Me­lan­cho­lie und Vir­tuo­si­tät

Das Sym­pho­nie­or­ches­ter Vor­arl­berg setzt ei­nen rus­si­schen Schwer­punkt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KULTUR - Von Kat­ha­ri­na von Gla­sen­app

BRE­GENZ - Mit schö­nem Strei­cher­klang, dia­bo­lisch vir­tu­os und tem­pe­ra­ment­voll prä­sen­tier­te sich das Sym­pho­nie­or­ches­ter Vor­arl­berg (SOV) un­ter sei­nem Chef­di­ri­gen­ten Gé­r­ard Kors­ten im Bre­gen­zer Fest­spiel­haus: Die kroa­ti­sche Pia­nis­tin Ani­ka Va­vic bril­lier­te in Rach­ma­ni­nows Rh­ap­so­die über ein The­ma von Pa­ga­ni­ni, um­rahmt von Pen­der­ecki und Tschai­kow­skys vier­ter Sym­pho­nie.

Auf er­staun­li­che Wei­se pass­te die zwei­tei­li­ge Se­re­na­de für Streich­or­ches­ter des pol­ni­schen Kom­po­nis­ten Kr­zy­sz­tof Pen­der­ecki zur Me­lan­cho­lie, die man ge­mein­hin mit Tschai­kow­sky in Ver­bin­dung bringt: Der ers­te Teil, die Pas­sa­ca­glia, lässt ein kur­zes auf­stei­gen­des, in Ton­re­pe­ti­tio­nen mün­den­des Mo­tiv durch die Strei­cher­grup­pen wan­dern. Im zwei­ten Teil, ei­nem Lar­ghet­to schwin­gen sich Seuf­zer­fi­gu­ren in ei­nem gro­ßen Cre­scen­do auf, die Mu­sik wirkt ei­ner­seits zer­brech­lich, an­de­rer­seits aus­drucks­voll und in gro­ßem Atem ver­bun­den. Für Kors­ten und sei­ne Strei­cher­grup­pe war das ein klang­schö­ner Auf­takt fern al­ler zeit­ge­nös­si­schen Schreib­wei­se, die das Ent­ste­hungs­jahr 1996/ 97 hät­te ver­mu­ten las­sen. Al­ler­lei Fi­nes­sen Pa­ga­ni­ni, der ita­lie­ni­sche „Teu­fels­gei­ger“, hat­te in der letz­ten sei­ner 24 Ca­pri­cen für Vio­li­ne so­lo ein Werk vor­ge­legt, das in wir­beln­den Va­ria­tio­nen al­le tech­ni­sche Bril­lanz ei­nes Gei­gers her­aus­for­dert. Kom­po­nis­ten wie Brahms, Lu­toslaw­ski und eben auch der rus­si­sche Pia­nist und Kom­po­nist Ser­gej Rach­ma­ni­now ha­ben die­se Ca­pri­ce als Grund­la­ge für ei­ge­ne Va­ria­ti­ons­wer­ke ge­nom­men. Bei Rach­ma­ni­now darf nicht nur der So­list, die So­lis­tin mit al­ler­lei Fi­nes­sen, Ak­kord­pas­sa­gen, Sprün­gen und Läu­fen bril­lie­ren, auch das gan­ze Orches­ter ist im Far­ben­reich­tum sei­ner In­stru­men­te ge­for­dert.

Ani­ka Va­vic, die in Wi­en stu­diert hat und mit der rus­si­schen Schu­le und Mu­sik sehr ver­traut ist, mu­si­zier­te die 24 Va­ria­tio­nen mit größ­ter Selbst­ver­ständ­lich­keit: Bald ko­bold­haft wit­zig und be­weg­lich, bald poe­tisch me­lan­cho­lisch in schwin­gen­den Glo­cken­klän­gen, bald in wun­der­bar un­auf­ge­regt wir­ken­der Vir­tuo­si­tät. Das Sym­pho­nie­or­ches­ter Vor­arl­berg be­glei­te­te nicht nur, es war in den ver­schie­de­nen In­stru­men­ten­grup­pen auch ein sehr prä­sent auf­spie­len­der Part­ner. „Zur Fei­er des Ta­ges“(der Bun­des­prä­si­den­ten­wahl in ih­rer Wahl­hei­mat Ös­ter­reich) ver­ab­schie­de­te sich die Pia­nis­tin mit ei­nem fein schwin­gen­den Stück von Schu­bert. Star­ke Emo­tio­nen Das SOV, das gera­de sei­ne im letz­ten Herbst im Kon­zert mit­ge­schnit­te­ne CD mit Wer­ken von Dvor­ák un­ter Gé­r­ard Kors­ten her­aus­ge­bracht hat, tauch­te nach der Pau­se in Tschai­kow­skys vier­te Sym­pho­nie ein: ein Werk, das durch­zo­gen ist von stärks­ten Emo­tio­nen. Kors­ten und das SOV mach­ten die­sen ho­hen Er­re­gungs­zu­stand in hel­len Fan­fa­ren, fieb­rig syn­ko­pi­schen Rhyth­men und ver­zwei­felt schick­sal­haf­ten The­men deut­lich. Schö­ne Holz­blä­ser­so­li im lang­sa­men Satz, scharf an­ge­ris­se­ne Piz­zi­ca­ti im Scher­zo und ein im­mer neu an­ge­setz­tes und von Kors­ten ein­ge­for­der­tes Brau­sen be­geis­ter­ten das Pu­bli­kum im Fest­spiel­haus.

FO­TO: MAR­CO BORG­GRE­VE

Pia­nis­tin Ani­ka Va­vic ist mit der rus­si­schen Mu­sik sehr ver­traut und spiel­te in Bre­genz die 24 Va­ria­tio­nen von Rach­ma­ni­now ent­spre­chend vir­tu­os.

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