Star­ke Ge­füh­le, pa­cken­de Sto­ry

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KULTUR - Von Sigrid Stoss

Gerdt Fehr­les span­nen­der His­to­ri­en­ro­man „Un­ter uns das stil­le Land“ge­hört für mich zum Feins­ten und Au­ßer­ge­wöhn­lichs­ten, was ich in den ver­gan­ge­nen zwölf Mo­na­ten ge­le­sen ha­be. Die Ge­schich­te: Früh­jahr 1933. Un­ter un­ge­klär­ten Um­stän­den ge­langt der jun­ge Ben­ja­min Whit­ley am Vor­abend des Zwei­ten Welt­krie­ges von Kö­nigs­berg nach En­g­land–in Weih nachts Ge­schenk­tipp ei­ne für ihn völ­lig frem­de Welt. Er geht dort in die High­school und bleibt Au­ßen­sei­ter. Denn der ko­mi­sche Jun­ge darf al­les, nur ei­nes nicht: sei­ne wah­re Iden­ti­tät preis­ge­ben. Sei­ne Sitz­nach­ba­rin Lin­da ver­spricht wi­der­wil­lig, sich um den neu­en Schü­ler zu küm­mern. Bis pas­siert, was pas­sie­ren muss: aus Ab­nei­gung wird In­ter­es­se und schließ­lich Zu­nei­gung. Als der Krieg aus­bricht, mel­det sich Ben zur Roy­al Air Force. Und ge­rät in ei­nen un­auf­lös­li­chen Kon­flikt. Denn Ben hü­tet ein be­drü­cken­des Ge­heim­nis.

Dem auf der Schwä­bi­schen Alb in der Nä­he von Hei­den­heim auf­ge­wach­se­nen Au­tor ist ein pa­cken­der Ro­man ge­lun­gen, der in ei­ner kla­ren und auch poe­ti­schen Spra­che um die gro­ßen mensch­li­chen The­men Lie­be, Iden­ti­tät, Fremd­sein und Hei­mat kreist. Auf ei­ne er­fri­schen­de Art hebt sich die­ses Buch vom Trend zu Tri­via­li­tät und Be­lie­big­keit ab und schafft ei­nen ei­ge­nen Kos­mos, der die fast 500 Sei­ten mü­he­los aus­füllt. Fi­gu­ren, Be­zie­hun­gen und Schau­plät­ze we­ben ein star­kes Zeit­ge­mäl­de. „Un­ter uns das stil­le Land“hat al­les, was ein gu­ter Ro­man ha­ben muss, mit dem man ger­ne abends le­send in den Ses­sel sinkt und sich in ei­ne dra­ma­ti­sche Zeit ent­füh­ren lässt. Gerdt Fehr­le: Un­ter uns das stil­le Land, Loui­so­der Ver­lag Mün­chen, 494 Sei­ten, 24,90 Eu­ro.

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