Khan sucht drin­gend nach ei­ner Woh­nung

Der Jour­na­list muss­te vor den Ta­li­ban flie­hen und fin­det kein Dach über dem Kopf

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN - Von Chris­toph War­ten­berg

SIGMARINGEN - Der Pa­kis­ta­ner Kam­ran Khan ist seit Jah­ren in Deutsch­land und lebt der­zeit in der vor­läu­fi­gen Un­ter­brin­gung in der Ge­mein­schafts­un­ter­kunft im gel­ben Haus in Sigmaringen. Ei­gent­lich soll­te er jetzt in die so­ge­nann­te An­schluss­un­ter­brin­gung in ei­ne Kom­mu­ne um­zie­hen, aber er fin­det trotz al­ler Be­mü­hun­gen kei­ne Woh­nu­ung. Khan hat­te zehn Jah­re lang in Pa­kis­tan als Jour­na­list ge­ar­bei­tet und für in­ter­na­tio­na­le Zei­tun­gen ge­schrie­ben und da­bei den Ter­ro­ris­mus an­ge­pran­gert. Dann muss­te er vor den Ta­li­ban flie­hen, die sich auch in Pa­kis­tan fest­ge­setzt ha­ben.

Die SZ hat­te schon ein­mal im Früh­jahr vier Be­trä­ge von ihm ver­öf­fent­licht, in de­nen er sei­ne Si­tua­ti­on als Flücht­ling in Deutsch­land schil­der­te. Khan hat ei­ne Ar­beits­stel­le bei McDo­nalds, die na­tür­lich weit un­ter sei­ner jour­na­lis­ti­schen Qua­li­fi­ka­ti­on liegt, aber er ist froh, ei­ne Be­schäf­ti­gung zu ha­ben. „Ich ha­be auch vie­le Din­ge über die deut­sche Kul­tur ge­lernt: Pünkt­lich­keit, To­le­ranz und Dis­zi­plin wur­den mir von mei­nen Kol­le­gen bei­ge­bracht“, schrieb Khan. Deut­sche Freun­de ha­be er auch ge­fun­den. Manch­mal schreibt er auch Blogs oder klei­ne Ar­ti­kel für deut­sche Zei­tun­gen. Seit vier Mo­na­ten sucht er nun nach ei­ner Woh­nung, ei­nem Zim­mer oder ei­ner Wohn­ge­mein­schaft – ver­ge­bens.

„Ich ha­be al­le, die ich ken­ne, an­ge­spro­chen, aber nie­mand hat et­was ge­wusst. Be­hör­den und Be­kann­te oder Hilfs­ein­rich­tun­gen konn­ten mir nicht wei­ter­hel­fen“, sagt Khan. Ei­ni­ge sei­ner Be­kann­ten sei­en von den Äm­tern in Nach­bar­ge­mein­den un­ter­ge­bracht wor­den, aber das sei bei ihm schwie­rig, weil er ja sei­ne Ar­beits­stel­le in Sigmaringen bei McDo­nalds ha­be und da meis­tens in der Nacht ar­bei­te. „Ich be­fin­de mich in ei­ner sehr schwie­ri­gen Si­tua­ti­on“, sagt Khan. Im Gel­ben Haus ha­be man kei­ner­lei Pri­vat­sphä­re, es ge­be kei­ne Mög­lich­keit, et­was zu stu­die­ren oder krea­tiv zu ar­bei­ten, was für sei­nen ei­gent­li­chen Be­ruf ja wich­tig ist. Hin­zu kom­me, dass es im gel­ben Haus kein WLan ge­be, das er für sei­ne jour­na­lis­ti­sche Ar­beit be­nö­ti­ge. Die Or­ga­ni­sa­ti­on „Re­por­ter oh­ne Gren­zen“ konn­te ihm auch nicht hel­fen. Und wenn es dann mal ei­ne Woh­nung gä­be, dann sei die viel zu teu­er. „600 Eu­ro kann ich bei mei­nem Ein­kom­men nicht be­zah­len“, be­tont Khan. Auch hö­re er öf­ter, dass sein Deutsch zu schlecht sei, als ob das was mit dem Woh­nen zu tun ha­be. Er ha­be sich auch um mehr Deutsch­stun­den be­müht, al­ler­dings eben­falls er­folg­los. Ras­sis­ti­sche Ab­leh­nung ha­be er nicht er­fah­ren, aber die Leu­te er­ken­nen na­tür­lich, dass Khan ein Flücht­ling ist. Auf schrift­li­che An­fra­gen müs­se er sehr lan­ge auf ei­ne Ant­wort war­ten, wenn denn über­haupt ei­ne kom­me, um dann ei­ne Ab­sa­ge zu er­hal­ten. Nach 24 Mo­na­ten und ei­ner An­er­ken­nung sol­len die Asyl­be­wer­ber die vor­läu­fi­ge Un­ter­brin­gung ver­las­sen. In ei­ner Hand­rei­chung des Ge­mein­de­tags Va­de­en-Würt­tem­berg vom No­ve­mer 2015 heißt es: „So­fern es ih­nen (den Asyl­be­wer­bern, Anm. d. Red.) nicht mög­lich ist, ei­gen­stän­dig ei­ne Woh­nung zu fin­den, sind die Städ­te und Ge­mein­den im Rah­men der An­schluss­un­ter­brin­gung ver­pflich­tet, die Asyl­be­wer­ber un­ter­zu­brin­gen. Es gel­ten in der Re­gel die glei­chenVor­aus­set­zun­gen wie in der Un­ter­brin­gung von ob­dach­los ge­wor­de­nen Men­schen... Auch die Kos­ten der Un­ter­brin­gung wer­den bei feh­len­der Leis­tungs­fä­hig­keit der Asyl­be­wer­ber von den Krei­sen er­stat­tet. Wer ei­ne Woh­nung für Kam­ran Khan weiß, kann den Woh­nungs­su­chen­den un­ter der Te­le­fon­num­mer 0152/ 13 66 29 14 oder im In­ter­net un­ter kam­ran97@gmail.com er­rei­chen. Hin­wei­se nimmt auch die Re­dak­ti­on der Schwä­bi­schen Zei­tung ent­ge­gen: 07571/728 234.

FOTO: AR­CHIV

Kam­ran Khan

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