Ge­mein­den wei­sen Vor­rang­ge­bie­te aus

Ge­mein­den müs­sen Vor­rang­flä­chen aus­wei­sen – Re­gi­on Sig­ma­rin­gen hat zu we­nig Wind

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Chris­toph War­ten­berg

Bei der Wind­kraft wol­len die Ver­wal­tun­gen ein Mit­spra­che­recht be­hal­ten.

SIG­MA­RIN­GEN - Der Ge­mein­de­rat hat kürz­lich be­schlos­sen, zur Aus­wei­sung von Vor­rang­zo­nen für Wind­kraft­an­la­gen Un­ter­su­chun­gen in die We­ge zu lei­ten. Dann erst kann ein Flä­chen­nut­zungs­plan ver­ab­schie­det wer­den. Die­ser Be­schluss wur­de am 24. No­vem­ber vom Ge­mein­de­ver­wal­tungs­ver­band (Ge­mein­den Sig­ma­rin­gen, Sig­ma­rin­gen­dorf, Krau­chen­wies, Bin­gen, In­zig­kofen und Beu­ron) auf­ge­grif­fen und mehr­heit­lich be­schlos­sen. An­lass ist für die Ge­mein­den, bei der Ge­neh­mi­gung von Wind­kraft­an­la­gen mit­re­den zu kön­nen.

Weil es po­li­tisch ge­wollt ist, mög­lichst zahl­rei­che Wind­kraft­an­la­gen zu bau­en, gel­ten die­se als pri­vi­le­giert, das heißt, sie müs­sen ge­neh­migt wer­den, wenn nicht ge­wich­ti­ge Grün­de da­ge­gen spre­chen. Bis zum Jahr 2013 war es Auf­ga­be der Re­gio­nal­ver­bän­de, Aus­schluss­zo­nen aus­zu­wei­sen, die den Bau von Wind­kraft­an­la­gen aus wich­ti­gen Grün­den ver­bie­ten. Dann ver­la­ger­te die grün­ro­te Lan­des­re­gie­rung die­se Auf­ga­ben in die Ge­mein­den und Ge­mein­de­ver­bän­de, die al­ler­dings nicht Aus­schluss-, son­dern Vor­rang­zo­nen de­fi­nie­ren soll­ten. Die­se wer­den nach der so ge­nann­ten Wind­höf­fig­keit, al­so der Stär­ke des dort bla­sen­den Win­des, fest­ge­legt. Ab sechs Me­ter in der Se­kun­de in 140 Me­tern Hö­he über dem Grund gel­ten Stadt­or­te als wind­kraft­ge­eig­net. Die­se Grö­ßen­ord­nung wird prak­tisch nir­gend­wo im Land­kreis er­reicht, so­dass es nun nur we­ni­ge ge­eig­ne­te Stand­or­te im Land­kreis gibt.

Durch die Pri­vi­le­gie­rung der Wind­kraft­an­la­gen wä­re es nun auch mög­lich, Wind­kraft­an­la­gen an nicht ge­eig­ne­ten Stand­or­ten zu bau­en. Um dies zu ver­hin­dern, braucht es die­sen Teil­flä­chen­nut­zungs­plan des Ge­mein­de­ver­ban­des. Um nun über­haupt Vor­rang­flä­chen aus­wei­sen zu kön­nen, muss die Wind­höf­fig­keit auf bis zu 5,25 Me­ter in der Se­kun­de als Kri­te­ri­um ge­senkt wer­den, denn schon in den Ana­ly­sen des Re­gio­nal­ver­ban­des war die gan­ze Rest­flä­che bis auf we­ni­ge In­seln nicht für die Wind­kraft ge­eig­net, sei es aus Grün­den des Na­tur-, Ar­ten- oder Denk­mal­schut­zes. Die we­ni­gen Flä­chen, die nun noch ver­blei­ben, müs­sen nach ih­rer Un­ter­su­chung in be­sag­tem Flä­chen­nut­zungs­plan er­fasst wer­den, auch wenn sie ei­gent­lich für Wind­kraft un­in­ter­es­sant sind, weil sie nicht ge­nug Wind auf­wei­sen. Denn ob hö­he­re An­la­gen oder neue­re Tech­nik auch Ge­län­de mit we­ni­ger Wind at­trak­tiv ma­chen, weiß man noch nicht. Auch bei we­nig Wind Vor­rang­flä­chen aus­ge­wie­sen Nun ist es so, dass, wenn gar kei­ne Vor­rang­flä­chen aus­ge­wie­sen sind, der ent­spre­chen­de Flä­chen­nut­zungs­plan als nicht er­stellt gilt, das heißt, die Pri­vi­le­gie­rung der Wind­kraft­an­la­gen hat wie­der Vor­rang, sie müss­ten oh­ne ge­meind­li­ches Ein­ver­ständ­nis ge­neh­migt wer­den, wenn es kei­ne be­son­de­ren Aus­schluss­grün­de gibt. Die nun aus­ge­wähl­ten be­trof­fe­nen Flä­chen mit bis zu 5,25 Me­tern in der Se­kun­de ha­ben ei­ne Flä­che von 1080 Hekt­ar, de­ren Un­ter­su­chung et­wa 145 000 Eu­ro kos­ten wird.

„Die Stadt Sig­ma­rin­gen muss ei­nen An­teil von 30 Pro­zent der Un­ter­su­chungs­kos­ten zah­len“, sagt Stadt­bau­meis­ter Tho­mas Ex­ler. Ab 2017 wird die Ein­spei­sungs­ver­gü­tung dem güns­tigs­ten An­bie­ter zu­ge­spro­chen. Dass macht den Bau von Wind­kraft­an­la­gen an wind­schwa­chen Stand­or­ten we­ni­ger at­trak­tiv, weil der­je­ni­ge, der viel Wind hat, am meis­ten Strom er­zeugt und so­mit am bil­ligs­ten an­bie­ten kann. „Bei uns gibt es bis­lang we­nig Nach­fra­ge nach Bau­ge­neh­mi­gun­gen für Wind­kraft­an­la­gen“, sagt Ex­ler. Die Un­ter­su­chun­gen für die Vor­rang­ge­bie­te sol­len im Früh­jahr 2017 be­gin­nen.

FO­TO: AR­CHIV

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Durch den Teil­flä­chen­nut­zungs­plan be­hal­ten die Ge­mein­den beim Bau von Wind­rä­dern ein be­son­de­res Mit­spra­che­recht.

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