Ver­such­ter Mord: Pro­zess zieht sich

Ge­richt lehnt zehn Be­weis­an­trä­ge der Ver­tei­di­gung ab – Ta­ther­gang noch un­klar

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von Mar­kus Repp­ner

HERBERTINGEN/RA­VENS­BURG Was genau ge­schah am 19. März ge­gen 0.30 Uhr im Hof ei­nes Wohn­hau­ses in der Haupt­stra­ße in Herbertingen? Lau­te Ge­räu­sche schreck­ten ei­nen 56-Jäh­ri­gen Haus­be­woh­ner und sei­nen Sohn auf. Vom Fens­ter aus be­ob­ach­te­ten die bei­den Zeu­gen, wie zwei Män­ner zwei am Bo­den Lie­gen­de mit Faust­schlä­gen und Fuß­trit­ten bru­tal miss­han­del­ten. Trotz Dun­kel­heit er­kann­te er die Op­fer. Es wa­ren ein 35-Jäh­ri­ger und ein 42-Jäh­ri­ger Mit­be­woh­ner des Hau­ses.

Was zu­nächst nach ei­ner schwe­ren Kör­per­ver­let­zung aus­sah, ent­pupp­te sich bald als weit­aus schwer­wie­gen­de­re Tat. Denn wie sich wei­ter her­aus­stell­te, prü­gel­ten die Tä­ter nicht nur mit Fäus­ten und Fuß­trit­ten auf ih­re Op­fer ein, son­dern auch mit in zwei So­cken ge­pack­ten faust­gro­ßen St­ei­nen. Die Ver­let­zun­gen der Op­fer wa­ren teils le­bens­be­droh­lich.

Auf­grund der Aus­sa­gen der bei­den Op­fer, die an­ga­ben, der An­griff sei plötz­lich und un­ver­mit­telt ge­kom­men, er­hob die Staats­an­walt­schaft An­kla­ge auf ge­mein­schaft­li­chen ver­such­ten Mord. Seit An­fang No­vem­ber müs­sen sich des­halb zwei Män­ner aus Herbertingen im Al­ter von 22 und 27 Jah­ren vor dem Land­ge­richt Ra­vens­burg ver­ant­wor­ten. Die Po­li­zei nahm die bei­den vier Tage nach der Tat in ih­rer Her­ber­tin­ger Woh­nung fest, in der sie ge­mein­sam mit der Ver­lob­ten des 27-Jäh­ri­gen leb­ten. Ei­ne Blut­spur, die ein Lei­chen­hund ver­folg­te, führ­te die Be­am­ten zu die­ser Woh­nung. Der Tat­ver­dacht er­här­te­te sich durch ein Gut­ach­ten, in dem DNA-Spu­ren auf den So­cken mit sehr ho­her Wahr­schein­lich­keit mit den An­ge­klag­ten über­ein­stim­men.

Ei­gent­lich woll­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter Jür­gen Hut­te­rer am Mon­tag ge­gen 13.30 Uhr die Be­weis­auf­nah­me schlie­ßen und zu den Plä­doy­ers über­ge­hen. Doch dar­aus wur­de nichts. Vor al­lem Ver­tei­di­ger Mo­ritz Da­vid Sch­mitt, der den 22-Jäh­ri­gen ver­tritt, ver­such­te mit zehn Be­weis­an­trä­gen mehr Licht in den Ta­ther­gang zu brin­gen. Denn aus sei­ner Sicht fehlt im­mer noch der ro­te Fa­den im Ablauf der Ge­scheh­nis­se. So ist bei­spiels­wei­se das Mo­tiv, wes­halb die bei­den An­ge­klag­ten ih­ren Op­fern auf­ge­lau­ert und sie dann an­ge­grif­fen ha­ben sol­len, noch nicht zwei­fels­frei er­kenn­bar. Wie das Ge­richt in Aus­sicht stell­te, könn­te Hab­gier der Grund für das Ver­bre­chen ge­we­sen sein. Dem­nach hät­ten es die bei­den An­ge­klag­ten auf den In­halt der Ta­sche des 42 Jah­re al­ten Op­fers ab­ge­se­hen. Bis­lang konn­te die Ta­sche al­ler­dings nicht ge­fun­den wer­den. Eifersucht, wie man­che Zeu­gen­aus­sa­gen na­he­le­gen, ist we­ni­ger wahr­schein­lich, da ei­nes der Op­fer be­stritt, mit der Ver­lob­ten des 27Jäh­ri­gen ge­flir­tet zu ha­ben. Dies be­stä­tig­te auch die Ver­lob­te vor Ge­richt. Ob die An­ge­klag­ten „aus ei­ner Lau­ne her­aus“die bei­den Män­ner an­ge­grif­fen ha­ben, weil sie zu viel Al­ko­hol ge­trun­ken hat­ten, konn­te das Gut­ach­ten der Psych­ia­te­rin Ros­wi­ta Hie­tel-We­ni­ger am Mon­tag nur ge­ring­fü­gig na­he­le­gen. Sie at­tes­tier­te bei­den zum Zeit­punkt der Tat kei­ne Schuld­un­fä­hig­keit, da sie nur leicht an­ge­trun­ken ge­we­sen sei­en und bei kei­nem ei­ne psy­chi­sche Er­kran­kung fest­zu­stel­len sei. Le­dig­lich bei dem 22-Jäh­ri­gen mach­te sie ei­ne Ein­schrän­kung. Er stün­de an der Schwel­le zur Er­fül­lung von zu­min­dest ei­nem Schuld­un­fä­hig­keits­kri­te­ri­um, der so­ge­nann­ten „schwe­ren an­de­ren see­li­schen Abar­tig­keit“.

An­de­re Um­stän­de las­sen auch Zwei­fel an der Tä­ter­schaft der An­ge­klag­ten zu. Zwar gibt es die Blut­spur zwi­schen Tat­ort und Woh­nung, al­ler­dings lässt sich nicht ih­re Rich­tung fest­stel­len. Führt sie vom Tat­ort zur Woh­nung oder um­ge­kehrt?

Am Don­ners­tag, 15. De­zem­ber, wird der Pro­zess fort­ge­setzt. Dann könn­ten die Plä­doy­ers ge­hal­ten wer­den, wenn nicht noch wei­te­re Be­weis­an­trä­ge vom Ge­richt ge­prüft wer­den müs­sen.

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