Ira­ki­sches Cha­os

Beim Streit um die po­li­ti­sche Vor­herr­schaft ge­ra­ten die Min­der­hei­ten un­ter Druck

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Chris­toph Pla­te

er so un­ter dem Is­la­mi­schen Staat ge­lit­ten hat wie die Flücht­lin­ge im Nord­irak, vie­le von ih­nen sind Chris­ten und Je­si­den, stellt sich die Fra­ge, ob es für Gläu­bi­ge ei­ner Min­der­heit über­haupt ei­ne Zu­kunft in der Re­gi­on ge­ben kann. Wäh­rend Chris­ten und Je­si­den ein­an­der ver­trau­en, christ­li­che Or­ga­ni­sa­tio­nen so­gar da­zu ge­ra­ten ha­ben, den Je­si­den zu hel­fen, weil es vie­len wirt­schaft­lich sehr schlecht geht, sitzt das Miss­trau­en ge­gen die mus­li­mi­schen Nach­barn und spe­zi­ell ge­gen die Ara­ber sehr tief.

Vie­le Flücht­lin­ge, mit de­nen Jour­na­lis­ten der „Schwä­bi­schen Zei­tung“im Irak ge­spro­chen ha­ben, sag­ten, je­ne Nach­barn, die frü­her für den Dik­ta­tor Sad­dam Hus­sein ge­spit­zelt hät­ten, sei­en nun beim Is­la­mi­schen Staat und hät­ten sich an Mas­sa­kern be­tei­ligt. So ver­all­ge­mei­nernd die­se Fest­stel­lung ist, denn es gibt na­tür­lich auch Bei­spie­le ara­bi­scher So­li­da­ri­tät mit den Ver­folg­ten, ist das Ge­sche­he­ne ei­ne schwe­re Hy­po­thek für die Zu­kunft. Im­mer wie­der hat es in den ver­gan­ge­nen Jahr­hun­der­ten Mas­sa­ker an Min­der­hei­ten im Na­hen Os­ten ge­ge­ben, an den Ju­den, den Chris­ten, den Kur­den und den Je­si­den. Nach Pha­sen der Ver­fol­gung gab es Pe­ri­oden, in de­nen gera­de die Viel­falt von Re­li­gio­nen und Eth­ni­en zu Wohl­stand und Welt­of­fen­heit bei­ge­tra­gen ha­ben.

Die Ein­nah­me der Stadt Mos­sul war ein Fa­nal und wur­de be­glei­tet von zahl­rei­chen Mas­sa­kern und Ver­trei­bun­gen im Um­land. Der deut­sche Pro­fes­sor Jan Il­han Ki­zil­han glaubt nach sei­nen Ge­sprä­chen mit vie­len Ver­trie­be­nen, vor al­lem Je­si­den, dass die­se ei­ne Art von Au­to­no­mie for­dern wür­den, die aber von den Al­li­ier­ten im Kampf ge­gen den IS über­wacht wer­den müss­te. Doch so sehr die Welt An­teil am Schick­sal der Flücht­lin­ge ge­nom­men hat, so nach­ge­ord­net scheint die Si­cher­heit der Je­si­den und der Chris­ten im Ge­samt­kon­zept für den Na­hen Os­ten zu sein. Un­ter dem Schutz der Kur­den Denn ne­ben dem Kampf ge­gen die Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on IS geht es um die Fra­ge, wie der Irak und Sy­ri­en in Zu­kunft aus­se­hen sol­len. Die west­li­chen Mäch­te, al­len vor­an die frü­he­ren Ko­lo­ni­al­mäch­te Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich so­wie die USA, ha­ben ein In­ter­es­se am Er­halt der arg in Mit­lei­den­schaft ge­zo­ge­nen staat­li­chen Struk­tu­ren in bei­den Län­dern.

Im Nord­irak le­ben die Min­der­hei­ten wie Je­si­den und Chris­ten un­ter dem Schutz der Kur­den. Die stel­len im Ge­sam­t­irak aber eben­falls ei­ne Min­der­heit und müs­sen sich ih­re klei­ne Un­ab­hän­gig­keit von der Zen­tral­re­gie­rung in Bag­dad täg­lich müh­sam er­strei­ten. Seit dem Sturz des Sun­ni­ten Sad­dam Hus­sein im Jahr 2003 herrscht dort die Mehr­heit der Schii­ten. Die wie­der­um sind nach Jahr­zehn­ten der Un­ter­drü­ckung aus­ge­spro­chen ra­che­durs­tig und wer­den mas­siv von Iran un­ter­stützt.

Die Kur­den des Nord­irak wün­schen nach wie vor mehr Au­to­no­mie. Der Gou­ver­neur von Do­huk, Far­had Ame­en Atru­shi, er­klärt so­gar, die in Ko­lo­ni­al­zei­ten ge­zo­ge­nen Gren­zen sei­en nicht sa­kro­sankt. „Es Flucht­ur­sa­chen be­kämp­fen, men­schen­wür­di­ges Le­ben er­mög­li­chen: Die­sen Schwer­punkt set­zen wir in die­sem Jahr mit un­se­rer Weih­nachts­spen­den­ak­ti­on. Die Spen­den kom­men der Hil­fe für Men­schen im Nord-Irak, Ei­ne-Wel­tStif­tun­gen aus der Ca­ri­tas-Stif­ter­fa­mi­lie und eh­ren­amt­li­chen Initia­ti­ven in Würt­tem­berg so­wie im Land­kreis Lin­dau zu­gu­te. Ih­re Spen­de hilft Men­schen in ih­rer Hei­mat zu blei­ben und nicht flie­hen zu müs­sen. Spen­den Sie jetzt! gibt we­der in der To­ra, noch in der Bi­bel oder dem Koran ei­ne Stel­le, die sa­gen wür­de, dass Gren­zen un­an­tast­bar sei­en“, sagt der kur­di­sche Po­li­ti­ker. Blick in un­ge­wis­se Zu­kunft Un­be­ant­wor­tet bei den Dis­kus­sio­nen um mehr Au­to­no­mie für die Re­gio­nen bleibt die Fra­ge, was mit den ganz klei­nen Min­der­hei­ten ge­schieht, al­len vor­an den Je­si­den und den Chris­ten. Soll­ten sie ir­gend­wann in ih­re vom IS über­rann­ten Hei­mat­or­te zu­rück­keh­ren kön­nen, wä­re ne­ben wirt­schaft­li­cher Ent­wick­lung auch mi­li­tä­ri­scher Schutz not­wen­dig. Da­zu braucht es das Be­kennt­nis der Re­gie­rung in Bag­dad und der kur­di­schen Füh­rer, dass man die Min­der­hei­ten und die re­li­giö­se Viel­falt im Land schüt­zen wol­le. Ei­ne Spen­den­quit­tung wird auf Wunsch bzw. ab 200 Eu­ro au­to­ma­tisch er­stellt. Ge­ben Sie hier­für bit­te Ih­ren Na­men und Ih­re Adres­se an so­wie das Stich­wort „ZWB“im Ver­wen­dungs­zweck. Möch­ten Sie na­ment­lich nicht auf der Dank­sei­te er­schei­nen, set­zen Sie bit­te ein X in das ers­te Feld des Ver­wen­dungs­zwecks. Spen­den­kon­to: Ca­ri­tas­ver­band der Diö­ze­se Rot­ten­burg-Stutt­gart e. V. Bank für So­zi­al­wirt­schaft Stutt­gart IBAN: DE90 6012 0500 0001 7088 00 BIC: BFSWDE33STG Stich­wort: Hel­fen bringt Freu­de schwa­ebi­sche.de/ weih­nachts­spen­den­ak­ti­on

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