Auf schwie­ri­ger Mis­si­on

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MEINUNG & DIALOG - Von Micha­el●Fi­scher, Riad

Was will ei­ne deut­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin ei­gent­lich in Sau­di-Ara­bi­en? Die mi­li­tä­ri­sche Zu­sam­men­ar­beit hält sich in sehr en­gen Gren­zen. Das Land führt im Je­men ei­nen Krieg, mit dem man nichts zu tun ha­ben will. Und für das oh­ne­hin un­an­ge­neh­me The­ma Rüs­tungs­ex­por­te ist der Wirt­schafts­mi­nis­ter zu­stän­dig.

Dass Ur­su­la von der Ley­en sich jetzt trotz­dem für ei­nen Tag und zwei Näch­te in der sau­di­schen Haupt­stadt Riad auf­hält, hat mit ih­rem Fach­ge­biet als Mi­nis­te­rin zu­nächst ein­mal nichts zu tun. Das Kö­nigs­haus hat sie ein­ge­la­den, um ihr das wirt­schaft­li­che Re­form­pro­gramm „Vi­si­on 2030“vor­zu­stel­len.

Von der Ley­en wird des­we­gen zu­erst in das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um ge­lotst. Dort sit­zen ihr drei Män­ner und zwei Frau­en ge­gen­über, die sich al­le Mü­he ge­ben, Sau­di-Ara­bi­en als ei­nen pro­gres­si­ven Staat zu prä­sen­tie­ren. Für ein Land, in dem Frau­en so­gar das Au­to­fah­ren ver­bo­ten ist, ist das kei­ne schlech­te Quo­te.

We­nig spä­ter sitzt von der Ley­en mit jun­gen Un­ter­neh­mern und Un­ter­neh­me­rin­nen an ei­nem Tisch. Es re­den vor al­lem die Frau­en – al­le in per­fek­tem Eng­lisch. Die meis­ten ha­ben zu­min­dest ei­nen Teil ih­rer Aus­bil­dung in den USA ab­sol­viert. Sie be­rich­ten, dass die Chan­cen­gleich­heit ge­ra­de im öf­fent­li­chen Sek­tor gro­ße Fort­schrit­te ge­macht ha­be. „Der Wan­del fin­det statt“, sagt ei­ne. Zwei Ge­sich­ter Das ist aber nur ei­ne Sei­te Sau­di-Ara­bi­ens, die der Mi­nis­te­rin de­mons­tra­tiv vor­ge­führt wird. Es gibt auch ei­ne an­de­re, über die man in Riad bei sol­chen Be­su­chen nicht so ger­ne spricht. Al­lei­ne im ver­gan­ge­nen Jahr zähl­te Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal mehr als 150 Hin­rich­tun­gen, es gibt öf­fent­li­che Au­s­peit­schun­gen. Par­tei­en oder Ge­werk­schaf­ten gibt es nicht. Blog­ger wer­den ver­folgt und De­mons­tra­tio­nen sind ver­bo­ten.

Dar­an kommt man als deut­sches Re­gie­rungs­mit­glied nicht vor­bei, wenn man Sau­di-Ara­bi­en be­sucht. Von der Ley­en kün­digt be­reits zu Be­ginn an, die Men­schen­rechts­la­ge an­spre­chen zu wol­len. Es gibt aber noch an­de­re schwie­ri­ge The­men.

Sau­di-Ara­bi­en rüs­tet mas­siv auf. Der Wüs­ten­staat ist der größ­te Waf­fen­im­por­teur nach In­di­en und Deutsch­land ist die Num­mer fünf un­ter den Lie­fe­ran­ten. Trotz der pre­kä­ren Men­schen­rechts­la­ge und der sau­di­schen Bom­bar­de­ments mit vie­len ge­tö­te­ten Zi­vi­lis­ten im Je­men wer­den im­mer noch deut­sche Waf­fen in den Wüs­ten­staat ex­por­tiert.

2015 wur­den 17 Ein­zel­ge­neh­mi­gun­gen für die Aus­fuhr von Kriegs­waf­fen mit ei­nem Auf­trags­vo­lu­men von 23,8 Mil­lio­nen Eu­ro er­teilt. Erst kürz­lich ge­neh­mig­te der Bun­des­si­cher­heits­rat, dem von der Ley­en an­ge­hört, den Ex­port von 41 644 Ar­til­le­rie­zün­dern.

Für die Op­po­si­ti­on ist ei­ne sol­che Zu­sam­men­ar­beit schon viel zu viel. „Es kann nicht sein, dass das bru­ta­le Re­gime im­mer wei­ter ho­fiert wird, deut­sche Waf­fen ge­lie­fert be­kommt und dann auch noch die Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin den ro­ten Tep­pich ent­lang­spa­ziert, oh­ne deut­li­che Wor­te zu fin­den“, sagt die Grü­nen­Ab­ge­ord­ne­te Agnies­z­ka Brug­ger.

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