Fa­mi­li­en­kut­sche mit ein paar sport­li­chen Ge­nen

Der Op­ti­ma Sports­wa­gon GT ist der ers­te Mit­tel­klas­se­kom­bi von Kia – Ele­gan­te Er­schei­nung und viel Platz

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - AUTO & VERKEHR - Von Dirk Uh­len­bruch

anz ehr­lich: Die­ser ver­hei­ßungs­vol­le Na­me muss ein­fach die Fan­ta­sie be­flü­geln. „Op­ti­ma Sports­wa­gon GT“– wem steigt da nicht schon der herr­li­che Duft von Öl und Ben­zin in die Na­se, wer träumt da nicht von ei­ner schnel­len Run­de auf der Nord­schlei­fe im Wind­schat­ten von Le­wis Ha­mil­ton? Doch Na­men sind ja be­kannt­lich Schall und Rauch, wie auch die­ser Mit­tel­klas­se­kom­bi von Kia be­weist. Als ras­si­ger Bo­li­de geht der Op­ti­ma Sports­wa­gon GT kei­nes­falls durch, als übe­r­aus prak­ti­sche, weit­ge­hend kom­for­ta­ble, gut aus­ge­stat­te­te und re­la­tiv güns­ti­ge Fa­mi­li­en­kut­sche mit ein paar sport­li­chen Ge­nen sehr wohl. Aber er­zäh­len wir der Rei­he nach.

Da steht er nun mit sei­ner schi­cken wei­ßen Per­lef­fekt-La­ckie­rung, der fast fünf Me­ter lan­ge, al­ler­ers­te Mit­tel­klas­se­kom­bi von Kia. Ei­ne si­cher­lich wei­se Ent­schei­dung der Ko­rea­ner, der vier­ten Ge­ne­ra­ti­on der Da­ten und Prei­se Mo­tor und Ge­trie­be: Vier­zy­lin­derTur­bo­ben­zi­ner mit Di­rekt­ein­sprit­zung, 1998 ccm Hu­b­raum, 245 PS, max. Dreh­mo­ment 350 Nm bei 1350-4000 U/min, Sechs­stu­fenAu­to­ma­tik, Front­an­trieb Fahr­leis­tun­gen: 0 auf 100 km/h in 7,6 Se­kun­den, Höchst­ge­schwin­dig­keit 232 km/h Ver­brauch: 8,2 l (Werks­an­ga­be), 8,8 l im SZ-Test CO2 -Aus­stoß: 191 g/km Ge­wicht: 1680-1795 kg, zul. Ge­samt­ge­wicht 2190 kg Ver­si­che­rung: HP 19 / TK N20 / VK N25 Ab­mes­sun­gen: 4,86 m lang, Li­mou­si­ne Op­ti­ma nun end­lich ei­nen La­de­meis­ter zur Sei­te zu stel­len. Schließ­lich weiß auch Stef­fen Cost, Ge­schäfts­füh­rer von Kia Mo­tors Deutsch­land, dass hier­zu­lan­de bei­na­he neun von zehn Neu­zu­las­sun­gen in der Mit­tel­klas­se auf Kom­bis ent­fal­len. „In die­sem be­deu­ten­den, hart um­kämpf­ten Seg­ment ist der Op­ti­ma Sports­wa­gon für uns ein wich­ti­ges Ero­be­rungs­pro­dukt, um neue Käu­fer zu ge­win­nen“, sagt er op­ti­mis­tisch. Schau­en wir al­so mal wei­ter.

Ei­ne ele­gan­te Er­schei­nung ist er ja schon: Das freund­li­che Ge­sicht mit dem ty­pi­schen Kia-Küh­ler­grill, bes­ser be­kannt als „Ti­ger­na­se“, die weit in die Flan­ken ge­zo­ge­nen LEDSchein­wer­fer, die üp­pi­gen, seit­li­chen Luft­ein­läs­se im Stoß­fän­ger, die schlan­ke, lang ge­streck­te Sil­hou­et­te, die prä­gnan­te Fens­ter­gra­fik, die ro­ten 2,12 m breit, 1,47 m hoch La­de­raum: 552 l, er­wei­ter­bar auf 1686 l Start­preis: 25 990 Eu­ro (schwä­che­re Mo­to­ri­sie­rung, ge­rin­ge­res Aus­stat­tungs­ni­veau) Grund­preis des Test­wa­gens: 41 790 Eu­ro, mit Son­der­aus­stat­tung (u. a. Rund­um­sicht­ka­me­ra, Spur­wech­sel­as­sis­tent, Qu­er­ver­kehrs­war­ner, ad­ap­ti­ver Tem­po­mat, au­to­no­mer Not­brems­as­sis­tent, Sitz­ven­ti­la­ti­on, Per­lef­fekt-La­ckie­rung) 44 530 Eu­ro Der Au­tor fuhr den von Kia zur Ver­fü­gung ge­stell­ten Test­wa­gen zwei Wo­chen lang. Brems­sät­tel, der sil­bern glän­zen­de Dop­pel­aus­puff – all das weiß das Au­ge zu er­freu­en. Hüb­sches Bei­werk, ge­wiss, doch das al­lein wird kei­nen Kom­bi­käu­fer über­zeu­gen. Wie ist es al­so be­stellt um die in­ne­ren Qua­li­tä­ten, wenn es ans Be­la­den geht?

Sehr gut, wol­len wir mei­nen. 552 Li­ter las­sen sich bei auf­recht ste­hen­der Rück­bank be­quem über die an­ge­nehm tie­fe und brei­te La­de­kan­te wuch­ten. Klap­pen die Leh­nen (40:20:40) nach ei­nem Zug am He­bel kin­der­leicht nach vorn, ent­steht zwar lei­der kei­ne ganz ebe­ne Flä­che, da­für aber ein stol­zes La­de­vo­lu­men von 1686 Li­tern. Das reicht lo­cker für den Fa­mi­li­en­ur­laub, den Be­such beim schwe­di­schen Mö­bel­gi­gan­ten und ei­nen Platz im obe­ren Mit­tel­feld die­ser Klas­se.

Net­te De­tails am Ran­de: Die Ge­päck­rau­m­ab­de­ckung ver­schwin­det – oh­ne kom­pli­zier­te Fum­me­lei beim Aus­bau – im dop­pel­ten La­de­bo­den. Das Ge­päck­raum­trenn­sys­tem auf Schie­nen hilft beim Ord­nung hal­ten. Un­ser ganz per­sön­li­ches Lieb­lings­stück ist al­ler­dings die sen­sor­ge­steu­er­te, elek­tri­sche Heck­klap­pe, die nach we­ni­gen Se­kun­den au­to­ma­tisch weit nach oben auf­schwingt, wenn nur der Schlüs­sel­trä­ger hin­ter dem Fahr­zeug steht. War­um das löb­lich ist, weiß je­der, der schon ein­mal ver­sucht hat, schwer be­la­den mit vol­len Ein­kaufs­tü­ten mit dem Fuß un­ter die Stoß­stan­ge zu tre­ten, um den Kof­fer­raum zu öff­nen. Olym­pia­sie­ger auf dem Schwe­be­bal­ken mö­gen das für Kin­ker­litz­chen hal­ten, Nor­mal­sterb­li­che hin­ge­gen sam­meln ge­le­gent­lich nach die­ser Übung Wurst- und Back­wa­ren vom Park­platz auf. Gut ge­macht, wer­te ko­rea­ni­sche Au­to­bau­er!

Ein Lob, das sie eben­so für den In­nen­raum ver­dient ha­ben, denn auch hier man­gelt es kei­nes­falls an Platz. Selbst im Fond rei­sen min­des­tens zwei Er­wach­se­ne be­quem bis ans Nord­kap und freu­en sich spä­tes­tens dort über die be­heiz­ba­re Rück­bank. Der Fah­rer ge­nießt der­weil die üp­pi­ge Se­ri­en­aus­stat­tung – un­ter an­de­rem 7-Zoll-Kar­ten­na­vi­ga­ti­on, Rück­fahr­ka­me­ra, Tem­po­mat, Kli­ma­an­la­ge und Au­dio­sys­tem sind schon in der Ba­sis­ver­si­on an Bord – so­wie die so­li­de Ver­ar­bei­tung der wei­chen Ma­te­ria­li­en im über­sicht­li­chen, fei­nen Cock­pit. Die vie­len Knöp­fe und Schal­ter, die die di­ver­sen Hel­fer­lein so­wie die elek­trisch ein­stell­ba­ren Le­der­sit­ze steu­ern und die man­che Tes­ter als übe­r­aus stö­rend emp­fin­den, er­wei­sen sich ge­ra­de für ge­setz­te­re Se­mes­ter als Se­gen: kein ner­vi­ges Wi­schen auf dem Touch­screen, kei­ne Irr­fahrt durch un­zäh­li­ge Un­ter­me­nüs, statt­des­sen ei­ne klar ge­glie­der­te Be­dien­lo­gik. Mo­dern ist eben nicht im­mer gleich bes­ser.

Doch nun aber ge­nug der ul­ti­ma­ti­ven Lob­hu­de­lei. Spre­chen wir über die Fahr­ei­gen­schaf­ten des Op­ti­ma Sports­wa­gon GT. Zu­ge­ge­ben: Die 245 Pfer­de im ge­tes­te­ten Top­mo­dell der Bau­rei­he ver­se­hen ih­ren Di­enst recht or­dent­lich und brin­gen die 1,7 Ton­nen ge­hö­rig und ei­nem Kom­bi an­ge­mes­sen in Schwung. So­gar der sat­te Klang des Ben­zi­ners – dem neu ent­wi­ckel­ten Ac­tive Sound Sys­tem sei Dank – har­mo­niert mit der Kraft des Ag­gre­gats. Das um zehn Mil­li­me­ter tie­fer­ge­leg­te, ad­ap­ti­ve Sport­fahr­werk je­doch trägt sei­nen Na­men eher zu Un­recht. Ho­her Fahr­kom­fort, wie ver­spro­chen? Mit klei­ne­ren Ab­stri­chen ge­lun­gen. Agi­les Hand­ling? Nun ja, das ha­ben wir Zu wei­che Len­kung, Sit­ze mit zu we­nig Sei­ten­halt, we­nig Mo­toral­ter­na­ti­ven schon über­zeu­gen­der er­lebt. Die Len­kung er­weist sich als Schwach­punkt – selbst im Sport­mo­dus zu weich und schwam­mig, zu we­nig Rück­mel­dung von der Stra­ße. Den Spa­gat zwi­schen Kom­fort und Sport­lich­keit ha­ben die Ko­rea­ner je­den­falls noch nicht ganz be­wäl­tigt.

Schlimm? Ach was, wir re­den von ei­nem Fa­mi­li­en­kom­bi! Und der Tur­bo­ben­zi­ner mit 245 PS, der bei ex­trem ge­zähm­tem Gas­fuß knapp neun Li­ter schluckt, dürf­te oh­ne­hin nur auf we­ni­gen deut­schen Wunsch­zet­teln lan­den. Ge­fragt sind, wie bei al­len an­de­ren Her­stel­lern, die Selbst­zün­der in die­ser Klas­se. Be­dau­er­lich des­halb, dass Kia nur ei­nen eher schwach­brüs­ti­gen Die­sel­mo­tor (141 PS) im Op­ti­ma Sports­wa­gon an­bie­tet. Fa­mi­li­en­vä­ter, die we­nigs­tens ge­le­gent­lich von der Nord­schlei­fe träu­men, könn­te dies ab­schre­cken. Und das wä­re nun wirk­lich scha­de.

FO­TO: KIA

Mehr Schein als Sein: Die ele­gant-sport­li­che Op­tik kor­re­spon­diert nicht im­mer mit den Fahr­ei­gen­schaf­ten des Op­ti­ma Sports­wa­gon GT.

Gu­tes Rau­m­an­ge­bot, be­quem zu be­la­den, üp­pi­ge Se­ri­en­aus­stat­tung

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