Ex-Vor­sit­zen­der muss reich­lich Kri­tik ein­ste­cken

Mit­glie­der stim­men für Auf­lö­sung des För­der­krei­ses Ran­cho San­ta Fe – Spen­den für Pro­jek­te sind wei­ter mög­lich

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PFULLENDORF/MESSKIRCH - Von Se­bas­ti­an Korinth

DENKINGEN - Deut­li­che Kri­tik hat Hermann Hof­mann, bis No­vem­ber Vor­sit­zen­der des För­der­krei­ses Ran­cho San­ta Fe, bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung am Mon­tag im Ke­gel­st­üb­le in Denkingen ein­ste­cken müs­sen. We­gen der aus Sicht vie­ler Mit­glie­der man­gel­haf­ten Füh­rung des Ver­eins stimm­te die Ver­samm­lung schließ­lich für des­sen Auf­lö­sung. Hof­manns Kri­ti­ker be­ton­ten er­neut, dass für die ge­för­der­ten Pro­jek­te auch wei­ter­hin ge­spen­det wer­den kön­ne. Weil es aber an ge­eig­ne­ten Kan­di­da­ten für die Vor­stands­äm­ter feh­le, ge­be es zur Auf­lö­sung des För­der­krei­ses kei­ne Al­ter­na­ti­ve.

Hermann Hof­mann, Grün­der des För­der­krei­ses und des­sen Vor­sit­zen­der seit März 2014, hat­te bei der Haupt­ver­samm­lung im No­vem­ber kei­ne Mehr­heit mehr be­kom­men. Bis auf das Amt der Schrift­füh­re­rin, in das Pe­tra Born ge­wählt wur­de, blie­ben al­le Vor­stands­pos­ten un­be­setzt. „Un­ser Ziel ist nicht die Auf­lö­sung“, sag­te För­der­kreis-Mit­glied Wal­ter Rapp, des­sen Frau Chris­ti­ne den Ver­ein von 1996 bis 2014 als Vor­sit­zen­de ge­lei­tet hat­te, am Mon­tag. „Aber schon beim letz­ten Mal ha­ben wir nicht fünf Leu­te ge­fun­den, die be­reit wa­ren, ein Amt zu über­neh­men.“ Hermann Hof­mann, der im No­vem­ber er­neut für den Vor­sitz kan­di­diert hat­te, hielt da­ge­gen. Er ha­be zwei po­ten­zi­el­le Kan­di­da­ten an der Hand, die Äm­ter über­neh­men könn­ten. „War­um sit­zen die dann nicht hier?“, woll­te Wolf­gang Ulek wis­sen. „Weil sie noch kei­ne Mit­glie­der sind“, ent­geg­ne­te Hof­mann, der au­ßer­dem dar­auf ver­wies, dass die Mit­glie­der­ver­samm­lung recht kurz­fris­tig ein­be­ru­fen wor­den war. „Aber es steht doch im­mer­hin die Ver­ein­s­auf­lö­sung im Raum“, be­ton­te Ulek. Mit­glie­der ma­chen Un­mut deut­lich Der För­der­kreis Ran­cho San­ta Fe hat­te in den ver­gan­ge­nen 29 Jah­ren ein Aus­bil­dungs­zen­trum und ein Kin­der­dorf in Hon­du­ras mit Spen­den un­ter­stützt. Wal­ter Rapp un­ter­strich, dass an bei­de Ein­rich­tun­gen wei­ter­hin ge­spen­det wer­den kön­ne – ans Kin­der­dorf über das Hilfs­werk NPH und ans Aus­bil­dungs­zen­trum über die Or­ga­ni­sa­ti­on Ale­du­ras. Die Mehr­heit der Mit­glie­der mach­te im Ke­gel­st­üb­le noch ein­mal deut­lich, dass sie Hermann Hof­mann nicht für den rich­ti­gen Vor­sit­zen­den hält. „In den zwei Jah­ren ist ein­fach zu we­nig pas­siert“, sag­te Ar­no Win­ter. „Und es kann nicht sein, dass man uns jetzt vor­wirft, wir hät­ten nicht ge­nug ge­hol­fen.“ Hof­manns Vor­gän­ger hät­ten die­sem die Ver­eins­füh­rung sau­ber über­ge­ben. „Er hat nichts dar­aus ge­macht.“

Auch Chris­ti­ne Rapp üb­te Kri­tik an Hermann Hof­mann. „Wir brau­chen kei­nen Ver­ein mehr, der so schlecht ge­führt wird“, sag­te sie. Man­fred Win­ter be­män­gel­te, dass Hof­mann im Ort der Rück­halt feh­le. „Es ist der fal­sche Weg, den Ver­ein am Le­ben hal­ten zu wol­len“, sag­te er. Deut­li­che Wor­te fand auch Karl­heinz Fahl­busch: „Wenn ich zu we­nig Zeit ha­be, ei­nen Ver­ein zu lei­ten, dann muss ich es eben las­sen.“Hof­mann tan­ze aber auf al­len Hoch­zei­ten. „Wenn die we­sent­li­chen Sa­chen dar­un­ter lei­den, dann geht das nicht.“

Hermann Hof­mann räum­te Pro­ble­me ein – et­wa, dass er den für den Ver­ein wich­ti­gen Weih­nachts­brief im ver­gan­ge­nen Jahr nicht ver­schickt hat­te. Auch Spen­den­be­schei­ni­gun­gen sei­en nicht im­mer recht­zei­tig aus­ge­stellt wor­den. „Die­se Sa­chen konn­ten auch zu mei­ner Un­zu­frie­den­heit nicht er­le­digt wer­den“, sag­te Hof­mann. Au­gen­pro­ble­me hät­ten es ihm schwer ge­macht, am Com­pu­ter zu ar­bei­ten. In­zwi­schen ge­he es ge­sund­heit­lich aber wie­der berg­auf und mit der rich­ti­gen Un­ter­stüt­zung se­he er für den För­der­kreis wei­ter­hin ei­ne Zu­kunft. Bern­hard Kei­del, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der wäh­rend Hof­manns Amts­zeit, sprang ihm zur Sei­te. „Es wä­re to­tal scha­de, wenn der Ver­ein auf­ge­löst wird“, sag­te er. „Ver­ei­ne sind doch da­für da, et­was vor Ort zu ma­chen.“

Den­noch fiel das Er­geb­nis am En­de ein­deu­tig aus: Für die Auf­lö­sung des Ver­eins gab es 18 Stim­men. Vier Mit­glie­der stimm­ten da­ge­gen, zwei ent­hiel­ten sich. Wal­ter Rapp, Ar­no Win­ter und Pe­tra Born wur­den zu so­ge­nann­ten Li­qui­da­to­ren ge­wählt, die nun die Auf­lö­sung des Ver­eins in die Hand neh­men. Wal­ter Rapp for­der­te von Hermann Hof­mann um­ge­hend Bei der Haupt­ver­samm­lung im No­vem­ber war be­kannt ge­wor­den, dass Hermann Hof­mann als Vor­sit­zen­der des För­der­krei­ses 16 700 Eu­ro in zwei Fo­to­vol­ta­ik­an­la­gen in­ves­tiert hat­te, von de­nen sich ei­ne auf sei­nem Grund­stück be­fin­det. Bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung am Mon­tag woll­te Chris­ti­ne Rapp er­neut wis­sen, wo­her die­ses Geld kommt. „Wie kom­men die­se 16 700 Eu­ro zu­sam­men?“, den Schlüs­sel fürs Ver­eins­bü­ro – zu­nächst ver­geb­lich. Er wol­le noch ei­ni­ge per­sön­li­che Din­ge ho­len, sag­te Hof­mann. „Ich ha­be nichts zu ver­ber­gen.“

Auch als Rapp nicht lo­cker ließ, hielt Hof­mann zu­nächst da­ge­gen. „Viel­leicht soll­tet ihr be­den­ken, was das für mich be­deu­tet“, sag­te er. „Ich muss jetzt da­mit fer­tig wer­den – da­bei hät­te es ei­ne an­de­re Lö­sung ge­ge­ben.“

Am En­de ei­nig­ten sich die Li­qui­da­to­ren und Hermann Hof­mann dar­auf, ge­mein­sam ins Bü­ro zu ge­hen. Dann kön­ne der letz­te Vor­sit­zen­de des För­der­krei­ses Ran­cho San­ta Fe sei­ne Sa­chen ho­len. frag­te sie Hermann Hof­mann. „Da­bei muss es sich doch um Spen­den­geld han­deln.“Hof­mann recht­fer­tig­te die In­ves­ti­ti­on mit den vor­aus­sicht­li­chen Er­trä­gen für den Ver­ein – blieb Rapp al­ler­dings ei­ne Ant­wort auf ih­re Fra­ge schul­dig. Ei­nen Vor­stands­be­schluss für die An­schaf­fung der Fo­to­vol­ta­ik­an­la­ge ha­be es je­den­falls nicht ge­ge­ben, un­ter­strich Karl­heinz Fahl­busch. (SeK)

FOTO: SE­BAS­TI­AN KORINTH

Im Ke­gel­st­üb­le in Denkingen be­sie­geln die Mit­glie­der das Aus für den För­der­kreis Ran­cho San­ta Fe.

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