„Dau­men-Hoch-Ak­ti­on zeigt Wer­ners Ab­sicht“

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - REGIONALSPORT - Von Si­las Hüls­busch

BAD SAUL­GAU - Fuß­ball-Deutsch­land dis­ku­tiert seit Sams­tag über die Schwal­be Ti­mo Wer­ners in der Bun­des­li­ga­par­tie zwi­schen RB Leip­zig und dem FC Schal­ke 04 (2:1). Wer­ner er­hält da­für ei­nen Elf­me­ter, ver­wan­delt ihn selbst und bringt den Ta­bel­len­füh­rer auf die Sie­ger­stra­ße. Mitt­ler­wei­le hat Wer­ner die Schwal­be ein­ge­stan­den: „Na­tür­lich sieht es nicht nur nach ei­ner Schwal­be aus, son­dern es ist auch ei­ne – Punkt“, ließ Wer­ner über sei­nen Ver­ein wis­sen. Trotz­dem atta­ckie­ren vie­le den 20 Jah­re al­ten An­grei­fer der Ro­ten Bul­len, gera­de in den so­zia­len Me­di­en. Si­las Hüls­busch, Prak­ti­kant der Schwä­bi­schen Zei­tung Bad Saul­gau, frag­te bei Ama­teur­spie­lern der Re­gi­on und ei­nem Schieds­rich­ter nach, wie sie die Si­tua­ti­on be­wer­ten. Fa­ruk Er­dem, Mit­tel­feld­spie­ler beim Ver­bands­li­gis­ten SC Pful­len­dorf, sorg­te im No­vem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res für ei­ne Ak­ti­on, die – nach Mei­nung vie­ler – auch Ti­mo Wer­ner gut zu Ge­sicht ge­stan­den hät­te. Er­dem, da­mals im Tri­kot des Tür­ki­schen SV Pful­len­dorf, be­kam in der Par­tie ge­gen den TSV Aach-Linz II, beim Spiel­stand von 0:0, ei­nen Elf­me­ter zu­ge­spro­chen. Nach hef­ti­gen Be­schwer­den der Aach-Lin­zer frag­te Schieds­rich­ter Ro­bert It­ter­mann bei Er­dem nach. Er­dem gab zu: „Es war kein Elf­me­ter.“Da­mals be­grün­de­te Er­dem: Er sei ein ehr­li­cher Mensch und hät­te sich nicht freu­en kön­nen, so zu ge­win­nen. Sei­ne Mann­schaft ver­lor üb­ri­gens mit 1:2. Sei­ne Po­si­ti­on von da­mals ver­tei­digt er auch heu­te: „Man­che mei­ner Mit­spie­ler dach­ten da­mals, ein Sieg sei wich­ti­ger als das Fair­play.“Doch er als da­ma­li­ger Ka­pi­tän re­prä­sen­tie­re sei­nen Ver­ein. In­zwi­schen sind auch die meis­ten Mit­spie­ler von da­mals sei­ner Mei­nung, auch weil sich Geg­ner wie Zu­schau­er bei ihm be­dankt hät­ten, so Er­dem. Auf die Fra­ge, ob er wie­der so han­deln wür­de, ant­wor­tet Er­dem mit ei­nem kla­ren „Ja.“. Zu Ti­mo Wer­ner meint er: „Die Mehr­heit der Spie­ler ist nicht fair ge­nug. Je­der will ge­win­nen“. Für den Schieds­rich­ter zeigt er Ver­ständ­nis: „Fehl­ent­schei­dun­gen ge­hö­ren nun mal zum Fuß­ball.“ Alex­an­der Klotz, der in die­ser Sai­son be­reits elf To­re für den FC Os­trach er­zielt hat und in der Win­ter­pau­se zum Ober­li­gis­ten FV Ra­vens­burg wech­selt, meint: „Die meis­ten Spie­ler wür­den ei­ne Schwal­be nicht zu­ge­ben.“Ins­be­son­de­re in den un­te­ren Li­gen kön­ne es vie­le Schwal­ben ge­ben, da kei­ne TV-Bil­der exis­tier­ten, die zum Be­weis taug­ten. „Trotz­dem ha­be ich gro­ßen Re­spekt vor de­nen, die zum Schieds­rich­ter ge­hen und sa­gen: Das war kein Foul.“Klotz sagt: „Ich wür­de ei­ne Schwal­be zu­ge­ben. Auch weil ich mit dem schlech­ten Ge­wis­sen, wie Wer­ner es nun hat, nicht le­ben könn­te. Wer­ners Ver­hal­ten nach dem Spiel im In­ter­view war nicht kor­rekt. Er wird jetzt ver­dien­ter­ma­ßen durch den Ka­kao ge­zo­gen“, sagt Klotz. Ber­ma­tin­gens Go­al­get­ter, Micha­el Fink, meint: „Der Fair­play-Ge­dan­ke steht an ers­ter Stel­le. Wäh­rend des Spiels ist ein Spie­ler je­doch vol­ler Ad­re­na­lin und es ist ei­ne an­de­re Si­tua­ti­on, ob man zu Hau­se auf dem So­fa liegt oder ob man selbst spielt.“Er stellt je­doch deut­lich klar, dass es für den Schieds­rich­ter sehr schwer zu ent­schei­den sei, ob es ei­ne Schwal­be sei oder nicht. „In der Re­gel nimmt je­der Spie­ler ein der­ar­ti­ges ,Elf­me­ter­ge­schenk’ an, wenn es in ei­nem Spiel um sehr viel geht.“ Ex-SCP-Spie­ler Den­nis Bla­ser, einst so­gar Weg­ge­fähr­te Wer­ners in der BJu­gend beim VfB Stutt­gart, stellt klar: „Ich bin da eher bei Ti­mo Wer­ner. Viel­leicht auch, weil ich ihn aus Stutt­gar­ter Zei­ten ken­ne. Man sieht, dass Nal­do ver­sucht, ihn zu fou­len.“Wei­ter sagt Bla­ser, der beim BSG Wis­mut Ge­ra un­ter Ver­trag steht: „Je­der Stür­mer ver­sucht, Elf­me­ter her­aus­zu­ho­len und es gibt kei­nen, der ei­ne Schwal­be zu­gibt. Bei Ti­mo Wer­ner wird das al­les zu hoch sti­li­siert. Das passt sehr gut ins Bild: Jetzt kom­men al­le Kri­ti­ker, die oh­ne­hin ge­gen Leip­zig sind, aus ih­ren Lö­chern.“ Schieds­rich­ter Andre­as Janz aus Sigmaringen, be­wer­tet die Fehl­ent­schei­dung des Un­par­tei­ischen Bas­ti­an Dankert als Mo­ment­auf­nah­me. Er fin­de es gut, dass Dankert die­se nach dem Spiel ein­ge­räumt ha­be. „Es macht we­nig Sinn, wenn der Schieds­rich­ter Wer­ner be­fragt. Der hät­te es oh­ne­hin nicht zu­ge­ge­ben. Je­der Schieds­rich­ter macht Feh­ler und der Fair­play-Ge­dan­ke wird nie ver­lo­ren ge­hen, egal wie vie­le Schwal­ben die Spie­ler ma­chen.“Janz sagt wei­ter: „Wer­ner hät­te ja Gelb für die Schwal­be krie­gen müs­sen“, wohl auch des­halb ha­be er nichts ge­sagt. Den­noch be­zeich­net er Wer­ners Ver­hal­ten ge­gen­über der Pres­se als „Lach­num­mer“. Al­lei­ne die „Dau­men-hoch-Ak­ti­on“nach dem Elf­me­ter­pfiff zei­ge, dass Wer­ner un­be­dingt ei­nen Elf­me­ter woll­te.

FO­TO: JAN WOI­TAS/DPA

Schwal­ben­kö­nig aus dem Schwa­ben­land: Der in Stutt­gart ge­bo­re­ne und für Leip­zig spie­len­de Ti­mo Wer­ner fällt am Sams­tag im Schal­ker Straf­raum, im Du­ell mit Schal­kes Kee­per Fähr­mann, zu Bo­den. Der Schi­ri fällt drauf rein und pfeift Elf­me­ter.

ARCHIV-FO­TO: BODON

Fa­ruk Er­dem.

FO­TO: DITT­MANN

Andre­as Janz.

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