Per­so­nal­man­gel be­las­tet Kir­chen

Ei­nen Nach­fol­ger für den be­ur­laub­ten Ko­ope­ra­tor soll es im Früh­jahr ge­ben – Wahl­ver­fah­ren für den Co­de­kan be­ginnt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Micha­el He­scheler

Ei­ni­ge Stel­len sind mo­men­tan nicht be­setzt. Doch es gibt Hoff­nung.

SIG­MA­RIN­GEN - Die bei­den gro­ßen christ­li­chen Ge­mein­den Sig­ma­rin­gens müs­sen ih­ren Per­so­nal­man­gel be­wäl­ti­gen. In der ka­tho­li­schen Seel­sor­ge­ein­heit ist ei­ne Pries­ter- und ei­ne Re­fe­ren­ten­stel­le un­be­setzt. In der evan­ge­li­schen Ge­mein­de be­fin­det sich Pfar­re­rin Ka­trin Fin­ger­le im Mut­ter­schutz und es wird ein Nach­fol­ger für Co­de­kan Al­brecht Knoch ge­sucht. Im Ja­nu­ar tritt das Be­set­zungs­gre­mi­um für die Co­de­kan­stel­le zu­sam­men.

Ro­ra­te in St. Jo­hann am Don­ners­tag­mor­gen: Das Ge­mein­de­team ge­stal­tet den Got­tes­dienst. „Kein Pfar­rer, kein Or­ga­nist – das ist schon trau­rig“, sagt ei­ne Got­tes­dienst­be­su­che­rin. Pfar­rer Ek­ke­hard Baum­gart­ner ge­stal­tet zur glei­chen Zeit die Ro­ra­te in Bin­gen. Er ist nach der Ab­be­ru­fung des Ko­ope­ra­tors mo­men­tan der ein­zi­ge Pries­ter in der Seel­sor­ge­ein­heit. Der Ko­ope­ra­tor war be­ur­laubt wor­den, weil es ei­nen Über­griff auf ei­ne Frau ge­ge­ben hat. Nach An­ga­ben der Seel­sor­ge­ein­heit ha­ben un­ab­hän­gi­ge Ju­ris­ten sei­ne Schuld fest­ge­stellt. Als Kon­se­quenz setzt ihn die Erz­diö­ze­se nicht mehr in der Seel­sor­ge ein.

Die Ar­beits­be­las­tung für die Haupt­amt­li­chen ist seit­her deut­lich ge­stie­gen. Laut Ein­schät­zung des Kir­chen­ge­mein­de­rats ist sie in ei­nem „be­denk­li­chen Be­reich an­ge­langt“. Der Weg­gang von Vi­kar Ar­min Na­gel, die Ab­lö­sung des Ko­ope­ra­tors und der Ab­schied von Dia­kon Wal­ter Lup­part ha­ben Lü­cken hin­ter­las­sen, die nicht ge­schlos­sen wer­den kön­nen.

Ak­tu­ell sind in der Seel­sor­ge­ein­heit mit Ge­mein­de­re­fe­ren­tin Ma­rit­ta Lieb, Pas­to­ral­re­fe­rent Wolf­gang Holl und Pfar­rer Baum­gart­ner le­dig­lich drei haupt­amt­li­che Mit­ar­bei­ter tä­tig. „Wir ar­bei­ten al­le drei an der Kan­te“, be­schreibt Pfar­rer Baum­gart­ner die Be­las­tung.

Nach ei­ni­gen Mo­na­ten des Ban­gens ist er nun vor­sich­tig op­ti­mis­tisch: Die Erz­diö­ze­se ha­be wei­te­re pas­to­ra­le Un­ter­stüt­zung zu­ge­sagt. Dies be­deu­tet, dass ei­ner­seits die Stel­le des Ko­ope­ra­tors zeit­nah wie­der­be­setzt wer­de und es an­de­rer­seits nicht bei den vier haupt­amt­li­chen Kräf­ten blei­be. Der zwei­te Pries­ter soll spä­tes­tens zum 1. März an­fan­gen. Ak­tu­ell gibt es ei­nen kon­kre­ten In­ter­es­sen­ten.

Bis da­hin müs­sen die Eh­ren­amt­li­chen vie­les auf­fan­gen: So ist es auch in der evan­ge­li­schen Ge­mein­de. „Ihr En­ga­ge­ment ist be­acht­lich“, sagt Chris­tel Lührs-Tru­gen­ber­ger. Die Vor­sit­zen­de des Kir­chen­ge­mein­de­rats geht als gu­tes Bei­spiel vor­ne­weg. Nach dem Ab­schied von Co­de­kan Knoch hat sie die Ge­schäfts­füh­rung der Ge­mein­de über­nom­men. Al­lein sechs Bau­stel­len müs­sen ab­ge­schlos­sen wer­den. Ih­re Kol­le­gin Su­san­ne He­ckel un­ter­stützt sie, in­dem sie den Kin­der­gar­ten-Aus­schuss lei­tet. „Es müs­sen vie­le Ge­sprä­che ge­führt wer­den, um das Gan­ze zu­sam­men­zu­hal­ten“, sagt Tru­gen­ber­ger. Für Knoch-Stel­le gibt es jetzt Be­wer­ber Laut der­zei­ti­ger Ein­schät­zung wird die Va­kanz bis zum Som­mer an­dau­ern. We­nigs­tens ist in den ver­gan­ge­nen Ta­gen Be­we­gung in das Ver­fah­ren ge­kom­men. De­kan Bea­tus Wid­mann be­rich­tet, dass die Lan­des­kir­che nun aus ih­rer Sicht ge­eig­ne­te Be­wer­ber zu­ge­las­sen hat, die sich in der Ge­mein­de und dem Kir­chen­be­zirk vor­stel­len wer­den. Wie vie­le Be­wer­ber es sind, das möch­te Wid­mann nicht ver­ra­ten: „Es kön­nen bis zu drei sein.“Er möch­te dem Be­wer­bungs­gre­mi­um nicht vor­grei­fen, das im Ja­nu­ar bei der Er­öff­nungs­sit­zung ge­naue­res er­fah­ren wird.

Da der Co­de­kan ei­nen ge­wis­sen Teil sei­ner Ar­beits­zeit für den Kir­chen­be­zirk Ba­lin­gen ein­bringt, ist das Gre­mi­um je zur Hälf­te mit Mit­glie­dern des Be­zirks und der Ge­mein­de be­setzt. Die bei­den Sei­ten müs­sen sich bei der Wahl al­so auf ei­nen Kan­di­da­ten ver­stän­di­gen. So­bald das Ver­fah­ren er­öff­net ist, wird es Got­tes­dienst­be­su­che und Ge­sprä­che mit den Kan­di­da­ten ge­ben. Wann die Stel­le be­setzt wer­den kann, das hängt von vie­len Fak­to­ren ab. „Wenn es gut läuft, schaf­fen wir es bis zum Som­mer“, sagt der Ba­lin­ger De­kan.

Der ka­tho­li­sche Pfar­rer Baum­gart­ner ist der­weil froh, dass die Ge­mein­den funk­tio­nie­ren. „Das En­ga­ge­ment trägt un­heim­lich. Das ist ein Fun­dus, auf den wir bau­en kön­nen.“Der Ro­ra­te­got­tes­dienst am Don­ners­tag war dem Ge­mein­de­team von St. Jo­hann so wich­tig, dass es sich ge­gen ei­ne Strei­chung aus­sprach und den Got­tes­dienst kur­zer­hand selbst ge­stal­te­te.

FO­TO: FXH

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...Micha Fin­ger­le von der evan­ge­li­schen Kir­che auch.

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