„Ich möch­te kein Po­li­ti­ker sein“

Der ame­ri­ka­ni­sche Soul­sän­ger John Le­gend, der im Wahl­kampf Hil­la­ry Cl­in­ton un­ter­stützt hat, glaubt an die Kraft der Mu­sik

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SZENE -

Pri­vat war es ein gu­tes Jahr für John Le­gend. Im April brach­te sei­ne Ehe­frau Ch­ris­sy Tei­gen die ge­mein­sa­me Toch­ter Luna Si­mo­ne zur Welt. Bei­de sind im Mu­sik­vi­deo zur Sing­le „Lo­ve Me Now“zu se­hen. Auf sei­nem neu­en Al­bum wid­met der Soul­sän­ger sei­ner Toch­ter au­ßer­dem den Song „Right by You“. Der 37-Jäh­ri­ge schlägt dar­auf aber auch po­li­ti­sche Tö­ne an. Im In­ter­view mit Phi­lip Deth­lefs er­klärt John Le­gend sein Ver­hält­nis zur Po­li­tik, wes­halb er sich als Fe­mi­nis­ten sieht und war­um er gern bü­gelt. Sie sind in die­sem Jahr Va­ter ge­wor­den. Hat das Ih­re Sicht auf Ruhm und Er­folg ver­än­dert? Ich woll­te schon im­mer er­folg­reich sein und war ehr­gei­zig. Aber das gibt mir ei­nen Grund zu ar­bei­ten und Er­folg ha­ben zu wol­len. Denn ich möch­te mei­ner Fa­mi­lie ein an­ge­neh­mes und glück­li­ches Le­ben er­mög­li­chen. Ich wür­de aber auch gern ei­ne Welt mit­ge­stal­ten, in der es sich für al­le Kin­der bes­ser le­ben lässt, egal wie sie auf­wach­sen. Ihr neu­es Al­bum ent­hält ei­nen Song na­mens „Pent­house Floor“. Das Lied wirkt an­fangs wie ei­ne se­xy R’n’B-Num­mer über ein Paar, das ein biss­chen Zeit zu zweit ver­brin­gen will. Tat­säch­lich scheint es aber ein po­li­ti­scher Song zu sein. Es geht um all die Men­schen, die oft ver­nach­läs­sigt wer­den, die aus pro­ble­ma­ti­schen Ge­gen­den kom­men. Sie ha­ben das Ge­fühl, dass sie nicht be­ach­tet wer­den, so­fern nichts Schlim­mes pas­siert. In Ame­ri­ka wur­den vie­le Ge­gen­den igno­riert und von der Po­li­zei schlecht be­han­delt. Und nie­mand hat es be­merkt, bis die Leu­te ran­da­liert ha­ben, bis es Vi­de­os von Schie­ße­rei­en gab. Das ha­be ich da­mit ge­meint. Es ist aus der Sicht­wei­se die­ser Per­so­nen ge­sun­gen, die ge­se­hen und ge­hört wer­den wol­len. Sie wol­len auf­stei­gen und nicht mehr aus­ge­schlos­sen wer­den. Da­für ist die Pent­house-Ebe­ne die Me­ta­pher. Sie wol­len nach oben und ein bes­se­res Le­ben füh­ren. Auf Ih­rem Twit­ter-Ac­count fin­det man vie­le po­li­ti­sche Posts . Wie po­li­tisch sind Sie denn? Ich bin sehr po­li­tisch. Wer mich kennt, weiß, dass ich viel dar­über le­se, viel dar­über nach­den­ke und stän­dig Nach­rich­ten schaue. Das ist schon seit mei­ner Ju­gend so. (…) Ich ha­be mich im­mer schon mit The­men be­fasst, die Afro-Ame­ri­ka­ner be­tref­fen, aber auch mit all­ge­mei­nen po­li­ti­schen Be­lan­gen. Ich ha­be im­mer viel über die­se Din­ge ge­spro­chen. Heu­te bin ich be­rühm­ter als frü­her, des­halb ha­be ich ei­ne grö­ße­re Platt­form. Aber die Po­li­tik hat mich schon im­mer be­glei­tet. Für Sie als Mu­si­ker wä­re es doch durch­aus denk­bar, ei­nes Ta­ges ein Po­li­ti­ker zu wer­den. Nein. Ich möch­te kein Po­li­ti­ker sein. Was ich ma­che, ist auch auf sei­ne Art po­li­tisch, glau­be ich. Ich muss nicht ex­tra kan­di­die­ren, um et­was zu ver­än­dern. Sie ha­ben mal ge­sagt, Sie se­hen sich als Fe­mi­nis­ten. Na klar. Ein Fe­mi­nist zu sein, be­deu­tet nach mei­nem Ver­ständ­nis, dass man dar­an glaubt, dass Frau­en ab­so­lut gleich­be­rech­tigt sein soll­ten, und dass man ge­ge­be­nen­falls Ge­set­ze und Re­geln schafft, um das si­cher­zu­stel­len. Und es be­deu­tet, be­ruf­lich und pri­vat nach die­sen Wer­ten zu le­ben – sei es bei der Per­so­nal­aus­wahl, bei der Be­zah­lung oder wie man sei­ne Ehe­frau be­han­delt – gleich­be­rech­tigt eben. Das heißt es für mich. Stimmt es ei­gent­lich, dass Sie Ih­re Frau an ei­nem Set ken­nen­ge­lernt ha­ben, als Sie gera­de da­mit be­schäf­tigt wa­ren Ih­re Un­ter­wä­sche zu bü­geln? Nicht mei­ne Un­ter­wä­sche! [lacht] Ich ha­be noch nie in mei­nem Le­ben mei­ne Un­ter­wä­sche ge­bü­gelt. Ich glau­be, das hat sie mal aus Spaß ge­sagt. Aber es stimmt, dass ich ge­bü­gelt ha­be. [lacht] Ich büg­le fast al­le mei­ne Sa­chen selbst. Klar ha­be ich auch ei­ne Sty­lis­tin, die sich meis­tens dar­um küm­mert, wenn ich auf Shoo- tings bin. Aber wenn ich zu Hau­se bin oder im Ho­tel, dann büg­le ich mei­ne Sa­chen in der Re­gel selbst. Mei­ne El­tern wa­ren bei­de Schnei­der und ha­ben uns früh bei­ge­bracht, wie man bü­gelt. Das ist sehr prak­tisch.

FO­TO: JOHN G. MABANGLO

„Was ich ma­che, ist auch auf ei­ne Art po­li­tisch. Ich muss nicht kan­di­die­ren, um et­was zu ver­än­dern“, sagt John Le­gend.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.