„Aus Sicht der Bür­ger und Au­to­fah­rer ist das ein schlech­tes Ge­schäft“

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

BER­LIN - „Ein schlech­tes Ge­schäft für Steu­er­zah­ler und Au­to­fah­rer“– Öko­nom Hol­ger Müh­len­kamp kri­ti­siert, dass die neue Ge­sell­schaft für Au­to­bah­nen und Bun­des­stra­ßen pri­va­te Un­ter­neh­men ein­schal­ten soll. Müh­len­kamp hat den Lehr­stuhl für Öf­fent­li­che Be­triebs­wirt­schafts­leh­re an der Uni­ver­si­tät für Ver­wal­tungs­wis­sen­schaf­ten Spey­er in­ne. Han­nes Koch hat sich mit ihm un­ter­hal­ten. Noch ge­hö­ren die Au­to­bah­nen uns al­len. Wird sich das mit dem Ge­setz der Bun­des­re­gie­rung und der neu­en Fern­stra­ßen­ge­sell­schaft än­dern? Nein, for­mal blei­ben die Au­to­bah­nen und Bun­des­stra­ßen wei­ter­hin im Be­sitz des Bun­des. Die Pri­va­ti­sie­rung fin­det ge­wis­ser­ma­ßen un­ter der Ober­flä­che statt. Führt die Ge­set­zes­än­de­rung lang­fris­tig da­zu, dass Au­to­fah­rer zu­sätz­li­che Maut­ge­büh­ren an pri­va­te Be­trei­ber ein­zel­ner Au­to­bahn­ab­schnit­te zah­len müs­sen? Das muss man ein­kal­ku­lie­ren. Mög­li­cher­wei­se dür­fen pri­va­te Fir­men ir­gend­wann selbst Ge­büh­ren auf be­stimm­ten Stre­cken er­he­ben. Oder sie er­hal­ten ei­nen An­teil der Lkw- und Pk­wMaut, die die öf­fent­li­che Be­trei­ber­ge­sell­schaft er­hebt. Sie kri­ti­sie­ren das Vor­ha­ben. War­um? Aus zwei Grün­den. Ers­tens er­öff­net die Bun­des­re­gie­rung ei­nen neu­en Weg, um die Schul­den­brem­se zu um­ge­hen. Die Fi­nan­zen der Fern­stra­ßen­ge­sell­schaft wer­den nicht mehr Teil des Bun­des­haus­hal­tes sein. Man rich­tet hier ei­nen wei­te­ren Schat­ten­haus­halt ein. Das schafft zu­sätz­li­che In­trans­pa­renz. Es wird schwe­rer zu be­ur­tei­len, in wel­chem Zu­stand die Staats­fi­nan­zen sind. Und zwei­tens wer­den die Au­to­bah­nen und Bun­des­stra­ßen aus Sicht der Steu­er­zah­ler und Au­to­fah­rer deut­lich teu­rer. Wie­so teu­rer? Künf­tig kön­nen sich Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men und an­de­re pri­va­te In­ves­to­ren am Be­trieb, so­wie Au­sund Neu­bau der Fern­stra­ßen mit Ka­pi­tal in Mil­li­ar­den­hö­he be­tei­li­gen. Da­für er­hal­ten sie ei­ne Ren­di­te, die der Staat bis­her nicht ent­rich­ten muss. Ein Trick da­bei: Die Fern­stra­ßen­ge­sell­schaft er­hält kei­ne Si­cher­heits­ga­ran­tie des Staa­tes. Des­halb kön­nen die Pri­va­ten ei­ne hö­he­re Ri­si­ko­prä­mie, das heißt mehr Ge­winn, ver­lan­gen. Aus Sicht der Bür­ger und Au­to­fah­rer ist das ein schlech­tes Ge­schäft. Wir al­le zah­len drauf. Ist es für die All­ge­mein­heit in Deutsch­land denn nicht bil­li­ger, wenn Pri­vat­un­ter­neh­men Stra­ßen und Au­to­bah­nen ver­wal­ten, an­statt die öf­fent­li­chen Ver­wal­tun­gen? Die even­tu­ell nied­ri­ge­ren Be­triebs­kos­ten glei­chen die hö­he­ren Ka­pi­tal­kos­ten nicht aus. Aus Sicht des Staa­tes und der Steu­er­zah­ler ist das un­ter dem Strich ein schlech­tes Ge­schäft.

FO­TO: OH

Öko­no­miePro­fes­sor Hol­ger Müh­len­kamp.

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