Kom­for­ta­bler woh­nen oh­ne Bar­rie­ren

Ex­per­ten be­ant­wor­ten Le­ser­fra­gen bei der Te­le­fon­ak­ti­on der „Schwä­bi­schen Zei­tung“zum The­ma al­ters­ge­rech­tes Um­bau­en

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - GELD & SERVICE -

RA­VENS­BURG (sz) - Mit dem Al­ter neh­men krank­heits­be­ding­te Mo­bi­li­täts­ein­schrän­kun­gen zu. Oft­mals müs­sen dann die Wohn­ver­hält­nis­se an die spe­zi­el­len Be­dürf­nis­se der Be­woh­ner an­ge­passt wer­den. Wel­che Mög­lich­kei­ten sich da­für bie­ten, wo man da­zu Be­ra­tung und Hil­fe be­kommt und wie der Staat un­ter­stützt, war Ge­gen­stand ei­ner Te­le­fon­ak­ti­on für Le­ser der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Hier die wich­tigs­ten Fra­gen und Ant­wor­ten. Wir wer­den äl­ter, des­halb ha­ben wir im Som­mer un­se­re bei­den Bäder um­ge­baut. Das hat ei­ni­ges ge­kos­tet. Ein Be­kann­ter mein­te, dass wir da­für auch ei­ne För­de­rung von der KfW be­kom­men könn­ten. Stimmt das? Wenn die Um­bau­maß­nah­men be­reits ab­ge­schlos­sen sind, kommt die KfW-För­de­rung für Sie lei­der nicht mehr in­fra­ge. Der An­trag ist grund­sätz­lich im­mer vor Be­ginn des Vor­ha­bens bei ei­nem Fi­nan­zie­rungs­in­sti­tut Ih­rer Wahl zu stel­len. Als Be­ginn des Vor­ha­bens gilt: der Start der Bau­maß­nah­men vor Ort. Pla­nungs­und Be­ra­tungs­leis­tun­gen so­wie der Ab­schluss von Lie­fer- und Leis­tungs­ver­trä­gen gel­ten da­ge­gen noch nicht als Vor­ha­bens­be­ginn. Dar­über sind Sie aber weit hin­aus. Für den Bad­um­bau, der An­fang nächs­ten Jah­res ge­plant ist, wur­den Kos­ten in Hö­he von rund 25 000 Eu­ro ver­an­schlagt. Da­für woll­te ich ei­nen Zu­schuss der KfW ha­ben. Man sag­te mir, die Mit­tel sei­en aus­ge­schöpft. Das stimmt. Aber wenn Sie oh­ne­hin erst im nächs­ten Jahr bau­en, kann es durch­aus sein, dass dann für die Zu­schuss-Va­ri­an­te des Pro­gramms „Al­ters­ge­recht Um­bau­en“wie­der Mit­tel ein­ge­stellt sind. Zu be­ach­ten ist da­bei, dass es da­für 12,5 Pro­zent der för­der­fä­hi­gen Kos­ten als Zu­schuss ge­ben kann. Das wä­ren in Ih­rem Fall 3125 Eu­ro für das Bad. Un­ter www.kfw.de/159 fin­den Sie ei­ne Lis­te der för­der­fä­hi­gen Maß­nah­men. Wir sind ge­gen­wär­tig in der Pla­nung un­se­res neu­en Hau­ses. Das soll so ge­baut wer­den, dass wir auch im ho­hen Al­ter da­rin woh­nen kön­nen. Gibt es För­der­mit­tel auch für den Neu­bau, und was ist da­bei zu be­ach­ten? Ja, auch ein bar­rie­re­frei­er Neu­bau wird mit dem Pro­gramm Num­mer 159 der KfW ge­för­dert. Es gibt ein zins­ver­bil­lig­tes Dar­le­hen in Hö­he von 50 000 Eu­ro pro Wohn­ein­heit. ANZEIGE Zu be­ach­ten ist, dass nur ge­för­dert wird, wenn tech­ni­sche Min­dest­an­for­de­run­gen ein­ge­hal­ten wer­den. So ist für den Neu­bau die DIN 18040-2 ein­zu­hal­ten. Sie fin­den im Merk­blatt für das För­der­pro­gramm in der An­la­ge Tech­ni­sche Min­dest­an­for­de­run­gen al­le In­for­ma­tio­nen da­zu. Schau­en Sie un­ter www.kfw.de nach. Un­ser Haus hat et­li­che Stol­per­stel­len und mit dem Bad ha­ben wir Pro­ble­me. Wer kann uns sa­gen, was in un­se­rem Ei­gen­heim über­haupt mach­bar ist? Wen­den Sie sich mit Ih­rem An­lie­gen zu­nächst ein­mal an ei­ne der re­gio­na­len Wohn­be­ra­tungs­stel­len. Die Adres­sen fin­den Sie un­ter an­de­rem un­ter www.woh­nungs­an­pas­sung­bag.de so­wie www.wohn­be­ra­tungs­stel­len.de. Hier kön­nen Sie ei­ne un­ab­hän­gi­ge Be­ra­tung zur Fest­stel­lung ge­eig­ne­ter Maß­nah­men er­hal­ten. In et­li­chen Land­krei­sen, un­ter an­de­rem in Ra­vens­burg, be­ra­ten da­zu neu­er­dings auch Ex­per­ten des DRK. Die­se Be­ra­tung ist kos­ten­frei. Un­ser Bad ist sehr eng, wir ha­ben vie­le Schwel­len, die Tür­öff­nun­gen sind eben­falls schmal. Man müss­te ei­ni­ges ma­chen. Wo kann man sich mal un­ver­bind­lich vor­ab in­for­mie­ren, was es an Mög­lich­kei­ten gibt? Es gibt ei­ne In­ter­net­sei­te www.null­bar­rie­re.de. Hier fin­den Sie vie­le Fall­bei­spie­le und bau­tech­ni­sche Lö­sun­gen zur Be­sei­ti­gung von Hin­der­nis­sen. Ich woh­ne in ei­ner Ei­gen­tums­woh­nung. Um zum Haus­ein­gang zu ge­lan­gen, sind Stu­fen zu über­win­den. Ich wür­de gern ei­ne Ram­pe an­bau­en las­sen. Wird das auch ge­för­dert? Ja, auch der Weg zum Ge­bäu­de, zum Ein­gangs­be­reich und zum Woh­nungs­zu­gang wer­den ge­för­dert. Aber be­den­ken Sie, dass al­le Bau­maß­nah­men au­ßer­halb Ih­rer Woh­nung der Ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft zur Ge­neh­mi­gung vor­zu­le­gen sind. Das schreibt das Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­setz vor. Bei grö­ße­ren Bau­maß­nah­men – schrä­ge Ebe­nen oder ähn­li­ches – muss so­gar ei­ne Ge­neh­mi­gung über das Bau­amt der Ge­mein­de an­ge­fragt wer­den. Un­ser Bau­spar­ver­trag steht dem­nächst zur Zu­tei­lung an. Kön­nen wir ihn für Um­bau­maß­nah­men ver­wen­den, oh­ne die Zu­la­gen zu ver­lie­ren? Ja, das ist mög­lich. Es gibt zwei Va­ri­an­ten: Sie kön­nen Gut­ha­ben und Dar­le­hen kom­plett ein­set­zen oder aber nur das Dar­le­hen für die Um­bau­maß­nah­me nut­zen und das Gut­ha­ben so­fort in ei­nen Fol­ge­ver­trag ein­be­zah­len, bei­spiels­wei­se in ei­nen neu­en Vor­sor­ge­bau­spar­ver­trag. Wir ha­ben uns ent­schlos­sen, im Ja­nu­ar Bar­rie­ren im Haus kom­plett zu be­sei­ti­gen. Wir wür­den da­für un­se­ren Bau­spa­rer ein­set­zen wol­len. Der ist aber noch nicht in der Zu­tei­lung. Fra­gen Sie beim Ver­trags­part­ner nach, wie Sie die Zu­tei­lung schnel­ler er­rei­chen kön­nen, bei­spiels­wei­se durch Ver­trags­tei­lung oder durch ei­ne Re­du­zie­rung der Bau­spar­sum­me. Mei­ne Frau hat jetzt die Pfle­ge­stu­fe II und kann die Ba­de­wan­ne nicht mehr nut­zen. Wir möch­ten ei­ne bo­den­glei­che Du­sche ein­bau­en und die Be­we­gungs­frei­räu­me vor Toi­let­te und Wasch­tisch er­wei­tern. Gibt es da­für ei­nen Zu­schuss? Horst Feh­rer Andre­as Kohl Mo­ni­ka Mül­ler

Andre­as Kohl von der Stif­tung Wa­ren­test und Ja. Stel­len Sie bei der Pfle­ge­kas­se Ih­rer Frau ei­nen An­trag auf den Zu­schuss für wohn­um­feld­ver­bes­sern­de Maß­nah­men. Das sind ma­xi­mal 4000 Eu­ro je Maß­nah­me. Le­gen Sie dem form­lo­sen An­trag am bes­ten gleich ei­ne Bau­be­schrei­bung plus Kos­ten­vor­an­schlag bei. Ei­gent­lich woll­ten wir noch in die­sem Jahr mit Mit­teln des KfW-Pro­gramms „Al­ters­ge­recht um­bau­en“Maß­nah­men zum Ein­bruch­schutz rea­li­sie­ren und mit ei­ge­nem Geld be­zah­len. Wir ha­ben ge­hört, dass die För­der­töp­fe da­für leer sind. Soll­ten wir mit dem Um­bau war­ten? Und in wel­cher Hö­he wird be­zu­schusst? Wenn Sie es oh­ne­hin erst pla­nen und kein Dar­le­hen in An­spruch neh­men wol­len, soll­ten Sie Ihr Vor­ha­ben bis 2017 hin­aus­schie­ben. Da wird der Zu­schuss für Ein­bruchs­si­cher­heit vor­aus­sicht­lich wie­der auf­ge­legt. Es wur­den bis­her zehn Pro­zent der för­der­fä­hi­gen Kos­ten für den fach­män­ni­schen Ein­bau von Si­cher­heits­tech­nik be­zu­schusst. Al­ler­dings gab es da­für ei­nen Min­dest­kos­ten­be­trag von 2000 Eu­ro und ei­nen Höchst­be­trag von 15 000 Eu­ro. Auch hier sind DIN-An­for­de­run­gen ein­zu­hal­ten. Be­ra­tungs­stel­len der Po­li­zei ge­ben da­zu Aus­kunft. Sie kön­nen un­ter www.k-ein­bruch.de nach­schau­en und fin­den dort auch Her­stel­ler­ver­zeich­nis­se und Er­rich­ter­lis­ten. Wenn Sie so­fort be­gin­nen wol­len, kön­nen Sie über Ih­re Haus­bank ein ver­güns­tig­tes Dar­le­hen der KfW be­an­tra­gen. Mei­ne Freun­din wohnt zur Mie­te und muss nach ei­nem Un­fall das Bad roll­stuhl­ge­recht um­bau­en las­sen. Müs­sen wir da­bei et­was be­ach­ten? Ja. Sie müs­sen für al­les, was Sie vor­ha­ben, die Er­laub­nis des Ver­mie­ters ein­ho­len. Spre­chen Sie die Be­din­gun­gen ge­nau mit­ein­an­der ab. An­sons­ten kann es sein, dass bei ei­nem Aus­zug ein Rück­bau ge­for­dert wird. Der Haus­ei­gen­tü­mer ist auch nicht ver­pflich­tet, die Kos­ten für Ih­re Um­bau­plä­ne zu über­neh­men. Su­chen Sie un­be­dingt das Ge­spräch. Denn es kann sein, dass sich bei ei­ner nach­weis­li­chen Auf­wer­tung der Woh­nung der Ver­mie­ter an den Kos­ten be­tei­ligt. Wenn wir un­ser Haus kom­plett al­ters­ge­recht um­bau­en, wol­len wir mög­lichst Feh­ler ver­mei­den und För­der­mit­tel in die Fi­nan­zie­rung ein­bin­den. Wer kann uns da­bei un­ter­stüt­zen? Wenn För­der­mit­tel in An­spruch ge­nom­men wer­den sol­len, ist es emp­feh­lens­wert, Sach­ver­stän­di­ge zur fach­ge­rech­ten Pla­nung, zur Bau­aus­füh­rung und für die Do­ku­men­ta­ti­on hin­zu­zu­zie­hen. Es gibt Bau­vor­la­ge­be­rech­tig­te, ins­be­son­de­re Ar­chi­tek­ten, die un­ter www.bak.de und www.bingk.de auf­ge­lis­tet sind. Für die Bau­aus­füh­rung fin­den Sie zer­ti­fi­zier­te Hand­wer­ker, die ex­tra da­für aus­ge­bil­det wor­den sind, un­ter der In­ter­net­adres­se www.shk-bar­rie­re­frei.de/kfw. Un­ser Haus ist nicht al­ters­ge­recht, die Ver­kehrs­an­bin­dung passt nicht und die In­fra­struk­tur ent­spricht nicht un­se­ren jet­zi­gen Be­dürf­nis­sen. Was ra­ten Sie uns? Wenn Sie ei­ne ge­eig­ne­te­re Im­mo­bi­lie zum Kauf fin­den, soll­ten Sie über ei­nen Ver­kauf Ih­res Hau­ses nach­den­ken, um Ih­re Le­bens­si­tua­ti­on zu ver­bes­sern. Sie könn­ten den Ver­kaufs­er­lös auch für ein le­bens­lan­ges Wohn­recht in ei­ner Se­nio­ren­re­si­denz nut­zen. Da­für kön­nen Sie im Üb­ri­gen auch Ih­ren Bau­spar­ver­trag ein­set­zen.

FOTO: DPA

Ein al­ters­ge­rech­ter Um­bau der Woh­nung kos­tet viel Geld. Der Staat hilft je­doch mit.

Wo kann man sich zur Woh­nungs­an­pas­sung be­ra­ten las­sen? Wel­che Hil­fen kön­nen in An­spruch ge­nom­men wer­den? Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen und mehr ga­ben Horst Feh­rer vom Ver­band der Pri­va­ten Bau­spar­kas­sen,

Mo­ni­ka Mül­ler von der VdK Pa­ti­en­ten­und Wohn­be­ra­tung Stutt­gart. (Fo­tos: privat)

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