LEA: Land geht auf die Stadt zu

Re­gie­rungs­vi­ze­prä­si­dent kün­digt an, dass es ei­nen Ver­trag ge­ben wird.

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Micha­el He­scheler

SIG­MA­RIN­GEN - Die Lan­des­re­gie­rung ist da­zu be­reit, mit der Stadt Sig­ma­rin­gen ei­ne Ver­ein­ba­rung zur Erst­auf­nah­me­stel­le ab­zu­schlie­ßen. Dies sag­te der Tü­bin­ger Re­gie­rungs­vi­ze­prä­si­dent Utz Rem­lin­ger am Ran­de der Ein­woh­ner­ver­samm­lung in ei­nem In­ter­view mit der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Wäh­rend des of­fi­zi­el­len Teils der Ver­samm­lung hat­ten die Ver­tre­ter des In­nen­mi­nis­te­ri­ums dies le­dig­lich im Kon­junk­tiv for­mu­liert. Ob das Land auf die zen­tra­len For­de­run­gen der Stadt nach ei­ner zeit­li­chen Be­gren­zung bis 2020 und ei­ner Re­du­zie­rung der Flücht­lings­zah­len von 1250 auf 500 ein­geht, ist noch un­klar. Rem­lin­ger rech­net nicht da­mit, dass das Land auf die an­ge­kün­dig­ten 1250 Flücht­lin­ge be­steht. „Ich se­he da ei­ne ge­wis­se Be­we­gung“, sag­te er. Die Ver­hand­lun­gen be­gin­nen am heu­ti­gen Mitt­woch in Sig­ma­rin­gen. Mit ei­nem Er­geb­nis wird erst im Ja­nu­ar ge­rech­net. Der ur­sprüng­li­che Zeit­plan, nach­dem das Lan­des­ka­bi­nett das Kon­zept für die Erst­auf­nah­me von Flücht­lin­gen be­reits am 13. De­zem­ber ver­ab­schie­den soll­te, wur­de kor­ri­giert.

Bür­ger­meis­ter Tho­mas Schä­rer hat­te für Mon­tag­abend be­reits ein Ent­ge­gen­kom­men des Lan­des in meh­re­ren Punk­ten er­war­tet, doch von den zwölf For­de­run­gen der Stadt sind bis­lang le­dig­lich zwei Punk­te er­füllt. Das Land wird ei­nen schrift­li­chen Ver­trag ein­ge­hen. Schä­rer hat­te dies ve­he­ment ge­for­dert. Auf­grund sei­ner Er­fah­rung aus frü­he­ren Ge­sprä­chen mit der Lan­des­re­gie­rung sag­te er: „Das ge­spro­che­ne Wort ist flüch­tig.“Vom da­ma­li­gen In­te­gra­ti­ons­mi­nis­te­ri­um er­hielt die Stadt in Be­zug auf ei­ne zeit­li­che Be­fris­tung der Erst­auf­nah­me­stel­le le­dig­lich ei­ne va­ge Aus­sa­ge.

Zwei­te ge­klär­te For­de­rung: Soll­te der Bund sich für ei­nen Neu­bau der Zoll­schu­le auf dem Ge­län­de der ExKa­ser­ne ent­schei­den, stün­de dem laut Re­gie­rungs­prä­si­di­um nichts im We­ge. Nach Aus­sa­ge von Rem­lin­ger wür­de der Bau der Zoll­schu­le die „Funk­ti­ons­fä­hig­keit der LEA“nicht be­ein­träch­ti­gen. Sie wür­de dann ei­nen Teil der Flä­che ab­tre­ten.

Der Tü­bin­ger Spit­zen­be­am­te sprach von ei­ner „wohl­tu­end sach­li­chen und un­auf­ge­reg­ten Ver­samm­lung“. Le­dig­lich bei ei­ner Wort­mel­dung muss­te Bür­ger­meis­ter Schä­rer ein­grei­fen. „Sig­ma­rin­gen war schon im­mer dar­an ge­wöhnt, mit frem­den Men­schen zu le­ben“, sag­te ei­ne Frau und sprach da­mit die ehe­ma­li­gen Sol­da­ten an. „Die ha­ben sich auch nicht im­mer gut be­nom­men.“Die­se Aus­sa­ge quit­tier­ten vie­le Bür­ger mit Buh-Ru­fen.

Ei­ner an­de­ren, am Ried­baum woh­nen­den Bür­ge­rin war das Si­cher­heits­ge­fühl ein An­lie­gen: Es soll­ten Mit­ar­bei­ter ein­ge­stellt wer­den, die die Flücht­lin­ge zur Ar­beit an­lei­ten, dann wür­de sich das Si­cher­heits­ge­fühl ver­bes­sern. Bür­ger­meis­ter Schä­rer sag­te da­zu: „Die tat­säch­li­che Si­cher­heit ist gut, die Zah­len zei­gen dies.“Vie­len Bür­gern ge­he es je­doch nicht um die tat­säch­li­che Si­cher­heit, son­dern um die Wahr­neh­mung.

Nun ste­hen die Ver­hand­lun­gen mit dem Land an: Der Ge­sprächs­ma­ra­thon be­gann be­reits ver­gan­ge­nen Don­ners­tag: Land­rä­tin Ste­fa­nie Bürk­le In der Ein­woh­ner­ver­samm­lung wur­de im­mer wie­der deut­lich, dass es Be­für­wor­ter und Skep­ti­ker der Erst­auf­nah­me­stel­le gibt. Dem Ap­plaus nach zu ur­tei­len, hat­ten die Skep­ti­ker die Ober­hand. Un­ter­schie­de gibt es auch im Ge­mein­de­rat: Die Spre­cher der vier Frak­tio­nen leg­ten ih­re Po­si­tio­nen dar. Wäh­rend die CDU und die Frei­en Wäh­ler den For­de­rungs­ka­ta­log der Stadt oh­ne Vor­be­hal­te mit­tru­gen, schlu­gen SPD und Grü­ne an­de­re Tö­ne an. „Gro­ße Tei­le der Be­völ­ke­rung ver­schlie­ßen nicht die Au­gen/Her­zen vor der und Bür­ger­meis­ter Tho­mas Schä­rer tra­fen sich in Stutt­gart mit In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl. Ge­mein­de­rat ent­schei­det über Ver­hand­lungs­er­geb­nis So­bald das Ver­hand­lungs­er­geb­nis vor­lie­ge, wer­de es im Ge­mein­de­rat be­spro­chen – ent­we­der am 21. De­zem­ber oder im Ja­nu­ar. Be­reits am kom­men­den Frei­tag fährt Schä­rer er­neut nach Stutt­gart. Dann wird er dem In­nen­mi­nis­ter die Un­ter­schrif­ten­lis­ten über­ge­ben, die den For­de­rungs­ka­ta­log un­ter­mau­ern sol­len. „Ich ha­be den Ein­druck, dass die Bür­ger vie­le un­se­rer For­de­run­gen mit­tra­gen“, fass­te Schä­rer am En­de der zwei­ein­halb­stün­di­gen Ver­samm­lung zu­sam­men. Mehr Fo­tos von der Ein­woh­ner­ver­samm­lung gibt es un­ter www.schwa­ebi­sche.de/ein­woh­ner-lea Rea­li­tät“, sag­te Ul­ri­ke Tyrs (SPD). Ih­re Frak­ti­on hof­fe auf ei­nen Kom­pro­miss und dar­auf, dass die Be­reit­schaft der Bür­ger zur Hil­fe nicht er­lö­sche. Ur­su­la Vo­el­kel (Grü­ne) hält die For­de­rung nach ei­ner Schlie­ßung für un­wahr­schein­lich. „Wir sind nicht un­ab­hän­gig von der Flücht­lings­be­we­gung.“Die Erst­auf­nah­me und ei­ne Ge­wer­be­an­sied­lung müss­ten par­al­lel mög­lich sein. Ob­wohl die Grü­nen die For­de­run­gen teil­wei­se kri­tisch sä­hen, hät­ten sie sie we­gen der Ein­stim­mig­keit un­ter­stützt, sag­te Vo­el­kel. (fxh)

FO­TO: THW

Nach der Ein­woh­ner­ver­samm­lung tra­gen sich die Bür­ger in die Un­ter­schrif­ten­lis­ten ein.

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