Bloß kei­ne fal­sche Be­schei­den­heit

Der Worn­dor­fer Pas­cal Wehr­lein mel­det In­ter­es­se am frei­en Cock­pit von For­mel-1-Welt­meis­ter Ros­berg an

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT -

KÖLN (SID/dpa) - Pas­cal Wehr­lein fühlt sich be­reit. Be­reit für die gro­ßen Fuß­stap­fen des zu­rück­ge­tre­te­nen For­mel-1-Welt­meis­ters Ni­co Ros­berg, be­reit für Sie­ge als Pflicht­pro­gramm und den Ver­gleich mit Na­tur­ta­lent Le­wis Ha­mil­ton. „Na­tür­lich“, sag­te Wehr­lein am Sonn­tag dem Fach­ma­ga­zin „Au­to­sport“in Lon­don, ha­be er „das Zeug, Nach­fol­ger von Ros­berg zu wer­den.“Wehr­lein stammt aus dem Mer­ce­des­Nach­wuchs­pro­gramm, 2016 ab­sol­vier­te der 22-jäh­ri­ge Worn­dor­fer sei­ne For­mel-1-De­büt­sai­son bei Ma­nor. „Das Team weiß, dass ich lie­bend ger­ne für sie fah­ren wür­de, die Tests wa­ren groß­ar­tig“, sag­te Wehr­lein. „Ich will sie aber auch nicht je­den Tag an­ru­fen und fra­gen, was jetzt pas­siert. Ich will nicht ner­ven.“

Als ers­ter der ge­han­del­ten Kan­di­da­ten für den be­gehr­tes­ten frei­en Ar­beits­platz der For­mel 1 brach­te sich Wehr­lein da­mit öf­fent­lich in Stel­lung. Bis Jah­res­en­de will die Mer­ce­des-Team­füh­rung den pas­sen­den Kan­di­da­ten fin­den. Und ei­ni­ges deu­tet dar­auf hin, dass man dem frü­he­ren DTM-Cham­pi­on nach nur 21 Ren­nen für das Hin­ter­bänk­ler-Team Ma­nor den Sprung an die Spit­ze des Fel­des zu­traut.

Mo­tor­sport­chef To­to Wolff je­den­falls sag­te der „Gaz­zet­ta del­lo Sport“, er be­vor­zu­ge „am we­nigs­ten“die Op­ti­on, sich auf dem Markt nach ei­nem Spit­zen­fah­rer um­zu­se­hen, wenn man „ei­nen der bei­den Ju­ni­or­pi­lo­ten Pas­cal Wehr­lein oder Es­te­ban Ocon“ein­set­zen kön­ne. Bei den Mer­ce­des-Fei­er­lich­kei­ten in Sin­del­fin­gen am Sams­tag be­zeich­ne­te er Wehr­lein „na­tür­lich“als ei­ne Op­ti­on.

Der lang­jäh­ri­ge Wolff-Lieb­ling bringt auf dem Pa­pier die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen mit. In den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren sam­mel­te er un­zäh­li­ge Test­ki­lo­me­ter mit dem Mer­ce­des: „Kein Fah­rer hat mehr Er­fah­rung im Um­gang mit den 2017erRei­fen als ich“, merk­te Wehr­lein selbst­be­wusst an. Mehr­fach in die­sem Jahr war er für Pi­rel­li in ei­nen al­ten Sil­ber­pfeil ge­stie­gen, sein Wis­sen könn­te an­ge­sichts des neu­en Rei­fen­und Ae­ro­dy­na­mik-Re­gle­ments in der neu­en Sai­son Gold wert sein.

Au­ßer­dem hat der 22-Jäh­ri­ge ge­lernt, sich in die Mer­ce­des-Hier­ar­chie ein­zu­glie­dern. „Je­des ein­zel­ne Mit­glied ist Teil der Ba­lan­ce“, sag­te Wolff: „Des­we­gen kann man nicht je­man­den rein­wer­fen, der sein ei­ge­nes Ding durch­zie­hen will und die­se Dy­na­mik nicht ver­steht.“Zu Wehr­leins größ­tem Trumpf könn­te wer­den, dass er noch kei­nen Ver­trag für 2017 be­sitzt. Ocon da­ge­gen wur­de vor rund drei Wo­chen von Mer­ce­des für die nächs­te Sai­son bei Force In­dia un­ter­bracht. Dort steht auch der Me­xi­ka­ner Ser­gio Pe­rez un­ter Ver­trag, der ge­nau­so zu den Kan­di­da­ten ge­zählt wird wie der Fin­ne Valt­te­ri Bot­tas (Wil­li­ams). Den Fran­zo­sen Ocon könn­te Mer­ce­des beim Kun­den­team Force In­dia wohl zum Preis ra­bat­tier­ter Ag­gre­ga­te aus­lö­sen. Ein ver­gleichs­wei­se ge­rin­ger Preis für das erst 20 Jah­re al­te Ta­lent.

Ei­ne „gro­ße“Lö­sung er­scheint da­ge­gen un­wahr­schein­lich. Der vier­ma­li­ge Welt­meis­ter Se­bas­ti­an Vet­tel (Hep­pen­heim) wies am Sonn­tag selbst dar­auf hin, bei Fer­ra­ri „ei­nen Ver­trag für 2017“zu ha­ben. Und Re­dBull-Te­am­chef Chris­ti­an Hor­ner hat mit ei­ner SMS an Wolff jeg­li­chen Ab­wer­bungs­ver­su­chen von Max Ver­stap­pen (Nie­der­lan­de) und Da­ni­el Ric­ci­ar­do (Aus­tra­li­en) schon ei­nen Rie­gel vor­ge­scho­ben. Kei­ne Lust auf Alon­so Die Ver­pflich­tung des zwei­ma­li­gen Cham­pi­ons Fer­nan­do Alon­so (Spa­ni­en/McLa­ren) ist den Mer­ce­des­Obe­ren wohl ei­ne Spur zu ex­plo­siv. „Was ich auf je­den Fall ver­mei­den will, ist ein Alon­so/Ha­mil­ton-Sze­na­rio, wie es das 2007 gab. Das ist ein Ter­ri­to­ri­um, das ich wirk­lich nicht be­tre­ten möch­te“, sag­te Wolff mo­tor­sport-ma­ga­zin.com. Sei­ner­zeit be­hark­ten sich die McLa­ren-Team­kol­le­gen auf und ab­seits der Stre­cke der­art, dass Fer­ra­ri-Pi­lot Ki­mi Räik­kö­nen den WM-Ti­tel ab­stau­ben konn­te.

Zwar gab Wolff zu be­den­ken, dass auch die Kom­bi­na­ti­on des drei­ma­li­gen Welt­meis­ters Ha­mil­ton (31) mit dem neun Jah­re jün­ge­ren Wehr­lein ei­ne „ex­plo­si­ve Mi­schung“sei, doch im Um­gang mit Spreng­stoff kennt sich Mer­ce­des bes­tens aus. Die Be­zie­hung der gleich­alt­ri­gen Ros­berg und Ha­mil­ton hat­te Wolff erst beim Sai­son­fi­na­le in Abu Dha­bi als „Vul­kan, der kurz vor der Erup­ti­on steht“be­zeich­net.

FO­TO: DPA

Winkt er schon zum Ab­schied von Ma­nor? Pas­cal Wehr­lein lieb­äu­gelt mit ei­nem Wech­sel zum Welt­meis­ter­team Mer­ce­des.

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