Ein Kunst­tref­fer vom Tor­süch­ti­gen

Ein wun­der­schö­ner Frei­stoß­tref­fer Le­wan­dow­skis ge­nügt Bay­ern zum Sieg ge­gen At­lé­ti­co

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT - Von Fil­ip­po Ca­tal­do

MÜN­CHEN – Zwei Schrit­te An­lauf, mit dem lan­gen drit­ten das Stand­bein ne­ben den Ball set­zen, aus­ho­len, ein we­nig Rück­la­ge, mit viel Ge­fühl tre­ten – und dann nur noch ge­nie­ßen. Es gibt To­re, die sind so schön, dass sie ge­malt wer­den soll­ten. Ro­bert Le­wan­dow­ski, trotz ei­ner klei­nen Leis­tungs­del­le in den letz­ten Wo­chen Bay­erns Tor­jä­ger Num­mer 1, ist mit sei­nem 1:0 beim 1:0 sei­ner Mann­schaft ge­gen At­lé­ti­co Ma­drid so ein Tref­fer ge­lun­gen. Ein Frei­stoß aus 18 oder auch 20 Me­tern, ziem­lich zen­tral vor dem Tor, ei­ne ge­fähr­li­che Po­si­ti­on, aber kei­ne ganz ein­fa­che, weil nur ex­akt gezwir­bel­te Frei­stö­ße nicht nur die Mau­er, son­dern auch den Tor­wart über­win­den kön­nen. Ei­ne Po­si­ti­on, aus der nor­ma­ler­wei­se die größ­ten der größ­ten Frei­stoß­künst­ler tref­fen, Zi­né­di­ne Zi­da­ne, Icke Häß­ler, Andrea Pir­lo. Und eben Tor­süch­ti­ge wie Le­wan­dow­ski. Da­zu ein neu­er Ju­bel: Ball un­term Tri­kot, Dau­men im Mund, da wird ei­ner doch nicht et­wa dop­pelt ge­trof­fen ha­ben, im Pri­va­ten, mit Ehe­frau An­na? Oder doch nur die An­kün­di­gung ei­nes Spie­lers, der schon vor Wo­chen „im ach­ten Mo­nat schwan­ger“ge­we­sen sein will, und die Ver­hand­lun­gen über ei­nen neu­en Ver­trag beim FC Bay­ern mein­te? At­lé­ti­co mit Halb­gas Am Di­ens­tag hat Le­wan­dow­ski sei­ne Mann­schaft je­den­falls zum Sieg ge­schos­sen. In ei­nem Spiel, in dem es streng ge­nom­men nur noch ums Pres­ti­ge ging, Platz zwei in der Grup­pe hin­ter At­lé­ti­co war schon vor­her ze­men­tiert, dem­ent­spre­chend tra­ten die Ma­dri­le­nen auf. Nicht un­ge­fähr­lich, aber eben so, dass sie gera­de so viel lie­fen, dass sie nicht voll­ends er­fro­ren im neb­li­gen Eis­tem­pel na­mens Al­li­anz Are­na. Und die Bay­ern? Eben wie ei­ne Mann­schaft, die wei­ter et­was gut­zu­ma­chen hat, die zei­gen will, dass sie zu mehr im­stan­de ist als Platz zwei in der Cham­pi­ons-Le­ague-Grup­pe und Platz zwei in der Bun­des­li­ga hin­ter ei­nem Auf­stei­ger aus Leip­zig. In­so­fern kann die­ses 1:0 als recht ge­lun­ge­ner Abend ab­ge­hakt wer­den, dem zwei­ten nach dem über­zeu­gen­den 3:1 am Frei­tag in Mainz.

Das hat­te ja er­ah­nen las­sen, wo­zu die Mann­schaft noch im­mer in der La­ge ist. Trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti hat­te sei­ne tak­ti­sche Gr­und­aus­rich­tung ge­än­dert, weg von sei­nem ge­lieb­ten Tan­nen­baum, die­ser 4-3-3-Grund­ord­nung mit drei de­fen­si­ven Mit­tel­feld­spie­lern und ei­nem star­ken An­griffs­schwer­punkt über die Flü­gel, hin zu ei­nem va­ria­bel an­ge­leg­ten 4-2-3-1 mit Tho­mas Mül­ler als Fähr­ten- und Chan­cen­su­cher hin­ter der Sturm­spit­ze. Und ge­gen At­lé­ti­co? No­mi­nell wie­der ein 4-3-3, mit Thia­go, Ar­turo Vi­dal und Re­na­to San­ches im Mit­tel­feld. Und oh­ne Mül­ler. Vi­dal ließ sich oft zwi­schen die In­nen­ver­tei­di­ger Da­vid Ala­ba und Mats Hum­mels fal­len, da­vor agier­te oft ein Rie­gel be­ste­hend aus den Au­ßen­ver­tei­di­gern, Flü­gel­spie­lern und den bei­den üb­ri­gen zen­tra­len Mit­tel­feld­ak­teu­ren. Die Ma­dri­le­nen ka­men zu­nächst den­noch ei­ni­ge Ma­le vors Tor von Ma­nu­el Neu­er, Yan­nick Fer­rei­ra-Car­ras­co konn­te sei­ne zwei Chan­cen (10., 16.) aber nicht ver­wer­ten. Nach Le­wan­dow­skis Tref­fer fiel dann auch auf, wie hoch Thia­go die Ma­dri­le­nen an­lief, wie groß der Ball­be­sitz der Münch­ner war, wie dis­zi­pli­niert sie ge­gen die­sen Geg­ner agier­ten, der auch mit Halb­gas un­an­ge­nehm ist. Aber auch: Wie groß noch im­mer die Lö­cher im Mit­tel­feld der Bay­ern wa­ren, wenn Thia­go sich mal in die Ver­tei­di­gung fal­len ließ und Dou­glas Cos­ta und San­ches mit ih­ren Ge­dan­ken ganz wo­an­ders schie­nen.

Nach der Pau­se er­höh­ten die Bay­ern den Druck. Cos­ta (55.) und Juan Ber­nat (59.) schei­ter­ten am Ma­dri­der Tor­wart Jan Oblak, Ar­jen Rob­ben re­kla­mier­te ei­nen Elf­me­ter, den er nicht be­kam (60.), Thia­go ent­pupp­te sich als un­ge­fähr­li­che­rer Frei­stoß­schüt­ze als Le­wan­dow­ski (62.), der köp­fel­te nach Rob­bens Flan­ke übers Tor (74.). At­lé­ti­co schien nur noch auf den ei­nen, ent­schei­den­den Kon­ter zu war­ten, doch der kam nicht. Zur Freu­de An­ce­lot­tis („Wir ha­ben sehr gut ge­spielt und ver­dient ge­won­nen“) und Le­wan­dow­skis. Der Po­le ent­hüll­te nach dem Spiel die vol­le Wahr­heit: „Ja, ich wer­de Pa­pa im neu­en Jahr! Ich weiß es seit ein paar Mo­na­ten, aber das war ein schö­ner Mo­ment, um zu sa­gen, dass mei­ne Frau schwan­ger ist.“

Mün­chen: Neu­er - Ra­fin­ha, Hum­mels, Ala­ba, Ber­nat - Vi­dal - Thia­go, San­ches - Rob­ben (83. Kim­mich), Le­wan­dow­ski (80. Mül­ler), Cos­ta (87. Mar­ti­nez). – Ma­drid: Oblak Vr­sal­j­ko, Go­din, Sa­vic, Lu­cas - Ga­bi, Ko­ke (68. Tho­mas) - Saul, Gai­tan (60. Cor­rea) - Griez­mann, Car­ras­co (60. Ga­mei­ro). – Tor: 1:0 Le­wan­dow­ski (28.); Zu­schau­er: 70 000.

FO­TO: AFP

Vaterfreuden? Ro­bert Le­wan­dow­ski ju­belt über sei­nen Tref­fer zum 1:0 ge­gen At­lé­ti­co Ma­drid.

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