Ei­ne span­nen­de Zei­t­rei­se

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - FERNSEHEN & FREIZEIT - Von Clau­dia Kling

Mer­kel: Die Un­er­war­te­te (Di., Ar­te, 20.15 Uhr) 90 Mi­nu­ten An­ge­la Mer­kel zur bes­ten Sen­de­zeit. Das kann nur je­mand pla­nen, dem die Zu­schau­er­quo­te herz­lich egal ist. Selbst in Zei­ten größ­ter Be­liebt­heit galt Mer­kel als kno­chen­tro­cke­ne, sprö­de Po­li­ti­ke­rin – an­spre­chen­de Abend­un­ter­hal­tung stellt man sich ge­mein­hin an­ders vor. Doch den bei­den Re­gis­seu­ren Mat­thi­as Schmidt und Tors­ten Kör­ner ist es ge­lun­gen, na­he­zu un­be­kann­te Bil­der ei­ner an sich öf­fent­li­chen Per­son aus­zu­gra­ben: Mer­kel als jun­ge Mi­nis­te­rin in Bonn, bei ei­ner Kar­ne­vals­fei­er (!), im Ge­spräch mit ju­gend­li­chen Rechts­ex­tre­men. Zu­dem ha­ben sie mit po­li­ti­schen Weg­be­glei­tern, Geg­nern und Jour­na­lis­ten ge­spro­chen. Über­ra­schend ist, dass sich die Kanz­le­rin selbst in ei­nem In­ter­view äu­ßert.

Die bei­den Fil­me­ma­cher sind der Fra­ge nach­ge­gan­gen, wer die­se An­ge­la Mer­kel ei­gent­lich ist. Und war­um die an­fangs so un­ter­schätz­te Frau aus dem Os­ten trotz ih­rer Un­nah­bar­keit bei den Wäh­lern so be­liebt war – und wie­so sie es bei vie­len heu­te nicht mehr ist. Die Ant­wor­ten sind in­ter­es­sant. In der Rück­schau auf Mer­kels Weg an die Spit­ze er­klärt sich ihr Sys­tem des Macht­er­halts und Macht­ge­winns, gleich­zei­tig macht der Zu­schau­er ei­ne kur­ze Zei­t­rei­se von der alt­her­ren­do­mi­nier­ten Bon­ner Re­pu­blik in die Ge­gen­wart. Al­les in al­lem muss man kein Mer­kel-Fan sein, um die­se 90 Mi­nu­ten span­nend zu fin­den.

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