Neun Gast­künst­ler zei­gen brei­tes Spek­trum

Werk­schau „Hoch und Tief: Druck­gra­phik von 2012-2016“er­öff­net

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN - Von Ga­b­rie­le Lo­ges

SIG­MA­RIN­GEN - Seit 2012 wer­den Künst­ler nach Sig­ma­rin­gen in die Ate­liers des Al­ten Schlacht­hofs zu ei­nem Druck­gra­fik-Auf­ent­halt ein­ge­la­den. In ei­ner ers­ten Aus­stel­lung sind nun al­le Künst­ler zu­sam­men­ge­bracht wor­den. Die Band­brei­te der Wer­ke in den Ga­le­rie­räu­men der Al­ten Schu­le über­zeugt so­wohl hin­sicht­lich der un­ter­schied­lichs­ten Tech­ni­ken als auch in der Aus­wahl ih­rer The­men. In der Aus­ein­an­der­set­zung mit der in­ne­ren wie äu­ße­ren Land­schaft bie­ten die Wer­ke span­nen­de Ein- und Aus­bli­cke in ein al­tes wie neu­es Ver­fah­ren.

Druck­gra­fik ist ei­ne Kunst, die mit dem Buch­druck an Be­deu­tung ge­won­nen hat und zwi­schen­zeit­lich ein we­nig in Ver­ges­sen­heit ge­riet. In Zei­ten der Di­gi­ta­li­sie­rung kommt ihr ei­ne neue künst­le­ri­sche Di­men­si­on zu. Wel­che Mög­lich­kei­ten im Be­reich Druck­gra­fik ge­nutzt wer­den kön­nen, zeigt die Aus­stel­lung „Hoch und Tief: Druck­gra­fik 2012-2016, Gast­künst­ler im Al­ten Schlacht­hof Sig­ma­rin­gen“, die von Eck­hard Froeschlin und Bern­hard Mai­er ku­ra­tiert wird.

Froeschlin konn­te als ers­ter der Künst­ler die Ra­dier­pres­se im Al­ten Schlacht­hof nut­zen. Die Do­nau be­schäf­tigt ihn, seit er Höl­der­lins Hym­ne „Der Is­ter“für sich und sein künst­le­ri­sches Schaf­fen ent­deck­te. Er blieb an der Do­nau und woll­te da­nach an­de­ren Kol­le­gen mit Hil­fe der Ate­liers im Al­ten Schlacht­hof bie­ten, was er er­hal­ten hat: Zeit und Raum, um ei­ge­ne Ide­en in ei­ner be­son­de­ren At­mo­sphä­re um­set­zen zu kön­nen.

Er ist ei­ner der neun aus­stel­len­den Künst­ler, die sich mit der Stadt und der Land­schaft aus­ein­an­der­set­zen. Im Al­ten Schlacht­hof ent­stand die Ra­die­rung „Red Barn“. Spä­ter mon­tier­te er die­se mit an­de­ren Ra­die­run­gen in ei­ne far­ben­schwe­re Land­schaft am Erie-See. Die Mon­ta­ge er­mög­licht es ihm, Un­ter­schied­lichs­tes in Tech­nik und Ge­gen­stand zu­sam­men­zu­brin­gen.

An der ge­gen­über­lie­gen­den Wand zieht die Zu­schau­er ei­ne un­be­nann­te Ra­dier­mon­ta­ge von Rolf Ni­kel in den Bann. Das plas­ti­sche Röh­ren­ge­flecht, das ein fried­li­ches in­und mit­ein­an­der kon­stru­iert und ein ganz ei­ge­nes Raum­ge­fühl er­öff­net, wur­de mit ei­ner Flex ra­diert. Auch im ers­ten Raum sind Ni­kels RaumRa­die­run­gen, die gleich­zei­tig abs­trakt und „mensch­lich“wir­ken, zu se­hen.

Der Mensch steht bei Horst Pe­ter Mey­er aus Wei­mar im Zen­trum sei­ner Ra­die­run­gen in schwarz-weiß. Er setz­te sich mit Wie­land und der Auf­klä­rung aus­ein­an­der. „Die Do­nau. Die Was­ser ge­ben sich ein Zei­chen“heißt ein Bild, auf dem Men­schen ab­ge­bil­det sind, die sich hoff­nungs­voll Zei­chen ge­ben. Ge­ra­de­zu im Kon­trast da­zu sind die bau­m­ähn­li­chen „Stra­ßen von Ma­tagal­pa“der bra­si­lia­ni­schen Künst­le­rin Jaque­line Bi­ca. Wie Mey­er wird von ihr zu­sätz­lich ein vor Ort ent­stan­de­nes Künst­ler­buch aus­ge­stellt: „Ho­me is whe­re I am“. Ih­re Tex­te und Bil­der ent­stan­den in­fol­ge von In­ter­views mit Flücht­lin­gen in Sig­ma­rin­gen. Künst­le­rin ex­pe­ri­men­tiert mit Ra­dier­tech­ni­ken Buch­kunst ist ein Schwer­punkt von Ka­rin In­ner­ling. Bei ih­rem Auf­ent­halt ent­stand „Die phan­tas­ti­sche Rei­se zur Ve­nus“von Sta­nislaw Lem. Sie ex­pe­ri­men­tiert mit un­ter­schied­li­chen Ra­dier­tech­ni­ken. Ih­re Il­lus­tra­tio­nen zeich­nen sich durch ein­drucks­vol­le Va­ria­tio­nen ei­ner Far­be aus.

Tra­di­tio­nell und doch hoch mo­dern wir­ken die Holz­schnit­te von Ana­st­a­siya Nes­te­ro­va. In ih­ren Bil­dern tau­chen kei­ne Men­schen auf und doch sind sie durch das, was sie an Brü­cken, Was­ser­weh­ren oder Schwimm­bad­rut­schen hin­ter­las­sen, prä­sent. Eher gra­fisch ar­bei­tet Ma­s­a­no­bu Mits­u­ya­su. Sei­ne Ex­pe­ri­men­te mit Hoch und Tief­druck-Kom­bi­na­tio­nen wir­ken leicht, fast ver­spielt. Auch Ma­ria Sch­lei­ner, die im nächs­ten Jahr ih­ren Wer­kauf­ent­halt ver­län­gern wird, bringt mit ih­ren zahl­reich von der De­cke hän­gen­den Zei­chen­ob­jek­ten Leich­tig­keit in die Aus­stel­lung. Die drei­di­men­sio­na­len Luft­zei­chen ste­hen im Kon­trast zu den wie Ge­mäl­de wir­ken­den Schwarz-Weiß-Ra­die­run­gen von Paul DeRu­vo. Der jun­ge Ame­ri­ka­ner mit jü­disch-deutsch-ita­lie­ni­schen Wur­zeln ver­brach­te sei­nen ers­ten Auf­ent­halt in Deutsch­land im Al­ten Schlacht­hof. Als Mas­ter Prin­ter und Stu­dio Ma­na­ger am Cen­ter for Con­tem­pora­ry Print­ma­king in Nor­walk, Con­nec­ti­cut, könn­te er die­se Aus­stel­lung nach Ame­ri­ka ver­mit­teln.

Die ge­lun­ge­ne Aus­stel­lung macht Lust, Druck­gra­fik und Ra­dier­kunst neu zu ent­de­cken so­wie den Li­ni­en vom Hand­werk über das Kunst­hand­werk zur Kunst und sei­nen viel­fäl­ti­gen Zei­chen nach­zu­spü­ren. Die Aus­stel­lung ist bis zum 31. De­zem­ber je­weils am Sams­tag, Sonn­tag und Fei­er­tag von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr ge­öff­net. Ort: Al­te Schu­le, Schul­hof 4, Sig­ma­rin­gen.

FO­TO: GA­B­RIE­LE LO­GES

Die Wer­ke meh­re­rer Künst­ler sind bis zum 31. De­zem­ber zu se­hen.

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