Bal­sam für die Par­tei­se­e­le

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Hen­drik Groth h.groth@schwa­ebi­sche.de

Pa­thos ist nicht die Sa­che von An­ge­la Mer­kel. Die CDU-Bun­des­vor­sit­zen­de weiß aber, was ein Par­tei­tag von ihr ver­langt, wenn sich Ve­r­un­si­che­rung auch in ih­rer Par­tei vor ei­ner Bun­des­tags­wahl breit­macht. Für ih­re Ver­hält­nis­se wur­de sie in ei­ner ge­schick­ten Re­de sehr kon­kret und ver­mit­tel­te den De­le­gier­ten, dass sie ver­stan­den ha­be, um was es geht.

Sie ap­pel­lier­te ge­füh­lig an den Zu­sam­men­halt ih­rer Par­tei und punk­te­te auf die­se Wei­se. Das Er­geb­nis ih­rer Wie­der­wahl zur Vor­sit­zen­den von 89,5 Pro­zent zeigt, dass ei­ne Mer­kel im Wahl­kampf­mo­dus auf An­griff schal­ten kann und da­bei eben nicht zu un­ter­schät­zen ist. Dass sie un­ter die Mar­ke von 90 Pro­zent ge­rutscht ist, kann ver­nach­läs­sigt wer­den.

Der Leit­an­trag für das Wahl­pro­gramm ist auf Mer­kel zu­ge­schnit­ten, oh­ne wie in der Ver­gan­gen­heit die kon­ser­va­ti­ve­ren Christ­de­mo­kra­ten vor den Kopf zu sto­ßen. Die CDU ver­sucht, die über man­che Ent­schei­dun­gen ir­ri­tier­ten Mit­glie­der wie Sym­pa­thi­san­ten wie­der für sich zu ge­win­nen. Das gilt auch für das Ver­hält­nis zur baye­ri­schen Schwes­ter­par­tei CSU. In Es­sen wur­den den Christ­so­zia­len gol­de­ne Brü­cken ge­baut, um im kom­men­den Jahr ei­nen ge­mein­sa­men Wahl­kampf füh­ren zu kön­nen. Die Ab­leh­nung von Steu­er­er­hö­hun­gen und auch Be­we­gung in der Flücht­lings­po­li­tik sind die Ba­sis da­für. Ba­den-Würt­tem­bergs In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl gab im Vor­feld den Ton an, um den Uni­ons­Mar­ken­kern der in­ne­ren Si­cher­heit wie­der zu stär­ken. Kon­se­quen­te Ab­schie­bun­gen sol­len die Zahl von in Deutsch­land le­ben­den, aber ab­ge­lehn­ten Asyl­be­wer­bern deut­lich sen­ken. Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer dürf­te das ge­fal­len.

Mer­kel weiß, dass ihr per­sön­lich ein har­ter Wahl­kampf be­vor­steht. Die AfD nann­te sie nicht beim Na­men, sprach aber von ei­ner star­ken Po­la­ri­sie­rung von rechts. Mer­kel, die auf die la­bi­le in­ter­na­tio­na­le La­ge hin­wies, zieht jetzt ei­ne Kar­te, die Kon­rad Ade­nau­er schon ge­zo­gen hat: Kei­ne Ex­pe­ri­men­te. Das soll nach ih­rem Wil­len nicht nur für Deutsch­land gel­ten, son­dern auch für Eu­ro­pa.

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