Rä­te for­dern Sen­kung der Kreis­um­la­ge

CDU stellt An­trag auf Sen­kung um 1,5 Pro­zent­punk­te – Kug­ler: „Kreis schwimmt im Geld“

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von An­na-Le­na Buch­mai­er

SIGMARINGEN - Die Kreis­rä­te ha­ben sich für ei­ne Sen­kung der Kreis­um­la­ge um 1,5 Pro­zent­punk­te aus­ge­spro­chen. Das reg­te CDU-Frak­ti­ons­spre­cher Tho­mas Kug­ler im Ver­wal­tungs­und So­zi­al­aus­schuss am Mitt­woch in ei­ner flam­men­den Re­de an. Auch Kreis­rä­te an­de­rer Frak­tio­nen ga­ben an, über ei­ne Zu­stim­mung die­ses An­trags nach­den­ken zu wol­len. Bei der Ein­brin­gung des Haus­halts schlug die Kreis­ver­wal­tung vor, die Kreis­um­la­ge bei 34,5 Pro­zent (ent­spricht 52,78 Mil­lio­nen Eu­ro) zu be­las­sen. Laut Kug­ler sei al­les an­de­re „nicht zu recht­fer­ti­gen“. Die Kreis­um­la­ge stellt ei­nen Teil der Ein­nah­men des Land­krei­ses dar, sie wird von den Kom­mu­nen fi­nan­ziert. Kä­me die Kreis­ver­wal­tung der For­de­rung der CDU nach, wür­de das im Haus­halt für 2017 ei­nem Er­lass von 2,3 Mil­lio­nen Eu­ro gleich­kom­men.

Als Grund für sei­ne For­de­run­gen nann­te Kug­ler, Bür­ger­meis­ter der Stadt Pful­len­dorf, die Mehr­ein­nah­men so­wie ho­he Rück­la­gen des Land­krei­ses. Die Li­qui­di­tät des Krei­ses liegt 2017 bei 21 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Kreis­um­la­ge des Krei­ses Sigmaringen ist, ge­mes­sen am Be­zirk des Re­gie­rungs­prä­si­di­ums, die höchs­te, im Lan­des­schnitt lie­ge sie un­ter den „Top Ten“, – „für ei­nen länd­li­chen Kreis sind wir gut da­bei“. Die Rück­la­gen wür­den je­doch laut Land­rä­tin Ste­fa­nie Bürk­le für an­ste­hen­de In­ves­ti­tio­nen in den Fol­ge­jah­ren, wie den Neu­bau oder die Sa­nie­rung der Ber­tha-Benz-Schu­le, be­nö­tigt. „Wir ge­hen von Bau­kos­ten in Hö­he von 39 Mil­lio­nen aus, der Be­trag kann auch deut­lich hö­her lie­gen“, gab Bürk­le zu be­den­ken. Auch laut Fi­nanz­de­zer­nent Franz-Jo­sef Schnell wür­de man gut da­ran tun, das Geld bis 2018/2019 „auf der ho­hen Kan­te zu ha­ben“, frei nach dem Mot­to: „Wenn es dem Land­kreis hilft, wird es den Ge­mein­den hel­fen.“

Den Spieß dreh­ten die Kreis­rä­te um: „Wenn die Kom­mu­nen nicht funk­tio­nie­ren, funk­tio­niert der Kreis nicht“, stimm­te Kreis­rä­tin und Bad Saul­gaus Bür­ger­meis­te­rin Do­ris Schrö­ter (FW) mit ein. Ste­fan Bubeck, Men­gens Bür­ger­meis­ter, sah dies ähn­lich. Noch nie hät­te der Kreis so ho­he Rück­la­gen ge­habt. „Es kann nicht sein, dass der Kreis im Geld schwimmt, wäh­rend struk­tur­schwa­che Ge­mein­den Ge­wer­be- und Grund­steu­er er­hö­hen müs­sen.“Die Sche­re ge­he zu weit aus­ein­an­der. Auch von ei­ner „An­häu­fung von Geld­ber­gen“war die Re­de. Tho­mas Kug­ler sag­te: „Der Kreis kriegt Geld, wenn er es braucht“und ver­wies auf den oh­ne­hin nied­ri­gen Zins­satz, der die Spar­plä­ne hin­fäl­lig ma­che. Zu­dem hät­te man an­ge­sichts des Er­wei­te­rungs­baus des Land­rats­am­tes deut­lich mehr Schul­den als jetzt ge­habt, und sei den­noch gut über die Run­den ge­kom­men. So gut wie dem Kreis wür­de es den Kom­mu­nen nicht ge­hen: Er ver­wies auf Schul­den und Pro­ble­me, Dar­le­hen für an­ste­hen­de In­ves­ti­tio­nen zu be­kom­men. Die Sen­kung der Kreis­um­la­ge zah­le sich für den Kreis aus, man kön­ne sie als Rein­ves­ti­ti­on be­trach­ten. „Am Er­folg des Land­krei­ses teil­ha­ben“„Zuf­rie­de­ne Ge­mein­den-Bür­ger sind zuf­rie­de­ne Kreis­bür­ger“, stell­te Kug­ler, der für al­le Bür­ger­meis­ter un­ter den Kreis­rä­ten sprach, fest. Und: „wir brau­chen das Geld auch.“Man wol­le am wirt­schaft­li­chen Er­folg des Land­krei­ses teil­ha­ben. Er ap­pel­lier­te an die an­de­ren Frak­tio­nen, sich sein An­lie­gen „ins Ge­bet­buch zu schrei­ben“. Er reich­te des­we­gen schon jetzt, wäh­rend der Vor­be­ra­tun­gen, ei­nen Prüf­an­trag ein. Der Vor­schlag wur­de von Kreis­rä­tin Do­ris Schrö­ter be­grüßt. „So ei­ne Dis­kus­si­on hat­ten wir noch nie zu ei­nem so frü­hen Zeit­punkt“. Richard Gru­ber (SPD) sag­te, die Dis­kus­si­on ha­be ein Echo in ihm aus­ge­löst. „Ich kann die Ar­gu­men­te nach­voll­zie­hen und wir wer­den in der Frak­ti­on dar­über dis­ku­tie­ren.“Lothar Braun-Kel­ler (Grü­ne) frag­te nach ei­ner Fi­n­anz­über­sicht, um be­ur­tei­len zu kön­nen, wie es um die Ge­mein­den im Ver­gleich zum Kreis steht.

Land­rä­tin Bürk­le zeig­te Ver­ständ­nis und gab zu, dass ei­ne Sen­kung um 1,5 Pro­zent­punk­te nicht un­üb­lich sei. Man wer­de ge­ge­be­nen­falls auf das An­ge­bot der Kom­mu­nen zu­rück­kom­men, wenn der Kreis die Sen­kung und spä­ter die In­ves­ti­tio­nen in An­griff neh­me. Dann müss­ten die Rä­te mit ei­ner Er­hö­hung der Kreis­um­la­ge rech­nen. „Mei­ne Sor­ge ist, dass dies dann zu ei­nem Zeit­punkt ge­schieht, der für die Ge­mein­den wirt­schaft­lich schwie­rig ist“, füg­te Bürk­le hin­zu. Über den CDU-An­trag ent­schei­den die Kreis­rä­te in öf­fent­li­cher Kreis­tags­sit­zung am Mon­tag.

FOTO: AR­CHIV

Die Kreis­rä­te wol­len was vom wirt­schaft­li­chen Er­folg des Krei­ses ab­ha­ben und plä­die­ren da­für, die ge­plan­te Kreis­um­la­ge von 34,5 Pro­zent um 1,5 Pro­zent­punk­te zu sen­ken.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.