Schü­ler wer­den kom­mu­nal­po­li­tisch tä­tig

Gam­mer­tin­gen will neu­es Ju­gend­pro­jekt auf den Weg brin­gen und stellt An­trag auf För­de­rung

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ALB/LAUCHERT - Von Ignaz Stös­ser

GAM­MER­TIN­GEN - In vier klei­ne­ren Kom­mu­nen des Land­krei­ses, dar­un­ter auch Het­tin­gen, wer­den so­ge­nann­te 14er-Rä­te ge­bil­det, mit de­nen Ju­gend­li­che an der kom­mu­nal­po­li­ti­schen Ar­beit be­tei­ligt wer­den sol­len. Gam­mer­tin­gen will nun ei­nen Schritt wei­ter­ge­hen und ein Ju­gend­pro­jekt auf den Weg brin­gen, das deut­lich über den 14er-Rat be­zie­hungs­wei­se ei­nen Ju­gend­ge­mein­de­rat hin­aus­geht.

„Wir ma­chen uns schon seit Jah­ren Ge­dan­ken, wie wir Ju­gend­li­che an der Kom­mu­nal­po­li­tik bes­ser be­tei­li­gen kön­nen“, sagt Bür­ger­meis­ter Hol­ger Jerg. Es ha­be Über­le­gun­gen ge­ge­ben, ei­nen Ju­gend­ge­mein­de­rat zu grün­den, doch das sei nicht der rich­ti­ge Weg ge­we­sen, die Ju­gend­li­chen zum Mit­ma­chen zu be­we­gen. Nun hat aber ei­ne Än­de­rung der Ge­mein­de­ord­nung des Lan­des Ba­denWürt­tem­berg neu­en Schwung in die­se Über­le­gun­gen ge­bracht. Hier heißt es näm­lich: „Die Ge­mein­de soll Kin­der und muss Ju­gend­li­che bei Pla­nun­gen und Vor­ha­ben, die ih­re In­ter­es­sen be­rüh­ren, in an­ge­mes­se­ner Wei­se be­tei­li­gen.“Auch die Tat­sa­che, dass der Bund die Bil­dung von 14er-Rä­ten för­dert, be­schleu­nig­te die Aus­ar­bei­tung des Pro­jekts.

Der Ju­gend­be­auf­trag­te der Stadt Frank St­eng hät­te sich ger­ne ein­ge­bracht, um ei­nen 14er-Rat auch in Gam­mer­tin­gen zu bil­den. Doch die­ses Pro­jekt sei le­dig­lich für klei­ne­re Kom­mu­nen als Gam­mer­tin­gen ge­dacht, in de­nen es bis­her nur we­nig oder gar kei­ne Ju­gend­ar­beit gab, sagt er.

Mit ei­nem neu­en Kon­zept, das St­eng ge­mein­sam mit der Ver­wal­tung ent­wi­ckelt hat, will die Stadt nun deut­lich über das Kon­zept des 14er-Ra­tes hin­aus­ge­hen. „Der 14erRat wird in Gam­mer­tin­gen le­dig­lich ein Teil des ge­sam­ten Pro­jekts sein“, be­tont St­eng. So rech­net der Ju­gend­be­auf­trag­te, dass es ge­lin­gen könn­te, in Gam­mer­tin­gen gleich 800 bis 1000 Ju­gend­li­che zu er­rei­chen. In den 14er-Rä­ten an­de­rer Kom­mu­nen sei die Zahl der be­tei­lig­ten Ju­gend­li­chen doch re­la­tiv ge­ring. Ju­gend­li­che al­ler Schul­ty­pen wer­den kon­tak­tiert Das Gam­mer­tin­ger Kon­zept sieht vor, die Schü­ler al­ler Schul­ty­pen zu kon­tak­tie­ren, so­bald sie die sechs­te Klas­se er­rei­chen. Auf An­hieb wer­de man gleich 820 Schü­ler zum Mit­ma­chen mo­ti­vie­ren. Das sind al­le der­zei­ti­gen Schü­ler ab der sechs­ten Klas­se. „Wenn ers­te Pro­jek­te mal um­ge­setzt wer­den, dann stei­gert sich das In­ter­es­se“, schätzt St­eng. Er hofft auch, dass es mit die­ser Form der Ju­gend­ar­beit so­gar ge­lin­gen könn­te, manch ei­nen jun­gen Men­schen nach dem Stu­di­um wie­der zu­rück nach Gam­mer­tin­gen lo­cken zu kön­nen.

Das Schö­ne an dem neu­en Pro­jekt ist, dass es da­für ei­ne För­de­rung ge­ben könn­te. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Er­näh­rung und Land­wirt­schaft hat ein ent­spre­chen­des För­der­pro­gramm auf­ge­legt. Gam­mer­tin­gen will sich nun mit die­sem Pro­jekt be­wer­ben. Der Ge­mein­de­rat hat in sei­ner jüngs­ten Sit­zung ein­stim­mig grü­nes Licht da­für ge­ge­ben. „Das ist ein tol­les, viel­ver­spre­chen­des Pro­jekt, das gu­te Chan­cen hat“, sag­te Ge­mein­de­rat Ger­hard Jau­das. Vor­ge­se­hen ist, ei­nen pro­fes­sio­nel­len Be­treu­er zu en­ga­gie­ren, der an das Ju­gend­bü­ro an­ge­dockt wird. Wenn die För­de­rung aus­läuft, muss die Stadt neu ent­schei­den, wie sie wei­ter ver­fah­ren will.

FO­TO: IGNAZ STÖS­SER

Pa­pier­kram ist bei Ju­gend­li­chen nicht be­liebt. Dar­um will die Stadt Gam­mer­tin­gen den jun­gen Leu­ten ei­ne an­de­re Form der kom­mu­nal­po­li­ti­schen Ar­beit an­bie­ten.

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