Pro­duk­ti­ve Welt­raum­tüft­ler

Vor al­lem die Raum­fahrt macht Air­bus in Immenstaad er­folg­reich – Neu­er Stand­ort­chef

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Ben­ja­min Wa­ge­ner

IMMENSTAAD - Gül­den leuch­tet die Fo­lie im küh­len Licht der Ne­on­röh­ren, die schil­lern­de Haut soll die emp­find­li­chen Ge­rä­te im Sa­tel­li­ten­in­ne­ren vor Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen schüt­zen. Und die kön­nen enorm sein, wenn Me­top-C um die Er­de rast, um Wet­ter- und Kli­ma­da­ten zu sam­meln: von weit un­ter null Grad Cel­si­us bis mehr als 100 Grad.

Doch be­vor der Sa­tel­lit im Rein­raum von Air­bus De­fence and Space am Stand­ort Fried­richs­ha­fen auf sei­ne Rei­se ins All geht, tra­gen Ra­ke­ten noch an­de­re Pro­duk­te aus dem Werk in Immenstaad in ih­re Um­lauf­bahn rund um die Er­de. Da ist ein Sa­tel­lit der Koper­ni­kus-Rei­he, der im März von Kou­rou in Fran­zö­sisch-Gua­ya­na aus hoch­ge­schos­sen wird. Es folgt ein Ap­pa­rat zur Koh­len­di­oxid-Auf­be­rei­tung, den ei­ne ja­pa­ni­sche Ra­ke­te zur In­ter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on ISS bringt, be­vor En­de 2017 ein Gra­vi­ta­ti­ons­sa­tel­lit folgt, den Space-XRa­ke­ten von Tes­la-Grün­der Elon Musk nach oben be­för­dern.

„Es läuft“, sagt Eckard Set­tel­mey­er, der bei Air­bus De­fence and Space in Immenstaad den Be­reich Erd­be­ob­ach­tung, Na­vi­ga­ti­on und Wis­sen­schaft lei­tet. „Wir schaf­fen im nächs­ten Jahr Platz für die Din­ge, die wir dann bau­en wer­den – und wir sind die nächs­ten drei Jah­re mit Auf­trä­gen aus­ge­bucht.“Der 57-Jäh­ri­ge will sich in Zu­kunft dar­um küm­mern, dass das so bleibt: Denn seit An­fang De­zem­ber ist der In­ge­nieur zu­stän­dig für das Feld Ge­schäfts­ent­wick­lung – und hat da­für die Lei­tung des Stand­or­tes an sei­nen Nach­fol­ger über­ge­ben.

Neu­er Chef über das Raum­fahrt­pro­gramm, aber auch die Pro­duk­ti­on der Ver­tei­di­gungs­sys­te­me bei Air­bus De­fence and Space am Bo­den­see ist seit Amts­über­ga­be Diet­mar Pilz. Der 48-jäh­ri­ge pro­mo­vier­te Elek­tro­tech­nik-In­ge­nieur aus Ulm war bis­her für Nutz­las­ten und Le­bens­er­hal­tungs­sys­te­me ver­ant­wort­lich, nun lei­tet er zu­sätz­lich den ge­sam­ten Stand­ort.

Pilz, der bis auf we­ni­ge Jah­re im­mer für Air­bus oder die Vor­gän­ger­fir­men des Un­ter­neh­mens ge­ar­bei­tet hat, ist da­mit künf­tig für 2091 Mit­ar­bei­ter ver­ant­wort­lich. Wich­tigs­ter Ge­schäfts­be­reich am Bo­den­see ist die Raum­fahrt, in der fast 1100 Men­schen be­schäf­tigt sind. Bei den Groß­sys­te­men, die Kom­mu­ni­ka­ti­on und Lo­gis­tik für die Bun­des­wehr und an­de­re Ar­me­en bau­en, ar­bei­ten 400 Men­schen. Da­zu kom­men 100 In­ge­nieu­re im Be­reich mi­li­tä­ri­sche Flug­kör­per, die vor al­lem Ziel- droh­nen für die Bun­des­wehr ent­wi­ckeln, und fast 200 Mit­ar­bei­ter in der Sek­ti­on Grenz­sys­te­me.

Air­bus De­fence and Space ge­hört zum Air­bus-Kon­zern und zählt sich zu den füh­ren­den Ver­tei­di­gungs- und Raum­fahrt­un­ter­neh­men in Eu­ro­pa mit Stand­or­ten vor al­lem in Deutsch­land, Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich, Spa­ni­en und Ita­li­en. 2015 er­wirt­schaf­te­te Air­bus De­fence and Space bei ei­nem Um­satz von 13 Mil­li­ar­den Eu­ro ei­nen ope­ra­ti­ven Ge­winn von 745 Mil­lio­nen Eu­ro. Der Um­satz, den der Stand­ort Fried­richs­ha­fen er­zielt, liegt nach Bran­chen­schät­zun­gen bei gut 800 Mil­lio­nen Eu­ro.

Für die Pro­duk­ti­on der Sa­tel­li­ten hat Air­bus ge­ra­de mit dem Bau ei­nes neu­en Tech­no­lo­gie­zen­trums be­gon­nen. 43 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert das Un­ter­neh­men. Herz­stück ist ei­ne rund 2000 Qua­drat­me­ter gro­ße Hal­le mit ei­nem Rein­raum der höchs­ten Rein­heits­klas­se. Bis zu acht gro­ße Sa­tel­li­ten sol­len dort auf ein­mal ge­baut wer­den. „Äu­ßer­lich hat sich in der Zeit, seit ich den Stand­ort ken­ne, gar nicht so viel ge­tan“, sag­te der neue Chef. „Die größ­te Ve­rän­de­rung seit Lan­gem ist das Tech­no­lo­gie­zen­trum.“Das neue Ge­bäu­de soll si­cher­stel­len, dass auch künf­tig am Bo­den­see ge­bau­te Ma­schi­nen ins All flie­gen.

FO­TO: DPA

Tech­ni­ker Bernd Scheu­len kon­trol­liert den Sa­tel­li­ten Me­top-C: Drei in Immenstaad ge­bau­te Sys­te­me sol­len 2017 mit Ra­ke­ten von Ja­pan, den USA und von Fran­zö­sisch-Gua­ya­na aus ins All ge­schos­sen wer­den.

Eckard Set­tel­mey­er hört auf.

Diet­mar Pilz fängt an.

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