Von auf­ge­wärm­ten und neu­en Lie­ben

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT - Von Fil­ip­po Ca­tal­do

Was sagt es aus über ei­ne Li­ga, wenn der Letz­te – ver­dient, üb­ri­gens – den Ers­ten schlägt? Und dann am nächs­ten Tag der Club, der nur des­we­gen nicht der neue Letz­te wur­de, weil er neu­er­dings auch ge­winnt, sei­nen Vor­stands­vor­sit­zen­den durch ei­nen al­ten Be­kann­ten aus­ta­schen soll? In ers­ter Li­nie wohl, dass die­ser 14. Spiel­tag der Bun­des­li­ga ei­ni­ge schö­ne Ge­schich­ten fa­bri­ziert hat. Ralph Ha­sen­hüttl ver­liert mit sei­nem neu­en Club RB Leip­zig al­so bei sei­nem al­ten Ver­ein FC In­gol­stadt; der HSV er­setzt nach über­ein­stim­men­den Me­dien­be­rich­ten Di­di Bei­ers­dor­fer, des­sen zwei­te Amts­zeit vor al­lem als recht kon­fu­se in die Ge­schich­te ein­ge­hen wird, durch He­ri­bert Bruch­ha­gen, der, be­vor er von 2003 bis zum En­de der letz­ten Sai­son Ein­tracht Frank­furt mit ru­hi­ger Hand durch sei­ne wech­sel­vol­le Zeit führ­te, von 1992 bis 1995 auch schon ein­mal in Ham­burg tä­tig war. Bruch­ha­gen soll nach In­for­ma­tio­nen der „Bild“und des „Ki­ckers“ei­nen Ver­trag bis Ju­li 2019 un­ter­schrei­ben. Sei­ne Kar­rie­re als Ex­per­te für den PayTV-Sen­der Sky ist da­mit vor­bei, wel­che Aus­wir­kun­gen Bruch­ha­gens Rück­kehr auf die gro­ße Fuß­ball­büh­ne für die TV-Kar­rie­re sei­nes Freun­des und Lieb­lings­trai­ners Armin Veh bei SPORT 1 ha­ben wird, muss die Zeit zei­gen. Im­mer­hin hat der ak­tu­el­le Trai­ner Mar­kus Gis­dol mit dem 1:0 ge­gen den FC Augs­burg am Sams­tag den zwei­ten Sieg hin­ter­ein­an­der mit den Ham­bur­gern ein­ge­fah­ren. Doch auf­ge­wärm­te Lie­ben schei­nen in Ham­burg ja wei­ter Kon­junk­tur zu ha­ben und Veh war in der Sai­son 2010/2011 ja auch schon ein­mal in Ham­burg be­schäf­tigt – ehe er we­gen des all­ge­mei­nen Cha­os die Bro­cken hin­warf.

Dass Ralph Ha­sen­hüttl in sei­nem Le­ben noch ein­mal beim FC In­gol­stadt tä­tig sein wird, muss be­zwei­felt wer­den. We­ni­ger, weil er zum Ab­schluss sei­nes äu­ßerst er­folg­rei­chen En­ga­ge­ments bei den Ober­bay­ern mit dem Wech­sel nach Leip­zig ei­ni­ge Funk­tio­närs- und Fan­her­zen ge­bro­chen hat. Auch nicht un­be­dingt, weil sei­ne mitt­ler­wei­le von Ma­ik Wal­pur­gis trai­nier­te und am Sams­tag bes­tens ein­ge­stell­te frü­he­re Mann­schaft am Sams­tag beim 1:0 be­wie­sen hat, dass sie ih­ren frü­he­ren Trai­ner mehr durch­schaut als des­sen neue Spie­ler sei­ne al­te Lie­be – der FCI er­rang den Sieg auch mit ei­ner gro­ßen Por­ti­on In­gol­städ­ter Ha­sen­hütt­lFuß­ball, den der Trai­ner einst mit dem von ihm po­si­tiv be­setz­ten Be­griff „ek­lig“be­schrieb. Ha­sen­hüttl ist, Nie­der­la­ge hin oder her, ein­fach zu gut für ei­nen Club wie den FCI.

An­de­rer­seits galt bei­spiels­wei­se Mir­ko Slom­ka auch mal als äu­ßerst gu­ter Bun­des­li­ga-Trai­ner. Als so gu­ter, dass er kurz­zei­tig so­gar als Kan­di­dat für den FC Bay­ern ge­han­delt wur­de. Lan­ge her, Slom­ka war­tet seit sei­nem halb­jäh­ri­gen Gast­spiel beim HSV 2014 auf das pas­sen­de An­ge­bot. Weil das of­fen­sicht­lich nicht kam, hat er sich nun selbst den pas­sen­den Ver­ein ge­sucht und sich beim VfL Wolfs­burg, das nach dem 0:5 bei den Bay­ern punkt­gleich mit dem HSV auf Platz 15 ran­giert, ins Spiel ge­bracht. Oder, wie es die Vi­deo­text­re­dak­ti­on von Vox for­mu­lier­te, „ein­ge­schleimt“: „Ich ha­be schon das ei­ne oder an­de­re Mal mit Wolfs­burg Ge­sprä­che ge­führt vor ei­ni­ger Zeit. Das ist nicht ab­we­gig, weil ich ja Nie­der­sach­se bin und mein Herz na­tür­lich auch ein biss­chen für Nie­der­sach­sen schlägt“, sag­te Slom­ka bei Sky. Ei­ne Ent­las­sung des ak­tu­el­len Trai­ners Valé­ri­en Is­maël kann sich Slom­ka durch­aus vor­stel­len. Des­sen Bi­lanz sei „nicht so stark, dass man un­be­dingt an ihm fest­hal­ten muss“.

FOTO: DPA

Schon von 1992 bis 1995 war He­ri­bert Bruch­ha­gen Ma­na­ger beim HSV.

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