Aus der schreck­li­chen Ge­schich­te von Au­schwitz ler­nen

30 Jah­re In­ter­na­tio­na­le Ju­gend­be­geg­nungs­stät­te in Os­wie­cim – En­ge Be­zie­hung zu Is­ny

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN - Von Rolf Die­te­rich

IS­NY - An­fang der 1970er-Jah­re, mit­ten im Kal­ten Krieg, war es ein küh­ner, aus­ge­spro­chen mu­ti­ger und zu­nächst auch sehr um­strit­te­ner Ge­dan­ke: Aus­ge­rech­net in Os­wie­cim, der Stadt, de­ren deut­scher Na­me Au­schwitz für ei­nen Tief­punkt der mensch­li­chen Ent­wick­lungs­ge­schich­te steht, woll­te die Ak­ti­on Süh­ne­zei­chen/Frie­dens­diens­te (ASF) ei­ne Be­geg­nungs­stät­te für jun­ge Leu­te bau­en. Die po­li­ti­schen, bü­ro­kra­ti­schen und fi­nan­zi­el­len Hin­der­nis­se schie­nen un­über­wind­bar zu sein. Doch dann fand die ASF vor al­lem in ehe­ma­li­gen Häft­lin­gen des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers Au­schwitz-Bir­ken­au wich­ti­ge Mit­strei­ter für die Ver­wirk­li­chung ih­rer Idee. Trotz­dem soll­te noch viel Zeit ver­ge­hen, ehe vor ge­nau 30 Jah­ren, im De­zem­ber 1986, die In­ter­na­tio­na­le Ju­gend­be­geg­nungs­stät­te in Os­wie­cim ih­rer Be­stim­mung über­ge­ben wur­de. Trä­ger ist ei­ne von der Ak­ti­on Süh­ne­zei­chen /Frie­dens­diens­te (Ber­lin) und der Stadt Os­wie­cim ge­grün­de­te deutsch­pol­ni­sche Stif­tung.

Die Pla­nung und der Bau der In­ter­na­tio­na­len Ju­gend­be­geg­nungs­stät­te sind eng mit dem Na­men Hel­mut Mor­lok ver­bun­den. Für den Ar­chi­tek­ten aus Is­ny im All­gäu soll­te die­ses Pro­jekt zu ei­ner Le­bens­auf­ga­be wer­den, der er sich bis heu­te mit gro­ßem En­ga­ge­ment wid­met. Zu­sam­men mit Kol­le­gen aus sei­nem Bü­ro hat­te Mor­lok 1985 den Ent­wurf ei­nes nach au­ßen und in­nen of­fe­nen, in viel Grün ein­ge­bet­te­ten En­sem­bles aus leich­ten, frei­ste­hen­den Pa­vil­lons aus­ge­ar­bei­tet. Da­mit soll­te be­wusst ein Kon­trast zu der en­gen, be­klem­men­den Ar­chi­tek­tur des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers ge­schaf­fen wer­den. Das galt auch für die Wahl des Bau­ma­te­ri­als. Kein har­ter und schwe­rer Be­ton soll­te es sein, son­dern das vom Men­schen als weich, warm und an­ge­nehm emp­fun­de­ne Holz. Da es im da­mals noch kom­mu­nis­ti­schen Po­len kei­nen ge­eig­ne­ten Her­stel­ler von Fer­tig­bau­tei­len aus Holz gab, wur­den die­se von der Fir­ma Carl Platz in Bad Saul­gau ge­lie­fert. Ne­ben de­ren Mit­ar­bei­tern un­ter­stütz­ten wei­te­re Hand­wer­ker aus Ober­schwa­ben ih­re am Bau be­tei­lig­ten pol­ni­schen Kol­le­gen. Auch die Be­völ­ke­rung Is­nys nahm von An­fang an re­gen An­teil an dem Pro­jekt, un­ter an­de­rem im Mai 1986 bei ei­nem Ba­zar zu­guns­ten der im Bau be­find­li­chen Ju­gend­be­geg­nungs­stät­te, für den auch Is­ny­er Künst­ler Ar­bei­ten zur Ver­fü­gung ge­stellt hat­ten. Hu­ma­nis­ti­schen Wer­ten ver­pflich­tet In den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren ha­ben Tau­sen­de von jun­gen Men­schen aus al­ler Her­ren Län­der – Schü­ler, Lehr­lin­ge, Stu­den­ten, Mit­glie­der re­li­giö­ser Ju­gend­grup­pen –, aber auch vie­le Leh­rer und an­de­re Er­wach­se­ne an den Se­mi­na­ren, Work­shops und kul­tu­rel­len Ver­an­stal­tun­gen in Os­wie­cim teil­ge­nom­men.

Bei ih­rer päd­ago­gi­schen Ar­beit sieht sich die Ju­gend­be­geg­nungs­stät­te ei­nem Auf­trag ver­pflich­tet, den sie selbst wie folgt be­schreibt: Auf ei­nem Grund­wer­te­ka­ta­log mit hu­ma­nis­ti­schen Wur­zeln sol­len vor al­lem Ju­gend­li­che his­to­risch und po­li­tisch so ge­bil­det wer­den, wie es sich aus der Ge­schich­te von Au­schwitz und der Sym­bo­lik die­ses Or­tes für die Welt er­gibt: Men­schen­rech­te zu ach­ten, Ras­sis­mus, An­ti­se­mi­tis­mus und Frem­den­feind­lich­keit zu be­kämp­fen und To­le­ranz und Re­spekt für ei­ne Viel­falt zu för­dern.

AR­CHIV­FO­TO: PRI­VAT

Der Ar­chi­tekt Hel­mut Mor­lok aus Is­ny hat die Plä­ne für die In­ter­na­tio­na­le Ju­gend­be­geg­nungs­stät­te in Au­schwitz ent­wor­fen.

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