Rock ’n’ Roll im Wei­ßen Haus

El­vis Pres­ley und Richard Ni­xon in ei­nem Spiel­film ver­eint

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KULTUR - Ste­fan Ro­ther

Zwei ame­ri­ka­ni­sche Iko­nen tref­fen im Film auf­ein­an­der– und wer­den von zwei erst­klas­si­gen Schau­spie­lern ver­kör­pert. Das Po­ten­zi­al, das im Be­such von El­vis Pres­ley bei Richard Ni­xon liegt, schöpft der Film aber nur teil­wei­se aus.

Dass die ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­hal­tungs­in­dus­trie und das Wei­ße Haus zum ge­gen­sei­ti­gen Vor­teil zu­sam­men­kom­men, ist nichts Neu­es – al­ler­dings wa­ren es seit Ken­ne­dy meist die De­mo­kra­ten, die vom Gla­mour der mit ih­nen sym­pa­thi­sie­ren­den Stars pro­fi­tier­ten. Um­so skur­ri­ler mag es da er­schei­nen, dass aus­ge­rech­net der stock­kon­ser­va­ti­ve und miss­trau­isch-dis­tan­zier­te Richard Ni­xon im De­zem­ber 1970 den Mas­sen­lieb­ling El­vis Pres­ley emp­fing. Das Fo­to vom Auf­ein­an­der­tref­fen der bei­den ist dann auch bis heu­te das am meis­ten an­ge­for­der­te Bild aus dem Na­tio­nal­ar­chiv der US-Re­gie­rung. Tra­gi­ko­mi­sche Aspek­te Was genau beim Tref­fen be­spro­chen wur­de, ist nicht be­kannt – nur, dass die Initia­ti­ve von Pres­ley aus­ging, der Ni­xon ei­nen Brief schrieb und es dar­auf an­leg­te, ei­ne Di­enst­mar­ke des „Bü­ros für Nar­ko­ti­ka und ge­fähr­li­che Dro­gen“zu er­hal­ten. Tat­säch­lich wur­de er dar­auf zum Bun­des­dro­gen­fahn­der be­ru­fen – was an­ge­sichts sei­ner star­ken Me­di­ka­men­ten­ab­hän­gig­keit in den fol­gen­den Jah­ren nicht oh­ne bit­te­re Iro­nie war.

Nun zeigt die Re­gis­seu­rin Li­za John­son in ih­rem Film, wie sich das Tref­fen und sei­ne Vor­be­rei­tun­gen zu­ge­tra­gen ha­ben könn­ten. Ei­ne his­to­ri­sche Schil­de­rung ist ihr da­bei aber we­ni­ger wich­tig als die tra­gi­ko­mi­schen Aspek­te der Si­tua­ti­on. Da stört es auch nicht son­der­lich, dass die bei­den Darstel­ler ih­ren Vor­bil­dern nicht son­der­lich ähn­lich se­hen – schließ­lich geht es nicht dar­um, die­se zu imi­tie­ren, son­dern zu in­ter­pre­tie­ren. Ke­vin Spacey hat da­bei die leich­te­re Auf­ga­be, schließ­lich gilt er durch sei­ne Rol­le in „Hou­se of Cards“für vie­le oh­ne­hin als Ver­kör­pe­rung ei­nes ver­schla­ge­nen US-Prä­si­den­ten. Zu­dem spielt er erst im letz­ten Teil des Films ei­ne tra­gen­de Rol­le.

Micha­el Shan­non ver­leiht sei­nem El­vis da­ge­gen von Be­ginn an ei­ne be­son­de­re Au­ra. All die At­tri­bu­te des „King“sind für ihn nur ei­ne Hül­le, in die er schlüpft – was sich da­hin­ter ver­birgt, scheint er aber sel­ber nicht so genau zu wis­sen. Auf je­den Fall fühlt er sich als Pa­tri­ot, der Ame­ri­ka vor der Dro­gen-Kul­tur, den Hip­pieE­le­men­ten, der lin­ken Stu­den­ten­be­we­gung, den Black Pan­ther und an­de­rem Un­bill be­wah­ren müs­se. Der Haus­se­gen mit Gat­tin Pri­scil­la hängt oh­ne­hin schief, da wird es Zeit für ei­ne neue Auf­ga­be und so ver­fasst der Waf­fen­narr sein Schrei­ben, das er so­gar per­sön­lich am Ein­gang des Wei­ßen Hau­ses ab­gibt.

Mit von der Par­tie ist El­vis’ bes­ter Freund Jer­ry Schil­ling (Alex Pet­ty­fer), der sich ei­gent­lich ei­ne bür­ger­li­che Exis­tenz auf­bau­en will, nun aber doch noch­mal in den Stru­del aus Ver­eh­rung, Cha­ris­ma und Un­be­re­chen­bar­keit ge­zo­gen wird, den der „King“über­all wo er an­kommt, aus­löst. Al­ler­dings bleibt Schil­lings Fi­gur recht blass und der Film fes­selt hier vor al­lem, wenn El­vis zu sei­nen Mo­no­lo­gen an­setzt. Das Fi­na­le, bei dem die bei­den ei­gen­sin­ni­gen Män­ner auf­ein­an­der­tref­fen und sich der Mu­si­ker und der Po­li­ti­ker erst be­schnup­pern, dann an­ein­an­der mes­sen und schließ­lich so­gar Ge­mein­sam­kei­ten fin­den, ist sehr ge­lun­gen. In die­ser Hin­sicht gleicht der Film vie­len Kon­zert­er­leb­nis­sen: Wenn am En­de die gro­ßen Hits Schlag auf Schlag kom­men, hat man die ge­le­gent­li­chen Durch­hän­ger im vor­he­ri­gen Teil schnell ver­ges­sen. El­vis & Ni­xon. Re­gie: Li­za John­son. Mit: Micha­el Shan­non, Ke­vin Spacey, Alex Pet­ty­fer. USA 2016. 87 Mi­nu­ten. Kei­ne Al­ters­be­schrän­kung

FO­TO: UNI­VER­SUM FILM

Prä­si­dent Ni­xon emp­fängt El­vis Pres­ley: Ke­vin Spacey ver­steht sich auf fie­ses prä­si­dia­les Ver­hal­ten, Micha­el Shan­non (links) ver­leiht sei­nem El­vis ei­ne be­son­de­re Au­ra.

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