Süch­tig nach Aben­teu­ern

Vor 100 Jah­ren starb der Abenteuer-Au­tor Jack Lon­don

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KULTUR - Von Chris­ti­na Hors­ten

NEW YORK (dpa) - Jack Lon­dons auf­re­gends­te Ge­schich­te war sein ei­ge­nes Le­ben. Auf der Su­che nach im­mer neu­en Aben­teu­ern zog der USSchrift­stel­ler in den ka­na­di­schen Gold­rausch, be­se­gel­te den Süd­pa­zi­fik und die Be­ring­see und reis­te, in­dem er sich an Gü­ter­zü­ge klam­mer­te, quer durch die USA. Das Er­leb­te schrieb er rast­los auf, mehr als 50 Bü­cher und 200 Kurz­ge­schich­ten ent­stan­den. Wer­ke wie „Ruf der Wild­nis“, „Wolfs­blut“oder „Der See­wolf“wur­den zu im­mer wie­der ver­film­ten Best­sel­lern. Das ver­dien­te Geld gab Lon­don schnell wie­der für neue Abenteuer aus. „Die Funk­ti­on des Men­schen ist zu le­ben, nicht ein­fach zu exis­tie­ren.“

Aber das ra­san­te Le­ben des Au­tors dau­er­te nur kurz. Schon mit 40 Jah­ren starb er – das ist in die­sen Ta­gen genau 100 Jah­re her. Die To­des­ur­sa­che ist bis heu­te nicht ein­deu­tig ge­klärt. Die meis­ten Ex­per­ten ver­mu­ten, dass das Trin­ken von ex­trem viel Al­ko­hol sei­ne Or­ga­ne ge­schä­digt ha­be. Da­zu ka­men mög­li­cher­wei­se an­de­re ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me und De­pres­sio­nen.

„Er war ein Kämp­fer“, sag­te der Lon­don-For­scher und Ku­ra­tor ei­nes Mu­se­ums für den Schrift­stel­ler im US-Bun­des­staat Loui­sia­na, Earl La­bour, dem Ra­dio­sen­der NPR. „Er war ein groß­ar­ti­ger Wett­kämp­fer. Er woll­te al­les ge­win­nen, was er ge­macht hat. Er war auch ein Ge­nie. Er hat­te un­glaub­li­chen Charme und Cha­ris­ma. Je­der sprach dar­über. Aber auch wenn er phy­sisch stark war, war er emo­tio­nal sen­si­bel. Über den Tod ei­nes Lieb­lings­tie­res oder ei­ne tra­gi­sche Ge­schich­te in ei­nem Ro­man konn­te er wei­nen.“

Ge­bo­ren wur­de Lon­don am 12. Ja­nu­ar 1876 in San Fran­cis­co, wo er in un­ste­ten Ver­hält­nis­sen auf­wuchs. Als Kind las er viel, ar­bei­te­te lan­ge Tage in ei­ner Fa­b­rik, kauf­te sich schon als Te­enager ein Boot und ging auf ers­te klei­ne­re Aben­teu­er­rei­sen. Die Fa­mi­lie zog oft um und lan­de­te schließ­lich in Oakland. Lon­don be­gann zu schrei­ben und ge­wann den Preis ei­ner Lo­kal­zei­tung. Aber es hielt ihn nicht in der San Fran­cis­co Bay, sein „Blut war zu heiß“, wie er spä­ter in ei­nem In­ter­view sag­te.

Lon­don be­se­gel­te die Be­ring­see und reis­te per Zug Rich­tung Nia­ga­ra­fäl­le. Dort wur­de er we­gen sei­nes Va­ga­bun­die­rens fest­ge­nom­men und ver­brach­te ei­nen Mo­nat im Ge­fäng­nis, wo er „Un­druck­ba­res und fast nicht Denk­ba­res“er­leb­te“, wie er spä­ter trau­ma­ti­siert er­zähl­te. Das Er­leb­nis mach­te ihn zum So­zia­lis­ten und le­bens­lan­gen Kämp­fer für Ar­bei­ter­rech­te.

Lon­don zieht in den ka­na­di­schen Gold­rausch, über­steht ei­si­ge Käl­te und Skor­but. Zu­rück kehrt er zwar nur mit ei­ner win­zi­gen Men­ge Gold, aber mit ei­ner rie­si­gen Men­ge Ge­schich­ten, die er zu sei­nem ers­ten gro­ßen Best­sel­ler ver­ar­bei­tet: „Der Ruf der Wild­nis“ver­kauft sich auf An­hieb mehr als ei­ne Mil­li­on Mal und macht Lon­don zum Star. Er schreibt rast­los wei­ter, oft 1000 Wör­ter am Tag, die er nur sel­ten noch ein­mal über­ar­bei­tet. „Er traf vie­le Men­schen ver­schie­dens­ter Eth­ni­en und konn­te sich in sie hin­ein­ver­set­zen“, sagt die Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin Jean­ne Ree­s­man.

Lon­don zieht wei­ter durch die Welt und ver­öf­fent­licht Best­sel­ler um Best­sel­ler – un­ter an­de­rem „Der See­wolf“, „Wolfs­blut“und „Lock­ruf des Gol­des“. „Er war ein Träumer und Vi­sio­när“, sagt Mu­se­ums­ku­ra­tor La­bour. „Und sei­ne Träu­me und Vi­sio­nen sind fast im­mer sei­nem Bud­get da­von­ge­lau­fen. Aber er woll­te das Bes­te von al­lem – die bes­te Scheu­ne, das bes­te Haus, das bes­te Boot. Wahr­schein­lich woll­te er das auf­ho­len, was er als Kind nicht hat­te.“Nach ei­ner ers­ten Ehe mit ei­ner Jugendliebe, aus der zwei Töch­ter stam­men, hei­ra­tet Lon­don die Pia­nis­tin Char­mi­an Kitt­redge. Das Paar leb­te auf ei­ner Farm in Ka­li­for­ni­en, wo bei­de auch be­gra­ben sind.

FO­TO: DPA

Das zeit­ge­nös­si­sche Por­trät zeigt den ame­ri­ka­ni­schen Schrift­stel­ler Jack Lon­don (un­da­tier­te Auf­nah­me). Er hieß ei­gent­lich mit bür­ger­li­chem Na­men John Grif­fith.

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