Ge­ord­ne­ter bri­ti­scher Rück­zug in 18 Mo­na­ten

Br­ex­it-Be­auf­trag­ter der EU nennt neue Frist für Ab­schluss der Ver­hand­lun­gen mit Lon­don, die im März 2017 be­gin­nen sol­len

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Da­nie­la Wein­gärt­ner

BRÜS­SEL - 18 EU-Haupt­städ­te hat Mi­chel Bar­nier seit sei­ner Er­nen­nung zum „Br­ex­it-Son­der­be­auf­trag­ten“im Ju­li be­sucht, um sich ein Mei­nungs­bild in den Mit­glieds­staa­ten zu ma­chen. Am Di­ens­tag er­klär­te er in Brüs­sel, wie er sich den Zeit­plan vor­stellt: „Wir ha­ben es von The­re­sa May ge­hört, dass sie bis März 2017 den Aus­tritts­wunsch for­mal er­klä­ren wird.“Da­nach blie­ben nur 18 Mo­na­te, um ei­ne Ei­ni­gung zu fin­den, denn die For­ma­li­en bis zur Un­ter­zeich­nung des Aus­tritts­ver­trags wür­den min­des­tens ein hal­bes Jahr in An­spruch neh­men. Län­ger als zwei Jah­re aber darf die Pro­ze­dur nicht dau­ern – so steht es im EU-Ver­trag.

Bar­niers Er­nen­nung sorg­te sein­er­zeit für Ir­ri­ta­tio­nen. Aus­ge­rech­net ein Fran­zo­se soll den EU-Aus­tritt Groß­bri­tan­ni­ens ver­han­deln, wo doch Lon­don und Paris in der EU his­to­risch, po­li­tisch und wirt­schaft­lich die bei­den Ex­trem­po­le de­fi­nie­ren? Und dann auch noch der ehe­ma­li­ge fran­zö­si­sche Au­ßen­mi­nis­ter und zwei­ma­li­ge EU-Kom­mis­sar, der Je­an-Clau­de Juncker im Ren­nen um die Spit­zen­kan­di­da­tur bei der Eu­ro­pa­wahl bei­na­he ge­schla­gen hät­te? Es zeugt für Junckers po­li­ti­sches Ge­spür, dass er aus­ge­rech­net die­sen Mann zum „Son­der­be­auf­trag­ten“ der EU-Kom­mis­si­on für die Br­ex­itVer­hand­lun­gen kür­te.

Mit 20 Jah­ren hat sich Bar­nier nach ei­ge­nen Wor­ten zum ers­ten Mal im Le­ben po­li­tisch en­ga­giert. Die Fran­zo­sen soll­ten da­mals in ei­nem Re­fe­ren­dum dar­über ab­stim­men, ob sie Groß­bri­tan­ni­ens Bei­tritt zur EU gut­hei­ßen. Und Bar­nier kleb­te Pla­ka­te für die „Yes“-Kam­pa­gne. „Noch heu­te den­ke ich, dass ich auf der rich­ti­gen Seite ge­stan­den ha­be. Aber nun müs­sen wir mit den Tat­sa­chen le­ben, und ich wer­de ei­nen ge­ord­ne­ten Rück­zug or­ga­ni­sie­ren.“

Er ha­be sich zwei Mo­na­te lang in die Ma­te­rie ein­ge­ar­bei­tet, er­klär­te Bar­nier. Aus 30 Ex­per­ten mit Spe­zia­lis­ten aus al­len po­li­ti­schen Be­rei­chen be­ste­he sei­ne Task­force. Der Fran­zo­se wird, auch das mach­te er klar, ein höf­li­cher, aber kom­pro­miss­lo­ser Ver­hand­lungs­part­ner sein.

Er er­in­ner­te an die Ver­ein­ba­rung, die die „Rest-EU“ge­trof­fen hat: Ver­han­delt wird erst, wenn der An­trag in Brüs­sel ein­ge­gan­gen ist. Mit­glied­schaft im Bin­nen­markt ist nur mög­lich, wenn al­le vier Frei­hei­ten – auch der Zu­zug in den Ar­beits­markt – ga­ran­tiert wer­den. Als Dritt­staat kann Groß­bri­tan­ni­en nicht die glei­chen Vor­tei­le ge­nie­ßen wie ein EU-Mit­glied. Und der Aus­tritt muss voll­zo­gen sein, be­vor über ein Part­ner­schafts­ab­kom­men ver­han­delt wird.

FO­TO: AFP

Höf­lich und kom­pro­miss­los: Mi­chel Bar­nier.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.