEN (dpa) - Wie kommt das Christ­kind ei­gent­lich an die Wunsch­zet­tel? Und wie ent­schei­det es, wel­che Ge­schen­ke­wün­sche es er­füllt? Für Kin­der hält die Weih­nachts­zeit so man­ches Ge­heim­nis be­reit. Doch im boo­men­den On­line­Han­del bleibt nichts mehr dem Zu­fall über­las­sen. Bei vie­len Platt­for­men kön­nen Kun­den di­gi­ta­le Wunsch­zet­tel an­le­gen und sie an po­ten­zi­el­le Schen­ker als Ent­schei­dungs­hil­fe wei­ter­lei­ten.

Oma und Opa, Tan­te und On­kel ha­ben es da­mit leicht bei der Aus­wahl, er­spa­ren sich Dop­pel­käu­fe und mög­li­cher­wei­se man­che Ent­täu­schung zu Hei­lig­abend: Kein Spiel­zeug oder Buch liegt mehr un­ter dem Christ­baum, das nicht mehr al­ters­ge­mäß ist oder längst schon im Re­gal steht, kei­ne Ja­cke oder Ho­se wird ver­schenkt, die nicht passt und kei­ne CD, die nicht den Mu­sik­ge­schmack trifft.

Aber wo blei­ben Vor­freu­de und Über­ra­schung, wenn es nur noch dar­um geht, Be­stel­lun­gen per Maus­klick zu tä­ti­gen und Lis­ten ab­zu­ha­ken? Und geht die Freu­de am Schen­ken nicht ver­lo­ren, wenn der Händ­ler auch das Ver­pa­cken über­nimmt und so­gar die Weih­nachts­kar­te im Auf­trag des Kun­den be­schrif­tet? Durch­or­ga­ni­sier­te Be­stel­lun­gen Platz­hirsch Ama­zon kal­ku­liert gleich mit ein, dass sich die Kun­den et­was Span­nung bis Hei­lig­abend er­hal­ten wol­len. Wer sich ei­nen Wunsch­zet­tel an­legt, kann gleich die Op­ti­on „Ver­der­ben Sie nicht mei­ne Über­ra­schung“mit ein­stel­len: Be­stellt ein Schen­ker ei­nen Ar­ti­kel von sei­nem Wunsch­zet­tel, er­fährt es der Be­schenk­te nicht und be­kommt nur ei­nen Hin­weis, falls er selbst den glei­chen Ar­ti­kel or­dert. Gera­de zu Weih­nach­ten wür­den Wunsch­zet­tel im­mer be­lieb­ter, sagt ein Ama­zon-Spre­cher. Die Kun­den le­gen sie für sich selbst an, tei­len sie mit Freun­den oder der Fa­mi­lie oder er­stel­len sie gleich di­rekt zu­sam­men mit ih­ren Kin­dern. Wie­viel Auf­wand sie sich da­bei ger­ne ab­neh­men las­sen, ver­deut­licht ei­ne Zahl: Al­lei­ne das Ama­zon-Lo­gis­tik­zen­trum in Ko­blenz ver­brauch­te zum ver­gan­ge­nen Weih­nachts­fest rund 24 Ki­lo­me­ter Ge­schenk­pa­pier. Wün­sche per E-Mail

Auch bei Ot­to.de ge­win­nen Be­stel­lun­gen über Merk­zet­tel zugleich mit dem mo­bi­len Ein­kauf über Ta­blet und Smart­pho­ne an Be­deu­tung. Al­lei­ne in die­sem Jahr ge­wann das Un­ter­neh­men rund ei­ne Mil­li­on Nut­zer für sei­ne Be­stell-App hin­zu, wie ein Un­ter­neh­mens­sprecher sagt. Beim An­le­gen ei­nes Merk­zet­tels, den die Kun­den be­lie­big be­nen­nen und ver­wen­den kön­nen – vom Weih­nachts-Wunsch­zet­tel über die Hoch­zeits-Wun­sch­lis­te bis zum Kin­der­ge­burts­tag – wird ein Link ge­ne­riert, der in so­zia­len Netz­wer­ken ge­pos­tet oder per Mail ver­sandt wer­den kann.

Aber auch im sta­tio­nä­ren Han­del hat die promp­te Wun­sch­er­fül­lung längst Ein­zug ge­hal­ten. Nach Vor­bild des Hoch­zeits­tischs im Haus­halts­wa­ren­ge­schäft kön­nen bei­spiels­wei­se Ge­burts­tags­kin­der bei Spiel­wa­ren­händ­lern wie My­to­ys oder Toy­sRUs Kis­ten mit ih­ren Wunsch­ge­schen­ken be­fül­len.

Für Wolf­gang Adl­warth von der Nürn­ber­ger Ge­sell­schaft für Kon­sum­for­schung ist der Wunsch­zet­telT­rend lo­gi­sche Fol­ge des On­li­neBooms. Ver­brau­cher ma­chen es sich heu­te gern leicht und wol­len das Schen­ken op­ti­mie­ren – da­zu passt auch, dass Gut­schei­ne für Ver­an­stal­tun­gen, Kur­se, Rei­sen oder als Ein­kaufs­gut­schei­ne seit Jah­ren zu Weih­nach­ten im­mer be­lieb­ter wer­den.

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