Ver­rück­te Schön­heit

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KULTUR - Von Do­mi­nik Prandl

Die CD „Di­wan of be­au­ty and odd“fei­ert Schön­heit und Ver­rückt­heit glei­cher­ma­ßen und ver­eint da­bei ara­bi­sche Mu­sik mit west­li­chem Jazz. Der Künst­ler Dha­fer Yous­sef singt und spielt Oud, die ara­bi­sche Lau­te. Die Me­lo­di­en die­ses In­stru­ments ge­hen so­fort ins Ohr und un­ter die Haut. Dha­fer Yous­sefs nach­denk­li­che Stim­me ist mal ganz tief, mal schraubt er sie in un­glaub­li­che Hö­hen. Da­ran muss man sich ge­wöh­nen. Doch als blo­ße Be­gleit­mu­sik tau­gen die Lie­der oh­ne­hin nicht.

Kla­vier­klän­ge, die wie Was­ser da­hin­plät­schern, und me­di­ta­ti­ver Ge­sang so­wie ara­bi­sche Me­lo­di­en wech­seln sich ab mit schrä­gen Rhyth­men, Funk und ro­cki­gen Im­pro­vi­sa­ti­ons­ein­la­gen. Lädt ei­ne sanf­te Me­lo­die da­zu ein, sich zu ver­tie­fen und ab­zu­schwei­fen, über­rascht ei­nen die nächs­te un­er­war­te­te Wen­dung und holt den Hö­rer wie­der aus der Ver­sen­kung zu­rück.

Dha­fer Yous­sef ist in Tu­ne­si­en ge­bo­ren und lebt in Eu­ro­pa. Das Al­bum

Weih­nachtsGe­schenk­tipp

hat er in New York mit ei­nem Jazz-Quar­tett ein­ge­spielt. Be­glei­tet wird er von Schlag­zeug, Bass, Trom­pe­te und Pia­no. Je­der Song tes­tet Gren­zen der Schön­heit aus: mal ganz läs­sig und groo­vig, mal Big­Band-ar­tig und ro­ckig. Bei ei­nem Song kann man hö­ren, wie sich die Mu­si­ker an­feu­ern – die Spiel­freu­de über­trägt sich nicht nur hier. Im­mer wie­der wird den Oh­ren aber auch et­was zu­ge­mu­tet. Selbst wenn die Mu­sik mal ver­spielt wirkt, sind Prä­zi­si­on und ei­ne kla­re Struk­tur im­mer er­kenn­bar.

Die Kraft und Be­weg­lich­keit die­ser Jazz­mu­sik, die un­ter­schied­li­che Kul­tu­ren, Stil­rich­tun­gen und Ver­gan­gen­heit mit Mo­der­ne ver­eint, er­regt Stau­nen. Auch Stim­mun­gen – Schwer­mut und Aus­ge­las­sen­heit – sind auf der CD kaum zu tren­nen. Be­son­ders Jazz- und Welt­mu­sik­lieb­ha­ber wer­den mit dem Al­bum ih­re Freu­de ha­ben. Da­bei kann das ge­lun­ge­ne Ex­pe­ri­ment Hö­rer je­den Al­ters an­spre­chen. Es stellt die ei­ge­nen Gren­zen auf die Pro­be und öff­net den Blick da­für, was mög­lich ist. Dha­fer Yous­sef: Di­wan of be­au­ty and odd, Okeh Re­cor­ds, 11 Tracks, 15,99 Eu­ro.

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