Frau in Fass ein­ge­schweißt: Öf­fent­li­cher Ap­pell

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PANORAMA -

Ein Fall aus Han­no­ver der 24 Jah­re zu­rück­liegt, lässt eben­falls den Ge­schwis­tern des Op­fers kei­ne Ru­he: Ein Ehe­mann hat­te sei­ne Frau nach ei­ner Ge­walt­tat in ei­nem Me­tall­fass ein­ge­schweißt. Die Lei­che wur­de kürz­lich in dem Fass in Ne­u­müns­ter ent­deckt, dort­hin war der Mann um­ge­zo­gen. Weil er vor­gab, sei­ne Frau im Streit ge­tö­tet zu ha­ben, wer­tet die Staats­an­walt­schaft den Fall als Tot­schlag, der nach 20 Jah­ren ver­jährt ist. Der Mann blieb auf frei­em Fuß. Die Er­mitt­lun­gen lau­fen noch, doch we­gen der Ver­jäh­rungs­re­ge­lung wer­den die Er­mitt­lun­gen ge­gen den mut­maß­li­chen Tä­ter wohl ein­ge­stellt. Die Ge­schwis­ter des Op­fers kämp­fen al­ler­dings wei­ter: Am Don­ners­tag ha­ben sie sich öf­fent­lich an den Ehe­mann ge­wandt: „Wir, die Ge­schwis­ter der ge­tö­te­ten Fran­zis­ka, sind er­schüt­tert und fas­sungs­los, dass je­mand, der sol­che Schuld auf sich ge­la­den hat, kei­ne Reue und kein Be­dau­ern zeigt, kein Un­rechts­be­wusst­sein hat und oh­ne Kon­se­quen­zen zu spü­ren, wei­ter­hin in Frei­heit le­ben kann“, sagt der 68-jäh­ri­ge Bru­der Hu­ber­tus San­der mit lei­ser Stim­me. Zu­mal die Fa­mi­lie schon in den 1990er-Jah­ren die Po­li­zei ein­schal­ten woll­te, aber ab­blitz­te. Da­mals hieß es, der Ehe­mann müs­se ei­ne Ver­miss­ten­an­zei­ge er­stat­ten. Der sprach al­ler­dings von ei­ner Tren­nung und er­klär­te, sei­ne Frau sei ins Aus­land ge­zo­gen. Der Mann ha­be beim Ver­schlei­ern der Tat Feh­ler ge­macht, sagt der Rechts­an­walt der Op­ferFa­mi­lie, Mat­thi­as Wald­raff. So ha­be er ei­ne an­geb­lich von Fran­zis­ka stam­men­de Post­kar­te selbst ge­schrie­ben und ei­ne fal­sche Te­le­fon­num­mer an­ge­ge­ben. „Man hät­te nur mal ei­ner Spur nach­ge­hen müs­sen.“Hin­ter­grund der Ver­jäh­rungs­re­ge­lun­gen sei, dass nach ei­ner ge­wis­sen Zeit Rechts­frie­den und Rechts­si­cher­heit herr­schen soll, sagt Ste­fan Cas­pa­ri, Mit­glied der Gro­ßen Straf­rechts­kom­mis­si­on des Deut­schen Rich­ter­bun­des. Ei­ne Aus­nah­me­re­ge­lung bei Tot­schlag gibt es nicht. (dpa)

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.