„Herr Er­do­gan kann sich da­für be­dan­ken“

Schles­wig-Hol­steins SPD-Chef Ralf Steg­ner zum Dop­pel­pass-Be­schluss der CDU

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

RAVENSBURG - SPD-Vi­ze Ralf Steg­ner hat den Be­schluss der CDU zur Auf­he­bung des Dop­pel­pas­ses scharf kri­ti­siert. „Die Op­ti­ons­pflicht ist Un­fug“, sag­te Steg­ner im Ge­spräch mit Hen­drik Groth, Clau­dia Kling und Jo­chen Schlos­ser. CDU-Che­fin An­ge­la Mer­kel sei durch das Vo­tum zu ei­ner „Kö­ni­gin oh­ne Reich“ge­wor­den. Herr Steg­ner, wie wird sich die Ent­schei­dung der CDU ge­gen den Dop­pel­pass auf die Zu­sam­men­ar­beit von SPD und Uni­on bis zur Bun­des­tags­wahl aus­wir­ken? Das wird erst ein­mal kei­ne Rol­le spie­len. Mit der SPD wird es kei­ne Ab­schaf­fung des Dop­pel­pas­ses ge­ben. Die ein­zi­ge Par­tei, mit der die Uni­on so et­was ma­chen könn­te, ist die AfD. Die sitzt aber nicht im deut­schen Bun­des­tag. Die­ser Be­schluss schwächt na­tür­lich die Po­si­ti­on der Kanz­le­rin. Wenn ge­gen ih­ren er­klär­ten Wil­len so et­was be­schlos­sen wird, muss man sa­gen, dass sie ei­ne Kö­ni­gin oh­ne Reich ist. Dann nüt­zen die knapp 90 Pro­zent Zu­stim­mung zu ih­rer Wie­der­wahl als CDU-Che­fin auch nichts. Was spricht denn für Sie ge­gen ei­ne Op­ti­ons­pflicht? Die Op­ti­ons­pflicht ist schlicht Un­fug. Sie heißt nichts an­de­res, als in Deutsch­land ge­bo­re­ne Men­schen ge­gen ih­re Fa­mi­li­en auf­zu­brin­gen. Herr Er­do­gan kann sich da­für be­dan­ken. Das ist im Grun­de nichts an­de­res als ein Son­der­kon­junk­tur­pro­gramm für sei­ne Par­tei, weil man die gan­zen jun­gen Deutsch-Tür­ken ihm zu­treibt. Das Ge­gen­teil wä­re aber rich­tig: den Zu­sam­men­halt in der Ge­sell­schaft zu or­ga­ni­sie­ren. Es war ei­ne Macht­pro­be in der CDU, die Herr Spahn und sei­ne Mit­strei­ter ge­gen die Bun­des­vor­sit­zen­de ge­won­nen ha­ben. Wird die­ser Be­schluss Ih­re Po­si­tio­nie­rung im Wahl­kampf be­ein­flus­sen? Oder neh­men Sie die­ses Vo­tum nicht so ernst? Ernst neh­men muss man das schon. Aber wir wol­len ja nicht die Gro­ße Ko­ali­ti­on fort­set­zen. Wer das zum Ziel hat, kann den Wahl­kampf gleich ein­stel­len. Wir stre­ben ei­ne Mehr­heit dies­seits der Uni­on an. Klar ist na­tür­lich auch, dass ei­ne Po­si­tio­nie­rung der Uni­on ge­gen Flücht­lin­ge und ge­gen In­te­gra­ti­on die po­ten­zi­el­len Ko­ali­ti­ons­part­ner für die Uni­on ein­engt. Aber für uns er­wei­tert die­ser Rechts­ruck die Flä­che. Wenn uns die Uni­on ein biss­chen hilft im Wahl­kampf, dann will ich das nicht öf­fent­lich be­dau­ern – ob­wohl es in der Sa­che na­tür­lich falsch ist. Sie prä­fe­rie­ren al­so Rot-Rot-Grün nach der Bun­des­tags­wahl im kom­men­den Jahr? Wie ge­sagt, ich bin für ei­ne Mehr­heit dies­seits der Uni­on. Aber wir sind klug be­ra­ten, für ei­ne star­ke SPD zu strei­ten, wir ha­ben ja selbst ge­nü­gend Pro­ble­me. Bis zum Wahl­tag 18 Uhr wer­de ich des­halb für kei­ne an­de­re Par­tei Wer­bung ma­chen. Aber so, wie die Uni­on der­zeit Nach dem CDU-Be­schluss zur Auf­he­bung des Ko­ali­ti­ons­kom­pro­mis­ses zur dop­pel­ten Staats­bür­ger­schaft ha­ben füh­ren­de Christ­de­mo­kra­ten ver­sucht, die Wo­gen zu glät­ten. Die stell­ver­tre­ten­den CDU-Vor­sit­zen­den Ju­lia Klöck­ner und Vol­ker Bouf­fier stell­ten sich hin­ter Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel. Die Par­tei­che­fin hat­te di­rekt nach der um­strit­te­nen Ent­schei­dung des Par­tei­tags in Es­sen er­klärt, beim Dop­pel­pass wer­de es in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode kei­ne Än­de­rung ge­ben. Der hes­si­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Bouf­fier sag­te „FAZ.NET“, bei dem Be­schluss zum Dop­pel­pass han­de­le es sich um ein „Stim­mungs­bild agiert, müss­te sie sich ei­gent­lich in „Zwie­tracht“um­be­nen­nen. Wenn die CDU-Vor­sit­zen­de nicht zum CSU-Par­tei­tag kommt und an­ders her­um, dann merkt man, dass da nicht mehr viel ist mit Uni­on. Für die SPD ist das ei­ne ganz gu­te Aus­gangs­la­ge. des Par­tei­ta­ges“. Er rech­ne nicht da­mit, „dass die­ser Be­schluss in die Re­gie­rungs­ar­beit in Ber­lin ein­ge­hen wird“. Auch glau­be er nicht, dass die Chan­cen für ei­ne schwarz-grü­ne Ko­ali­ti­on im Bund ge­sun­ken sei­en. CDU-Vi­ze Klöck­ner mein­te, ein Par­tei­tag ste­he für CDU pur und „nicht da­für, dass am nächs­ten Tag der Ko­ali­ti­ons­ver­trag um­ge­schmis­sen wird“. CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Pe­ter Tau­ber sag­te: „Wir ha­ben ei­nen Ko­ali­ti­ons­ver­trag ge­schlos­sen. An den hal­ten wir uns, so wie wir das an an­de­rer Stel­le von der SPD er­war­ten.“Lob für den CDU-Be­schluss kam von CSU-Chef Horst See­ho­fer und aus der AfD. (dpa) Auch die Lin­ken ha­ben sich in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten nicht auf SPD-Li­nie in der Flücht­lings­po­li­tik po­si­tio­niert. Se­hen Sie dar­in ein Pro­blem? We­der Frau Wa­genk­necht noch Herr Scheu­er sind mir über­trie­ben sym­pa­thisch. Wir wol­len ei­ne hu­ma­ni­tä­re Flücht­lings­po­li­tik. Wir sind für In­te­gra­ti­ons­po­li­tik und so­zia­len Zu­sam­men­halt in un­se­rer Ge­sell­schaft. Des­halb wer­den wir kei­ne Ver­ein­ba­rung schlie­ßen, egal mit wel­cher Par­tei, die das Ge­gen­teil bringt oder an­ti­eu­ro­päi­sche Ak­zen­te setzt. Die ein­zi­gen, die sich über sol­che Be­schlüs­se freu­en kön­nen, sind die Rechts­po­pu­lis­ten. Was in der Ad­vents­zeit ei­ne christ­li­che Par­tei da­zu ver­lei­tet hat zu sa­gen, man müs­se jetzt auch die Kran­ken und Be­hin­der­ten ab­schie­ben, Kin­der und Fa­mi­li­en nachts aus den Bet­ten ho­len, um die Ab­schie­be­ef­fi­zi­enz vor­an­zu­trei­ben, das muss mir erst ein­mal je­mand er­klä­ren. Frau Pe­try hat die Be­schlüs­se des CDU-Par­tei­tags im Üb­ri­gen be­grüßt. Man­che in der SPD be­haup­ten zu wis­sen, wer der nächs­te Kanz­ler­kan­di­dat sein wird. Wis­sen Sie es auch? Ich ha­be ei­ne Vor­stel­lung da­von, wer es wer­den könn­te. Aber ich bin ganz si­cher, dass wir das klu­ger­wei­se nicht zwi­schen CDU-Par­tei­tag und Weih­nach­ten raus­bla­sen. Der Kanz­ler­kan­di­dat wird im Ja­nu­ar be­kannt ge­ge­ben. Im­mer­hin: Ih­re Nach­fra­ge zeigt mir, dass es doch in­ter­es­sant ist, wer bei der SPD Kanz­ler­kan­di­dat wer­den könn­te. Das spricht da­für, dass die nächs­te Bun­des­tags­wahl span­nen­der wird, als vie­le glau­ben. Bei der Land­tags­wahl in Ba­denWürt­tem­berg hat es die SPD auf 12,7 Pro­zent ge­bracht und war da­mit viert­stärks­te Kraft im Land­tag. Wel­che Zie­le ha­ben Sie sich vor­ge­nom­men? Ich bin Lan­des­vor­sit­zen­der in Schles­wig-Hol­stein. Das ist zwar auch ein kon­ser­va­ti­ves Land, aber da rin­gen wir mit der Uni­on um Platz eins. Das muss im­mer das Ziel der SPD sein. Hier in Ba­den-Würt­tem­berg hat­ten es die Par­tei­kol­le­gen schwer. Ju­ni­or­part­ner in ei­ner Ko­ali­ti­on zu sein, ist ei­ne schwie­ri­ge Sa­che, vor al­lem wenn der Ko­ali­ti­ons­part­ner Kret­sch­mann heißt. Ich hof­fe, dass mei­ne SPD hier in der Op­po­si­ti­on wie­der zu Kräf­ten kommt, ver­dient hät­te es das Land Ba­denWürt­tem­berg. Die SPD hat hier or­dent­li­che Re­gie­rungs­ar­beit ge­macht, dar­an hat es nicht ge­le­gen. Wir im Nor­den wer­den ver­su­chen, ein biss­chen Mut zu ver­brei­ten, in­dem wir in Schles­wig-Hol­stein ein gu­tes Er­geb­nis er­zie­len. AN­ZEI­GE

FO­TO: DA­NI­EL DRE­SCHER

Strebt bei der Bun­des­tags­wahl ei­ne „Mehr­heit dies­seits der Uni­on“an: der stell­ver­tre­ten­de SPD-Vor­sit­zen­de Ralf Steg­ner.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.