„Der Staat ist in der Bring­schuld“

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

BER­LIN - Das Si­cher­heits­ge­fühl der Men­schen ha­be ge­lit­ten, sagt Ralf Jä­ger (SPD/Fo­to: dpa), In­nen­mi­nis­ter von Nord­rheinWest­fa­len, im Ge­spräch mit Ras­mus Buch­stei­ner. Ist mit dem neu­en Si­cher­heits­kon­zept ge­si­chert, dass sich Über­grif­fe wie im ver­gan­ge­nen Jahr nicht wie­der­ho­len kön­nen? Als Ehe­mann und Va­ter ei­ner Toch­ter packt mich beim Ge­dan­ken dar­an, dass Frau­en mit­ten in Köln mas­sen­wei­se Op­fer se­xu­el­ler Über­grif­fe wur­den, im­mer noch die kal­te Wut. So et­was hat­te es zu­vor in Eu­ro­pa noch nie ge­ge­ben. Die NRW-Po­li­zei wird an Sil­ves­ter mit viel Prä­senz da­für sor­gen, dass es sich nicht wie­der­holt. Vie­le Frau­en ha­ben be­rich­tet, Sie hät­ten sich Sil­ves­ter 2015 in Köln wie Frei­wild ge­fühlt. Was ist die wich­tigs­te Leh­re, die aus den Vor­gän­gen ge­zo­gen wer­den muss? Mit­ten in ei­ner Mil­lio­nen­stadt sind Frau­en un­ter den Au­gen der Po­li­zei be­grapscht und be­stoh­len wor­den. Das Si­cher­heits­ge­fühl der Men­schen hat ge­lit­ten. Der Staat ist in der Bring­schuld. Und die NRWPo­li­zei wird sich das Ver­trau­en wie­der ver­die­nen. Aber auch die Städ­te und Kom­mu­nen sind ge­fragt. Wir brau­chen trag­fä­hi­ge Si­cher­heits­kon­zep­te. In Köln wie über­all an­ders in NRW auch. Erst Köln, jetzt Ver­ge­wal­ti­gun­gen und Mor­de durch Flücht­lin­ge in Frei­burg, Bochum und Ham­burg. Was muss die Ant­wort auf die Häu­fung sol­cher Fäl­le sein? Ganz egal, ob hier ge­bo­ren oder hier­her ge­flo­hen: Wer mor­det, ver­ge­wal­tigt oder stiehlt, der ist kri­mi­nell und muss be­straft

wer­den. Die Lan­des­re­gie­rung hat erst spät auf die Vor­fäl­le re­agiert. Was hät­te an­ders lau­fen müs­sen? Sie hat so­fort re­agiert, als die Di­men­si­on der Er­eig­nis­se er­kenn­bar wur­de. Die Köl­ner Po­li­zei hät­te nach al­lem, was wir heu­te wis­sen, früh­zei­tig Ver­stär­kung an­for­dern müs­sen. Der Ein­satz hät­te ins­ge­samt viel bes­ser ko­or­di­niert wer­den müs­sen. Vie­le ha­ben et­was mit­be­kom­men, aber eben kei­ner al­les. Und schließ­lich er­weck­te die Pres­se­ar­beit der Köl­ner Po­li­zei in den ers­ten Ta­gen nach Sil­ves­ter den fal­schen Ein­druck, es sol­le ver­tuscht wer­den. Die Po­li­zis­tin­nen und Po­li­zis­ten, die mit­ten­drin wa­ren und von den Er­eig­nis­sen förm­lich über­rollt wur­den, trifft kein Vor­wurf.

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