„Un­ser Ziel sind die Play-offs“

VfB-Li­be­ro Mar­kus Steu­er­wald vor dem ers­ten Grup­pen­spiel der Vol­ley­ball-Cham­pi­ons-Le­ague

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT -

FRIED­RICHS­HA­FEN - Sechs Jah­re hat Mar­kus Steu­er­wald für Pa­ris Vol­ley ge­spielt. Seit die­ser Sai­son ist der 27-jäh­ri­ge Li­be­ro wie­der beim VfB Fried­richs­ha­fen un­ter Ver­trag. Am heu­ti­gen Di­ens­tag (20.30 Uhr) steht für den deut­schen Vi­ze­meis­ter und Su­per­cup­sie­ger das ers­te Spiel der Cham­pi­ons Le­ague auf dem Pro­gramm. Der Geg­ner: Pa­ris. Gi­u­sep­pe Tor­re­man­te hat mit dem ge­bür­ti­gen Hau­sa­cher über den sport­li­chen Ver­gleich und sei­ne Ge­füh­le ein Jahr nach den At­ten­ta­ten ge­spro­chen. Herr Steu­er­wald, vor ei­nem Jahr er­schüt­ter­ten Ter­ror­an­schlä­ge Pa­ris. Wie ha­ben Sie sie da­mals er­lebt, mit wel­chen Ge­füh­len keh­ren Sie in die fran­zö­si­sche Haupt­stadt zu­rück? Wir wa­ren da­mals beim Es­sen und ha­ben viel Blau­licht ge­se­hen. In Pa­ris ist das nichts Au­ßer­ge­wöhn­li­ches. Da­nach ha­ben uns Freun­de an­ge­ru­fen und uns ge­sagt, dass an ver­schie­de­nen Or­ten Ter­ror­an­schlä­ge ver­übt wur­den. Wir ha­ben das im Fernsehen ver­folgt. Un­se­re Woh­nung lag et­wa 45 Mi­nu­ten von den Tat­or­ten ent­fernt. Wir wa­ren da­mals noch lan­ge wach und ha­ben die Nach­rich­ten ver­folgt. Ich keh­re oh­ne Emo­tio­nen zu­rück, hof­fe, dass ich ein paar Freun­de dort se­he. Es ist für mich ein ganz nor­ma­les Spiel. Sie wa­ren sechs Jah­re in Pa­ris un­ter Ver­trag. Kön­nen Sie sich noch an die An­fän­ge er­in­nern? Wie ha­ben Sie sich zu­recht­ge­fun­den? Nor­ma­ler­wei­se sagt man, dass wenn man ins Aus­land wech­selt, das In­ter­net der bes­te Freund ist. Bei mir hat es meh­re­re Wo­chen ge­dau­ert, bis es funk­tio­niert hat. Von der Spra­che her war es für mich am An­fang nicht ein­fach. Es ging aber dann sehr schnell, weil im Team vie­le jun­ge Spie­ler wa­ren. Rich­tig ge­hol­fen hat mir der Tsche­che Ond­rej Bou­la, der auch Deutsch sprach. Was zeich­net den Vol­ley­ball un­se­res Nach­barn aus? Die Fran­zo­sen ste­hen für Spiel­kul­tur, sind tech­nisch sehr gut aus­ge­bil­det und ver­fü­gen über ei­ne star­ke Ab­wehr. Das heißt, die Vol­ley­bal­ler hal­ten vie­le Bäl­le im Spiel. Die Li­ga ist in Eu­ro­pa die aus­ge­gli­chens­te. Du kannst den Spit­zen­rei­ter schla­gen, ei­ne Wo­che spä­ter ver­lierst du beim Ta­bel­len­letz­ten. Das ist in Frank­reich ganz nor­mal. Es gibt sel­ten ei­ne Mann­schaft, die deut­lich ab­fällt. Die Mann­schaft aus Pa­ris hat, im Ver­gleich zur ver­gan­ge­nen Sai­son, ein völ­lig neu­es Ge­sicht. Wie stark ist das neue Team? Bis auf den Mit­tel­blo­cker Ar­do Kreek, das Trai­ner­team und die Phy­sio­the­ra­peu­ten ist es ei­ne kom­plett neue Mann­schaft. Sie ha­ben zwei Bra­si­lia­ner im Team (Thia­go Sens und Fran­co Wil­li­an, An­mer­kung der Re­dak­ti­on) und ei­nen ja­pa­ni­schen Li­be­ro (Tai­chi­ro Ko­ga). Pa­ris macht im­mer Druck mit dem Auf­schlag. Geht es gut, dann ge­winnt das Team auch ge­gen star­ke Teams. Wenn es schief­geht, dann ver­liert die Mann­schaft auch ge­gen ver­meint­lich schwä­che­re Mann­schaf­ten. Das heißt, die Mann­schaft hat we­nig Spiel­phi­lo­so­phie, spielt mit viel Ri­si­ko. Nach sechs Spiel­ta­gen stand Pa­ris in der Ta­bel­le auf Platz sechs. Am Frei­tag­abend ge­wann das Team das Spit­zen­spiel ge­gen Tours zu Hau­se mit 3:0. Im Pool C trifft der VfB Fried­richs­ha­fen auf Ka­zan, Pa­ris Vol­ley und Iz­mir. Wie groß sind die Chan­cen, die Play-offs zu er­rei­chen? Ka­zan ist für uns al­le au­ßer Reich­wei­te. Al­lei­ne schon die Rei­se­stra­pa­zen sind für uns nicht ganz ein­fach. Ein Tag hin, ein Tag zu­rück und dann spielst du noch ei­ne Par­tie Vol­ley­ball. Trotz­dem ist es ein Geg­ner auf den wir uns al­le freu­en. Vor al­lem un­se­re jun­gen Spie­ler ste­hen TopVol­ley­bal­lern ge­gen­über, die sie nur vom Fernsehen her ken­nen. Ma­xim Mik­hail­ov, Mat­t­hew Anderson oder der Ku­ba­ner Wilf­re­do Le­on Ve­ne­ro sind drei au­ßer­ge­wöhn­li­che Spie­ler. Um dort et­was zu ho­len, musst du ei­nen per­fek­ten Tag ha­ben und Ka­zan ei­nen ganz schlech­ten. Das ist fast un­mög­lich. Pa­ris und Iz­mir sind mit uns auf Au­gen­hö­he, aber wir be­kom­men nichts ge­schenkt. Das heißt, dass wir in die­sen Spie­len ge­for­dert sind. Wir kön­nen uns nicht zu­rück­leh­nen, müs­sen von Be­ginn an kon­zen­triert sein. Pa­ris und Iz­mir sind aber schlag­bar. Un­ser Ziel sind die Play-offs. Sie sind in die­ser Sai­son zum VfB zu­rück­ge­kehrt. Was zeich­net die­se Mann­schaft un­ter dem neu­en Trai­ner Vi­tal Heynen aus? Wir ha­ben 13 gu­te Spie­ler im Team. Wenn ei­ner rein­kommt, dann kann er der Mann­schaft hel­fen. Das ist von un­schätz­ba­rem Wert. In den Qua­li­fi­ka­ti­ons­spie­len zur Cham­pi­ons Le­ague hat un­ser Dia­go­nal­an­grei­fer Michal Fin­ger in Inns­bruck ge­gen Hy­po Ti­rol gut an­ge­fan­gen, ge­schwä­chelt und dann kam Da­ni­el Ma­le­scha. Im Rück­spiel war es um­ge­kehrt. Je­der Spie­ler weiß, dass Vi­tal Heynen ihn be­rück­sich­tigt. Je­der be­kommt ei­ne Chan­ce und trai­niert nicht da­für, dass er von au­ßen den an­de­ren zu­schau­en kann. Im Trai­ning gibt es kei­ne Stamm­sechs. Wir wech­seln mun­ter durch. Des­halb ist die Stim­mung im Team auch so po­si­tiv. Wir sind als Mann­schaft sehr stark.

AR­CHIV­FO­TO: GÜN­TER KRAM

Hält den Ball oft im Spiel: VfB-Li­be­ro Mar­kus Steu­er­wald will mit dem VfB in der Cham­pi­ons Le­ague die Play-offs er­rei­chen.

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