18-Jäh­ri­ger greift Elf­jäh­ri­ger an den Bu­sen

Se­xu­el­le Über­grif­fe auf der Frei­zeit­an­la­ge in Gam­mer­tin­gen – Amts­ge­richt ver­ur­teilt den Mann

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ALB/LAUCHERT - Von Ignaz Stös­ser

GAM­MER­TIN­GEN - Der 9. Ju­li 2016 ist ein Tag ge­we­sen, den ei­ne Elf­jäh­ri­ge so schnell nicht ver­ges­sen wird. An dem war­men son­ni­gen Sams­tag war sie mit gleich­alt­ri­gen Freun­din­nen auf der Frei­zeit­an­la­ge an der Lau­chert zwi­schen Gam­mer­tin­gen und Bron­nen. Hier wur­de sie von ei­nem 18-Jäh­ri­gen se­xu­ell be­läs­tigt und er­litt ei­nen Schock, der vor­aus­sicht­lich noch lan­ge nach­wir­ken wird. Der jun­ge Mann stand nun am Don­ners­tag vor dem Sig­ma­rin­ger Amts­ge­richt, und sie war als Zeu­gin ge­la­den.

Die Mäd­chen hat­ten gu­te Lau­ne. Sie füll­ten ge­ra­de Luft­bal­lons mit Was­ser und be­war­fen sich da­mit, als der An­ge­klag­te mit zwei Freun­den auf der An­la­ge er­schien. Schnell kam man ins Ge­spräch, und die Jungs hal­fen mit, die Luft­bal­lons für die nächs­te Was­ser­schlacht zu fül­len. Die jun­gen Leu­te plansch­ten auch im Was­ser der Lau­chert. Da­nach setz­te sich der An­ge­klag­te ne­ben die Elf­jäh­ri­ge und ver­such­te, sie auf die Wan­ge zu küs­sen. Sie dreh­te sich weg, und er drück­te ei­nen Kuss auf ih­ren Ober­arm. Dann leg­te er den Arm um ih­re Schul­tern und woll­te sich mit ihr fo­to­gra­fie­ren. Schließ­lich fass­te er dem für ihr Al­ter gut ent­wi­ckel­ten Mäd­chen an den Bu­sen. Als sie auf­sprang, griff er auch nach ih­rem Po.

„Es war das ers­te Mal, dass mir so­was pas­siert ist“, sag­te der 18-Jäh­ri­ge im Ge­richts­saal be­dau­ernd. Da­bei be­zog er sich nicht nur auf die se­xu­el­len Über­grif­fe, son­dern auch auf die Tat­sa­che, dass er an dem Tag viel Bier und Wod­ka ge­trun­ken hat­te. Er ha­be bis da­hin noch nie Al­ko­hol ge­trun­ken, dar­um sei die Wir­kung wohl sehr in­ten­siv ge­we­sen. Bei ihm wur­de ein Al­ko­hol­pe­gel von 1,45 Pro­mil­le fest­ge­stellt.

Die Mäd­chen wen­de­ten sich an Er­wach­se­ne, die eben­falls auf dem Ge­län­de wa­ren, und ba­ten sie, die Po­li­zei zu ho­len. Die kam dann auch. „Das Mäd­chen war auf­ge­wühlt, es war klar, sie stand un­ter Schock“, sag­te ein Po­li­zist am Don­ners­tag vor Ge­richt aus. Die Po­li­zei rief die El­tern der Mäd­chen her­bei und dann auch die Not­fall­seel­sor­ge. Die ha­be man vor al­lem für die Mut­ter ge­braucht, so der Sach­be­ar­bei­ter der Po­li­zei im Nach­hin­ein. Der An­ge­klag­te wur­de ins Kran­ken­haus be­för­dert. Im Po­li­zei­au­to er­brach er sich. An­geb­lich kei­ne Er­in­ne­rung Vor Ge­richt gab er nun an, sich nicht mehr er­in­nern zu kön­nen an die letz­ten Ge­scheh­nis­se auf der Frei­zeit­an­la­ge. Als ihn Rich­ter Simon Schai­rer frag­te, ob er denn glau­be, dass das stim­me, was die drei Mäd­chen in ih­ren über­ein­stim­men­den Zeu­gen­aus­sa­gen be­rich­ten, sag­te er: „Ich ha­be kei­ne Ah­nung.“Das woll­ten ihm we­der der Rich­ter noch Staats­an­walt Pe­ter Vi­ge­li­us wirk­lich ab­neh­men. Bei ei­ner ers­ten Be­fra­gung durch die Po­li­zei soll er näm­lich ge­sagt ha­ben, dass er sich nicht gut be­nom­men ha­be.

Wolf­gang Renn vom Fach­be­reich Ju­gend des Land­rats­am­tes hat­te im Vor­feld der Ver­hand­lung mit dem An­ge­klag­ten ein län­ge­res Ge­spräch. Er schlug nun vor, den Mann nach dem Ju­gend­straf­recht zu ver­ur­tei­len, ob­wohl er zur Tat­zeit be­reits 18 Jah­re und sechs Mo­na­te alt war. Renn hat­te bei ihm ei­ne ge­wis­se Ent­wick­lungs­ver­zö­ge­rung fest­ge­stellt, was die sanf­te­re Ver­ur­tei­lung recht­fer­ti­ge. Auf se­xu­el­le Be­läs­ti­gung von Kin­dern un­ter 14 steht für Er­wach­se­ne ei­ne Frei­heits­stra­fe von sechs Mo­na­ten bis zu zehn Jah­ren.

Der Staats­an­walt folg­te Renns Vor­schlag und for­der­te als Stra­fe ei­ne Ver­war­nung so­wie 60 St­un­den ge­mein­nüt­zi­ge Ar­beit in ei­ner so­zia­len Ein­rich­tung. Rich­ter Schai­rer sah das ähn­lich, leg­te das Straf­maß so fest und brumm­te dem 18-Jäh­ri­gen zu­sätz­lich auch die Kos­ten für das Ver­fah­ren auf. Zu­gu­te kam dem Mann die Tat­sa­che, dass es kei­ne Ein­tra­gun­gen im Bun­des­zen­tral­re­gis­ter über ihn gibt und dass er bis­her noch kei­ne Pro­ble­me mit der Po­li­zei hat­te. „Das ist nun wie ei­ne gel­be Kar­te im Fuß­ball“, sag­te der Rich­ter. Im Fal­le ei­ner Wie­der­ho­lung ge­be es ei­ne Ge­fäng­nis­stra­fe.

FO­TO: AR­CHIV

An schö­nen Ta­gen ist auf der Frei­zeit­an­la­ge in Gam­mer­tin­gen viel los. Schö­nes Wet­ter herrsch­te auch am 9. Ju­li, als hier die se­xu­el­len Über­grif­fe pas­sier­ten.

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