Die Weh­mut er­füllt den gan­zen Raum

Se­nio­ren­treff 60 plus und In­zig­ko­fer Frau­en­gemein­schaft gibt es nicht mehr

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - RUND UM SIGMARINGEN - Von Patrick Laabs

INZIGKOFEN - Mit Weh­mut ha­ben sich bei ei­nem Ad­vents­nach­mit­tag so­wohl das Vor­stands­team der In­zig­ko­fer Frau­en­gemein­schaft als auch das Lei­tungs­team des „Se­nio­ren­treffs 60 plus“von rund 50 Be­su­chern im Bür­ger­saal des In­zig­ko­fer Rat­hau­ses ver­ab­schie­det. Die Frau­en­gemein­schaft stellt ih­re Ar­beit nach 32 Jah­ren ein, den Se­nio­ren­treff gab es an­nä­hernd zehn Jah­re. Da­mit bre­chen zwei Eck­pfei­ler ge­mein­schaft­li­cher Ar­beit von Men­schen für Men­schen in der Ge­mein­de Inzigkofen weg.

Bei­de Grün­dun­gen hat­ten ei­nen kirch­li­chen Ur­sprung, wes­halb es sich De­kan Chris­toph Neu­brand nicht neh­men ließ, sich bei bei­den Teams zu be­dan­ken. Es sei scha­de, dass die Frau­en „das, was sie jahr­zehn­te­lang ge­stemmt ha­ben, nun nicht mehr stem­men kön­nen“. Nie­mand wis­se, was die Zu­kunft brin­ge, ge­wiss sei aber, dass die ge­sam­te Seel­sor­ge­ein­heit auch künf­tig ver­su­chen wer­de, al­le Frau­en zu ver­net­zen, um so auch den In­zig­ko­fer Frau­en An­ge­bo­te zu ge­mein­sa­men Ak­ti­vi­tä­ten zu bie­ten. Er be­dank­te sich auch für den „ge­wis­sen Vor­lauf“, den die Frau­en ge­ge­ben hät­ten. Doch ob­wohl be­reits seit ei­ni­ger Zeit be­kannt ge­we­sen sei, dass das Vor­stands­team um die Vor­sit­zen­de Ku­ni­gun­de Beck kür­zer­tre­ten woll­te, ha­be nie­mand in den Start­lö­chern ge­stan­den: „Die Chan­ce hät­te es ge­ge­ben“, sag­te Neu­brand.

So sei es „fast ein Stück weit sym­pto­ma­tisch“, dass mit dem Se­nio­ren­treff 60 plus ein zwei­tes Team am glei­chen Tag sein Wir­ken be­en­den müs­se, so der De­kan. Auch hier ha­be es kei­ne Nach­fol­ger ge­ge­ben, „ob­wohl wir vie­le Men­schen bild­lich ab­ge­klap­pert ha­ben, nicht zu­letzt per Te­le­fon oder per Mail“. In Ge­dicht­form ver­ab­schie­de­te sich Wer­ner Eber­le vom Lei­tungs­team von den Se­nio­ren.

Es ha­be ei­nen har­ten Kern an Se­nio­ren ge­ge­ben, die ger­ne zu den re­gel­mä­ßi­gen Ver­an­stal­tun­gen ge­kom­men sei­en, doch zu vie­le – gera­de jun­ge Se­nio­ren – hät­ten sich rar ge­macht. Se­nio­ren sei­en heut­zu­ta­ge be­weg­li­cher als frü­her und vie­le bräuch­ten ein der­ar­ti­ges An­ge­bot of­fen­bar nicht. Den­noch hof­fe er auf ei­ne Neu­grün­dung ei­nes wie auch im­mer ge­ar­te­ten Se­nio­ren­krei­ses. Er be­dank­te sich bei Bür­ger­meis­ter Bernd Gom­bold da­für, dass der Se­nio­ren­treff den Bür­ger­saal im Rat­haus im­mer ha­be nut­zen dür­fen, „auch wenn wir viel­leicht manch­mal den Bü­ro­schlaf ge­stört ha­ben“.

Gom­bold selbst lob­te bei­de Ein­rich­tun­gen. „Wenn es für den ei­nen oder an­de­ren zu Hau­se er­drück­lich ein­sam war, habt ihr Ge­mein­schaft her­ge­stellt“, sag­te er.

Den Ad­vents­nach­mit­tag ge­stal­ten die Frau­en­gemein­schaft und der Se­nio­ren­treff seit Jah­ren ge­mein­sam, in ab­wech­seln­der Ver­ant­wor­tung. In die­sem Jahr war die Frau­en­gemein­schaft dran. Ku­ni­gun­de Beck lud die An­we­sen­den ein, mit ihr ei­nen ge­dank­li­chen Aus­flug in die wundersame Welt der Na­tur zu un­ter­neh­men. Sie, als pas­sio­nier­te Früh­auf­ste­he­rin, fo­to­gra­fie­re und ma­le seit lan­ger Zeit die Son­nen­auf­gän­ge, die sie über Sigmaringen be­ob­ach­te. So­wohl ih­re Bil­der als auch Fo­to­gra­fi­en stell­te sie vor. Gi­se­la Metzler, Ste­fa­nie Pfei­fer und Ma­ria Schie­ber vom Vor­stands­team um­rahm­ten die Ad­vents­fei­er mit Ge­dich­ten und an­de­ren Bei­trä­gen.

Bei Kaf­fee und Ku­chen und vie­len Ge­sprä­chen klang der ge­müt­li­che Nach­mit­tag, der vor­erst letz­te die­ser Art, aus. Ob sich nun doch noch je­mand mel­det, der zu­min­dest ei­nen der bei­den Ver­ei­ne fort­füh­ren möch­te, wird die Zu­kunft zei­gen.

Zu­min­dest die Frau­en wol­len sich aber wei­ter tref­fen, nur eben im klei­ne­ren Kreis oh­ne Ver­eins­struk­tur. Metzler und auch die jahr­zehn­te­lan­ge Hel­fe­rin Isol­de Ko­kot lob­ten im Ge­spräch mit der SZ die stets sehr gu­te Stim­mung un­ter den Frau­en, es ha­be nie Kon­flik­te ge­ge­ben. Beck be­ton­te noch ein­mal die Be­deu­tung des Ver­eins ge­ne­rell für die Ge­mein­schaft: „Wenn ein sol­ches Mit­ein­an­der exis­tiert, dann wirkt das wie ein Pilz­ge­flecht un­term Bo­den.“

FO­TOS: PATRICK LAABS

Ein Ab­schied mit Weh­mut: So­wohl die In­zig­ko­fer Frau­en­gemein­schaft als auch der Se­nio­ren­treff 60 plus lö­sen sich auf. Bür­ger­meis­ter Bernd Gom­bold be­dank­te sich mit Blu­men und Pra­li­nen bei (von links) Ku­ni­gun­de Beck, Ma­ria Schie­ber, Hel­ga Bosch, Isol­de Ko­kot, Gi­se­la Metzler, Re­na­te Rie­der, Wer­ner Eber­le und Ur­su­la Hof­mann. Auf dem Bild feh­len He­di Klein und Bär­bel Beck. Im Hin­ter­grund sind die Bil­der von Son­nen­auf­gän­gen zu se­hen, die Ku­ni­gun­de Beck vor­stell­te.

„Die Son­ne hat den Men­schen schon im­mer fas­zi­niert“, sagt Ku­ni­gun­de Beck, die 25 Jah­re lang die Frau­en­gemein­schaft an­führ­te.

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